Jetzt ... ? Du denkst wahrscheinlich an Heinrich Bermann ... Also du irrst dich , Mama . « » Es wäre mir lieb , wenn ich mich irrte . Aber heuer im Sommer hatte ich wirklich ganz den Eindruck , als ob ... « » Ich sag dir ja schon « , unterbrach Else sie ein wenig ungeduldig . » Es ist nichts , und es war nichts . Ein einziges Mal , an dem schwülen Nachmittag , wie wir Kahn gefahren sind du hast uns ja vom Balkon aus gesehen , sogar mit dem Operngucker da ist es ein bißchen gefährlich geworden . Aber wenn wir uns auch einmal um den Hals gefallen wären , was übrigens nie vorgekommen ist , es hätte doch nichts zu bedeuten gehabt . Es war halt so eine Sommersache . « » Und er soll ja auch in einem sehr ernsten Verhältnis stecken « , sagte Frau Ehrenberg . » Du meinst ... mit dieser Schauspielerin , Mama ? « Frau Ehrenberg sah auf . » Hat er dir was von ihr erzählt ? « » Erzählt ... ? So direkt nicht . Aber wenn wir miteinander spazieren gegangen sind , im Park , oder abends am See , da hat er beinahe nur von ihr gesprochen . Natürlich , ohne ihren Namen zu nennen ... Und je besser ich ihm gefallen hab , die Männer sind ja ein so komisches Volk , um so eifersüchtiger war er immer auf die andre ... Übrigens wenn es nur das wäre ! Welcher junge Mann steckt nicht in einem ernsten Verhältnis ? Glaubst du vielleicht , Mama , der Georg Wergenthin nicht ? « » In einem ernsten ? ... Nein . Dem wird das nie passieren . Dazu ist er zu kühl , zu überlegen ... zu temperamentlos . « » Gerade darum « , erklärte Else menschenkennerisch . » Er wird in irgend was hineingleiten , und es wird über ihm zusammenschlagen , ohne daß er nur was davon bemerkt hat . Und eines schönen Tages wird er verheiratet sein ... aus lauter Indolenz ... mit irgendeiner Person , die ihm wahrscheinlich ganz gleichgültig sein wird . « » Du mußt einen bestimmten Verdacht haben « , sagte Frau Ehrenberg . » Den hab ich auch . « » Marianne ? « » Marianne ! Aber das ist ja längst aus , Mama . Und besonders ernst war das doch nie . « » Also wer denn soll es sein ? « » Na was glaubst du , Mama ? « » Ich hab keine Ahnung . « » Anna ist es « , sagte Else kurz . » Welche Anna ? « » Anna Rosner , selbstverständlich . « » Aber ! « » Du kannst lang aber sagen es ist doch so . « » Else , du glaubst doch nicht im Ernst , daß Anna , die eine so zurückhaltende Natur ist , sich so weit vergessen könnte ... ! « » So weit vergessen ... ! Nein Mama , du hast manchmal noch Ausdrücke ! übrigens find ich , dazu muß man gar nicht so vergeßlich sein . « Frau Ehrenberg lächelte , nicht ohne einen gewissen Stolz . Die Klingel draußen ertönte . » Am Ende ist er ' s doch « , sagte Else . » Es könnte auch Demeter Stanzides sein « , bemerkte Frau Ehrenberg . » Stanzides sollt ' uns einmal den Prinzen mitbringen « , meinte Else beiläufig . » Glaubst du , daß das ginge ? « fragte Frau Ehrenberg und ließ die Stickerei in den Schoß sinken . » Warum sollt ' s denn nicht gehen ? « sagte Else , » sie sind ja so intim . « Die Türe tat sich auf , doch keiner von den Erwarteten , sondern Edmund Nürnberger trat ein . Er war wie stets mit der größten Sorgfalt , wenn auch nicht nach der letzten Mode gekleidet . Sein Gehrock war etwas zu kurz , und in der bauschigen , dunkeln Atlaskrawatte steckte eine Smaragdnadel . An der Türe schon verbeugte er sich , nicht ohne zugleich in seinen Mienen einen gewissen Spott über die eigene Höflichkeit auszudrücken . » Bin ich der erste ? « fragte er . » Noch niemand da ? Weder ein Hofrat noch ein Graf noch ein Dichter noch eine dämonische Frau ? « » Nur eine , die es leider nie gewesen ist « , erwiderte Frau Ehrenberg , während sie ihm die Hand reichte , » und eine ... die es vielleicht einmal werden wird . « » O , ich bin überzeugt « , sagte Nürnberger , » daß Fräulein Else auch das treffen wird , wenn sie sichs nur ernstlich vornimmt . « Und er strich sich mit der linken Hand langsam über das schwarze , glatte , etwas glänzende Haar . Frau Ehrenberg sprach ihr Bedauern aus , daß man ihn vergeblich auf dem Auhof erwartet hatte . Ob er wirklich den ganzen Sommer in Wien gewesen sei ? » Warum wundern Sie sich darüber , gnädige Frau ? Ob ich in einer Gebirgslandschaft auf- und abspaziere , oder am Meeresstrand , oder in meinen vier Wänden , das ist doch im Grunde ziemlich gleichgültig . « » Sie müssen sich aber recht einsam gefühlt haben « , sagte Frau Ehrenberg . » Das Alleinsein kommt einem allerdings etwas deutlicher zu Bewußtsein , wenn sich niemand in der Nähe befindet , der das Bedürfnis markiert , mit einem reden zu wollen ... Aber sprechen wir doch lieber von interessanteren und hoffnungsvollern Menschen , als ich es bin . Wie befinden sich die zahlreichen Freunde Ihres so beliebten Hauses ? « » Freunde ! « wiederholte Else , » da müßte man doch erst wissen , wen Sie darunter verstehen . « » Nun , alle Leute , die Ihnen aus irgendeinem Anlaß Angenehmes sagen und denen Sie es glauben . « Die Schlafzimmertür tat