die Andacht verscheucht worden , auch die letzte Neigung zum Baden vergangen . Badende Gänse benehmen sich adlig neben diesem Haufen von Leuten , so einander zu verdrängen suchen , um eine gute Stelle zum Auskleiden zu ergattern und unter den Ersten ins Wasser zu kommen . Wie wir das Stoßen und Schelten , das trübe Wasser , das haufenweise Hineinplatschen der Leiber , das Kreischen und Plätschern wahrgenommen , sind wir durch einen Blick einig worden , ungebadet hinauszugehen . Wie töricht ist doch wohl der gemeine Glaube , dem wir bis Dato selber gehuldigt , zur Sonnenwende Sankt Johannis bringe Warmbrunn in einer Viertelstunde mehr Heilung als sonst in einem Badeleben von mehreren Wochen . Nunmehr sind wir entschlossen , morgen heimzureisen und meinen Eheherrn um die Erlaubnis zu bitten , uns später einmal zur längeren Kur nach Warmbrunn zu beurlauben . « Dunkel war ' s indessen worden , schwarz lag das Gebirge . Funken taumelten durch Laub und Halme - schwärmende Leuchtkäferlein . » Schau , Mutter ! « rief Elfriede in froher Aufregung , blieb stehen , indem sie meinen Arm losließ , und deutete nach dem Kynast ; » das erste Johannisfeuer ! « In der Tat leuchtete es auf dem Turme der Veste . » Zur Linken noch eins ! « fügte Elfriede hinzu ; » am Seidorfer Brünnel muß das sein ; und dorten , ganz oben , wohl bei einer Baude ! « » Ich sehe eins über Petersdorf , « sagte ich ; » das ist bei den Wachsteinen ; desgleichen oben am Schwarzen Berge fackeln sie ; das sind Schreiberhauer . « Und nun erglommen immer häufiger , immer lichter die Johannisfeuer in den düsteren Bergen , ähnlich wie Sterne am Nachthimmel erblühn . So auch in mir jene köstlichen Freudenfeuer , mit denen das Herz seine erwachte Liebe feiert . Es war mir leid , zu hören , daß Preislers bereits am nächsten Morgen nach Schreiberhau heimkehren wollten . Da ich zu dieser Zeit von meinem Amte in Anspruch genommen war , sagten wir einander gleich auf der Stelle Valet . Ich drückte der Jungfer Hand : » Auf gute Genesung - und Wiederschaun ! « - Sie lächelte traurig : » Weiß Gott ! « - Ich versuchte zu scherzen : » Auf Wiederschaun beim Tanze ! « Sinnend nickte sie und tat einen Seufzer : » Auf Krücken vielleicht . « Seit dieser Zeit ist mir ein süß Weh gleich dem duftigen Hauch einer wunderbaren Blume gekommen , sooft ich in stiller Stunde Elfriedens gedachte . Manch Gespräch voller Andeutungen unserer Herzensverfassung hat sich zwischen uns in meinen Träumereien begeben , und als höchstes Glück deuchte es mich , im Mondenschein der Juninacht Elfrieden an meiner Seite zu haben , ihr Köpfchen an meine Schulter gelehnt . Mit Sorge und Gram aber hat es mich erfüllt , da ich aus einem Briefe meines Oheims vernommen , mit Preislers Elfriede sei es schlechter worden , sintemalen sie gar nicht mehr gehen könne . Hierauf hab ich in der Bücherei des Herrn Schaffgotsch Schriften nachgeschlagen , so von Körpergebresten und ihrer Heilung handeln . Da ist mir eine Historia von der Kraft des Antimonii begegnet . » Ich bekam « , so erzählt ein Medikus , » überaus großen Schmerz in meinem linken Arm , daß ich den lieben Gott wohl tausendmal gebeten , er möge mich doch endlich empfinden lassen , wie einem Menschen zumute , so ein einzig Viertelstündlein schmerzlos wäre . Rat hab ich bei Gelehrten und Ungelehrten gesucht ; hat alles nichts helfen wollen . Recht henkermäßig ward ich gemartert mit Fontanellen auf beiden Armen und Quacksalbereien , bis endlich ein Offizier anriet , ich solle täglich eine Prise Antimoniumpulver einnehmen und allmählich dies Quantum derart vergrößern , daß ich in Schweiß komme , ohne Übelkeit zu empfinden . Daß ich des Offiziers Ratschlag befolgte , hatte ich nicht zu bereuen , da ich durch fortgesetztes Einnehmen dieses Medikamenti meine Glieder von Schmerz und Lahmheit befreite . « Mich brachte dieser Bericht in Aufregung und Ungeduld . Hätte am liebsten sogleich aus der Hirschberger Apotheke Antimon geholt und mich nach Schreiberhau begeben , meine Elfriede zu heilen . Doch war mir bekannt , daß Antimonium ein Gift , und so besorgte ich , die Patientin könne Schaden nehmen . Nachdem ich etliche Wochen in Schwanken zugebracht , traf es sich , daß ich auf einem Botengange zu Herischdorf in eines Schreiners Stube ein artig Mägdlein fand , so nicht von ihrem Stuhle aufstehen konnte und Krücken neben sich hatte . Als ich mich nach der Patientin erkundigte , hub der Schreiner an zu seufzen , das Kind sei seit dem fünften Jahre lahm , und es werde auch noch mit ihren Händen schlimm . Traurig lächelnd sagte der Vater zum Mägdlein , es solle mir doch weisen , was es in der Hand halte , und da sahe ich , wie es vergebens sich mühte , die Hand aufzutun , deren Finger zusammengekrümmt übereinander lagen . Ich dachte an mein Antimonium und fragte den Schreiner , ob er es mit einem Mittel versuchen wolle , von dem ein berühmter Medikus großen Erfolg verspreche . Er brauche dann nur aus der Apotheke pulvrisiertes Antimonium zu holen , so viel wie eine Nuß ; ich werde mit aller Sorgfalt die Kur leiten und keinen andern Lohn erwarten als die Freude , einem armen Menschenkinde geholfen zu haben . Der Mann betrachtete mich von oben bis unten und schüttelte den Kopf , ließ sich aber den Namen des Medikamenti auf einen Zettel schreiben und war am nächsten Sonntag bei mir mit dem Pulver , das er richtig in der Apotheke erhalten hatte . Das erste , was ich tat , war , das Pulver in winzige Prisen zu teilen , die ich durch Wägen auf einer Feinwage gleichmachte . Alsdann nahm ich , um die Wirkung des giftigen Stoffes zu erproben , nüchternen Magens eine Prise ein