Exzellenz Knospelius gesprochen , ein äußerst interessanter Herr . Er interessiert sich sehr für das Gesellschaftsleben hier ; er will ein Fest geben , so was wie eine italienische Nacht . Sein Diener , ein unheimlich ernster Wiedertäufer , klebt schon die Papierlaternen dazu . » Klaus ist « , sagt die Exzellenz , » sehr brauchbar für das , was er unsere Sünden nennt . « Lolo hatte aufmerksam zugehört und sagte ergeben : » Wenn du so viel auf das Meer hinausfährst , werde ich wohl auf der Düne sitzen müssen und dir nachschauen . « » Wieso , wieso ? « rief Hilmar . » Das ist doch nur für die Zwischenzeiten und du weißt , es gibt Zwischenzeiten , Zeiten , in denen ich langweilig bin , in denen du nichts mit mir anfangen kannst . Dann segle ich hinaus . Übrigens steht schon in der Bibel so was davon , daß die Frau zu Hause bleibt und der Mann vor den Toren berühmt ist . « » Dieses Tor merk dir , mein Kind « , meinte die Generalin , » das wird in deiner Ehe noch oft auftauchen . « » Aber ich fahre mit « , meldete sich Wedig unten am Tisch . Seine Mutter sah ihn mitleidig an . » Du , mein armer Junge , nein , du bleibst zu Hause . « Da ging eine seltsame Veränderung in dem Knaben vor . Sein bleiches Gesicht mit den kränklichen , zu feinen Zügen errötete , seine Augen füllten sich mit Tränen , und mit leidenschaftlich sich überschlagender Stimme begann er zu sprechen : » Ich bleibe immer zu Hause , ich darf nie etwas , ich hocke immer abseits , warum ? Was ist mit mir ? Bin ich ein Krüppel ? Was sollen die Leute davon denken ? Ich bin ja lächerlich . Gestern begegnete mir die Gräfin , ich grüße , sie bleibt stehen und fragt : Baden Sie auch ? Ich sage ja , aber ich kann ihr nicht sagen , ich darf nicht ins Meer hinein , ich nehme warme Seebäder . « » Wedig , geh auf dein Zimmer « , sagte Frau von Buttlär . Wedig war wieder sehr bleich geworden , er stand auf und ging , steifbeinig vor Trotz , hinaus . Am Tische entstand ein Schweigen , alle waren über den Zwischenfall betroffen . Endlich sagte Frau von Buttlär sorgenvoll : » Ich weiß nicht , woher meine Kinder alle das überspannte Wesen haben . « » Meine Liebe « , versetzte Herr von Buttlär und legte seine Hand zärtlich auf die Hand seiner Gattin , » die Genialität haben sie jedenfalls von dir . « Die Generalin lachte . » Nun ja « , meinte sie , » es ist das Wetter , das euch alle zu genial macht , aber das Barometer fällt Gott sei Dank . « Achtes Kapitel Tun , tun , hatte Hans Grill gesagt , und so fuhren sie denn mit Wardein bei Nacht auf den Fischfang hinaus . Der Mond stand hoch am Himmel , das Meer war ruhig , nur von einem sanften , langatmigen Auf- und Abschwellen bewegt , wie über ein gläsernes Hügelland glitt das Boot hin . Wardein saß am Steuer und rauchte . Zwei blonde rundköpfige Burschen , Mathies und Thomas , ruderten ; unförmig in ihren dicken Jacken bogen sie sich taktmäßig hin und her . Doralice war auf einem Klappstühlchen eingerichtet worden , fest in Decke und Mantel gehüllt . Hans saß neben ihr auf der Bank . Alle schwiegen , nur ab und zu gab Wardein ein Kommando , das wie ein tiefes Brummen klang . Die Ferne war von einem feinen , silbernen Lichtnebel verhangen , aber Doralice glaubte diese unendliche Weite zu fühlen , wie sie die dunkle Tiefe unter sich zu fühlen meinte , und beide , die Tiefe und die Weite , legten sich bedrückend auf sie , wie etwas , das ihr den Atem benahm , sie ängstigte , das ihr die Empfindung des Verlorenseins und der Einsamkeit gab . Warum sprachen alle diese Männer nicht ? Warum saßen sie da still in ihre Mäntel gehüllt , die Hutkrempen auf die Gesichter niedergebogen wie dunkle , fremde Traumgestalten ? Da beugte sich Hans zu ihr nieder , drückte ihre Hand und fragte : » Wie geht es ? « » Gut , « erwiderte sie und lächelte , es sollte niemand wissen , daß sie sich fürchtete , aber der Händedruck , die ruhige , freundliche Stimme taten ihr gut , gaben ihr ein wenig Sicherheit wieder . Und Hans , als fühlte er das , sprach weiter , fragte Wardein : » Fahren wir dort zu den Butten hinüber ? « » Ja , ja , zu den Butten « , brummte Wardein , » die liegen dort unten im Sande . « » Aha , « meinte Hans , » die wühlen sich dort in den Sand ein und warten auf ihre Beute , die flachen Luder . « Die Burschen auf der Ruderbank begannen laut und rauh über die Butten zu lachen , Doralice lachte auch mit . Die Nacht war schwül , Mathies wurde es beim Rudern zu heiß , er wollte sich die Jacke ausziehen . Hans erbot sich für ihn zu rudern und nun standen sie auf , gingen im Boot hin und her wie in einer Stube , Mathies zog sich die Jacke aus , stand in Hemdsärmeln da , stützte den einen Fuß auf den Bootsrand , spuckte in das Meer und pfiff leise vor sich hin . Und wie sie sich alle um sie her so ruhig und gewohnt bewegten , als seien sie hier mitten auf dem Meer zu Hause , da wich auch von Doralice das bedrückende Angstgefühl , ja , es war köstlich zu spüren , wie sie allmählich in diese Welt als etwas Zugehöriges aufgenommen wurde . Es war