angenehmen Verhältnissen kann es möglich , manchmal sogar ganz lustig sein - gute Freunde , viele Blumen , sympathische Ärzte und das große Gegenpläsier , wieder gesund zu werden . Aber die beiden anderen ? Der Tod - warum hat man wohl so viel Angst davor ? Ich habe sie auch , aber dann denke ich wieder , es ist vielleicht ganz überflüssig , wir wissen doch noch gar nicht , ob es unangenehm sein wird . Es mag verdreht sein , aber ich ertappe mich sogar bei dem Gedanken : das Leben ist so schön , obwohl so viel dagegen eingewandt wird - am Ende ist das Sterben auch gar nicht so übel . Schlimmstenfalls ist es eine Exekution , die nicht lange dauert . Und das Alter - alt werden ? Gott , wenn man durchaus nicht mag , es kann einen ja niemand zwingen , länger zu leben , als man will . Aber da liegt ein böses Dilemma , es ist so viel hübscher , jung zu sterben , aber um wirklich großen Charme zu haben , müßte es schon sehr früh sein . Andererseits aber möchte man möglichst viel leben und unverhältnismäßig lange jung bleiben . Schenkt uns nun der gütige Himmel diese ausdauernde Jugend , so wird es sehr schwer sein , den richtigen Zeitpunkt zu finden . Sehen Sie - wenn ich sterbe , möchte ich gerne noch so aussehen wie jetzt , aber ich habe doch vorläufig gar keine Lust , mich schon in die Unterwelt zu begeben . Ach , das ist wirklich schon wieder ein Problem und a very disagreeable one , wie Sir John sagt . Wir saßen kürzlich alle drei bei ihm auf dem Sofa , der vorwitzige Bobby zupfte seinem Mentor drei graue Haare aus und sagte : » Meister , wir werden alt . « Mehr als die drei fanden wir nicht , und John lachte . Aber mir wurde doch ganz kalt , und ich dachte : wenn ich nun einmal dasitze und neben mir ein junger Dichter , der mir drei graue Haare auszupft ! ( Nun , in dem Nebenumstand könnte ja noch etwas Tröstliches liegen . ) Übrigens glaube ich gar nicht unbedingt daran , daß das erste graue Haar , die erste Falte ein so überwältigender Eindruck ist . Eher noch der Abschied von der allerersten Jugend , von der verwegenen Sicherheit , in jedem Zustand und jeder Verfassung - ob verweint , verkatert , übernächtig oder ausgeschlafen - immer gut auszusehen , immer auf der Höhe zu sein . Man denkt auch in diesem Stadium viel mehr über die Schrecken des Älterwerdens nach . Schon beim Abschied von Hängezopf und kurzen Kleidern meint man , nun sei die Hauptsache bald vorbei , und mit zwanzig Jahren , man hätte jetzt kaum mehr Zeit vor sich . Später dann merkt man , daß es noch recht lange dauert und wie dehnbar und geräumig das Leben in Wirklichkeit ist . Aber , bitte , sagen Sie mir nicht wieder : Sie bleiben immer jung - es ist zwar angenehm zu hören , aber die Frauen mit der ewigen Jugend halte ich doch für einen Bluff . Es kann mich ganz nervös machen , wenn immer wieder die unselige Ninon de Lenclos herbeizitiert wird . Ich bekomme dann das Gefühl : o Gott , nein , so alt möchte ich gar nicht werden . Ich pfeife darauf , daß meine Stiefsöhne - oder waren es richtige ? - sich in mich verlieben , wenn ich siebzig bin . Das ist ja doch nichts Rechtes mehr . Ich möchte gern wissen , ob man sich überhaupt genieren wird , alt zu sein ? Vor den anderen vielleicht nicht , sie sind ja daran gewöhnt , daß es alte Leute gibt , und finden nichts Auffälliges daran . Aber vor sich selbst - denken Sie nur , als alte Dame aufzustehen und sich im Spiegel zu sehen : guten Morgen - o Gott , aber du bist ja alt - was willst du denn noch ? Ja , besonders in der Früh muß es deprimierend sein , im Laufe des Tages wird man sich wohl irgendwie in seine Rolle hineinleben . Ich stelle mir bei allen Lebenslagen , die mir peinlich sind , gerne vor , daß ich nur eine Rolle spiele , eben jetzt diese oder jene spielen muß , die mir nicht recht liegt . Zum Beispiel bei unangenehmen Auseinandersetzungen : du bist ja nur auf der Bühne - o weh , der Souffleur ist nicht da - besinne dich rasch , was man in dieser Szene ungefähr zu sagen hat . Oder wenn man morgens aufwacht - ja , was ist denn eigentlich ? Dies und jenes , alle möglichen Unannehmlichkeiten . Schön , ich habe also eine Frau zu spielen , die in Geldschwierigkeiten ist und nichts anzuziehen hat . Undankbar , aber vielleicht läßt sich etwas daraus machen . Bitte auf die Bühne ... Lieber Freund und Doktor - es ist schlecht , mit mir zu diskutieren , denn es fällt immer wieder so aus : das ist schlimm - sehr schlimm - ja - nein , es ist eigentlich doch nicht so schlimm . So muß ich denn schließlich auch feststellen , daß der Gedanke an die Vergänglichkeit alles Irdischen mich im großen und ganzen nicht sehr bedrückt , höchstens wenn ich gerade meinen verfluchten Tag habe . Ich denke vielmehr , wenn es erst einmal soweit ist , wird man schon damit fertig werden . Wird man alt , so treibt man sich noch eine Weile als Zuschauer auf der Welt herum , braucht sich wenigstens nicht mehr zu Taten aufzuraffen . Und die Erinnerungen , die im Alter eine so bedeutende Rolle spielen sollen ? Nun , bei allen guten Dingen wird man sich freuen , daß sie da waren , und bei den schlechten , daß sie vorbei sind . Die beste Vorsorge fürs Alter ist