eine Tanzende auf seiner Leinwand . Seltsam dünn gemalt und der fliegende Schleier wie feine , graue Seidenspitzen auf rotem Grunde . Meister Teodor war mit seinem Pinsel rücksichtslos darübergefahren und hatte eine schwere Kontur um die fliegenden Gewebe gemacht , weil er behauptete , man müßte die Sache körperlicher sehen . Einhart mußte in Gedanken sich vergessen haben , daß er plötzlich auffuhr und den Meister Teodor anschrie : » Laß dein Geschmier ! « Die sämtlichen Malschüler waren wie erstarrt . Meister Teodor war blaßgrau geworden . Einhart war an sich schon so . Aber in demselben Moment mußte er erwacht sein . Vielleicht war er noch ein wenig benommen gewesen . Die Gewohnheit , Schnaps zu trinken , benahm manchem Schüler dieser Periode auf Zeiten die Sinne . Wer nichts mehr zu essen und kein Geld mehr hatte , hielt sich mit Schnaps und Rauchen aufrecht . So mochte es gekommen sein , daß auch Einhart nicht ganz bei sich war . Er hatte die Hand des Meister Teodor einfach fortgestoßen . Meister Teodor war der Atem weggewesen . Dann sagte er nur : » Nun , mein Lieber , damit hat Ihr Gang wohl ein Ende hier ! « - - Und nach einer Weile : » Man wird dir dein Handwerk legen . « Er duzte ihn plötzlich in seiner Verachtung . Einhart war gleich im Kampfe mit sich . Es war ihm sehr unangenehm . Der Meister Teodor hatte seinen Malkittel sofort abgelegt und die Stunde geschlossen erklärt . Er begann sich offenbar für den Gang zum Direktor herzurichten . Einhart überlegte noch immer einfältig lächelnd , aber für sich . Auch draußen noch , nachdem er gar nicht Adieu gesagt . Er begriff natürlich , daß in Meister Teodor diese Beleidigung unversöhnlich arbeiten müßte . Die Mitschüler waren langsam auseinandergegangen . Grottfuß blieb bei ihm . » Du bringst es noch so weit , daß sie dich wimmeln , « hatte Grottfuß gesagt . Einhart konnte trotz Lächelns sehr bekümmert aussehen . » Was könnte man denn tun ? « sagte er zu Grottfuß , der ein blonder , schmaler , ruhiger Mensch war . » Soll ich zu Meister Teodor gehn und ihn bitten ? « sagte er . » Nicht Ahnung ! Gehe gleich zu Soukoup . « Grottfuß ' Vorschlag war es , der die Sache noch einmal ins Geleis brachte . Einhart ging zu Professor Soukoup in die Wohnung . Er fand den finsteren , versunkenen Mann vor einigen Blättern sitzen und mit der Lupe das Linienwerk feiner Federzeichnungen betrachten . » Sehen Sie , lieber Selle ... eine wunderbare Kunst ! « sagte er ohne viel Umschauen bei Einharts Eintritt . » Kennen Sie Beardsley ? Eine völlig eigene Weise ! Eine ganz außermaßen innige Linienwelt . Alles so köstlich und so klar scheint ' s ! Und ist doch krank , vom Uebel heimlich angefressen jedes Ding und jede Gestalt ! Allenthalben Wundheit , heimlich Schwelendes ! Nicht ? Man kann nicht froh werden trotz der Schönheit , trotz dieser einzigen Kristallisationen . Ja - es ist immer eine Melodie : das heiße Uebel der niederen Triebe - - mit den allerfeinsten Sinnen ausgespürt . So etwas gibt es in der Welt . Das liegt irgendwo im Grunde unseres Blutes . Dagegen muß Orpheus immer wieder Euridike aus der Schattenwelt herauflocken ... unsere Unschuld im Blute - unsere Morgenahnungen ! Verstehen Sie , Selle ? « Einhart vergaß ganz in Ehrfurcht , was er eigentlich wollte . Er sah nur gespannt und entzückt hin . Aber dann sah ihn Soukoup fragend an . » Nun , ich freue mich , lieber Selle , « sagte er , unvermittelt auf ihn eingehend , » daß Sie einmal kommen ! « Immer noch wieder gemeinsamen Blicks bei den Beardsleys . » Man ärgert sich oft über Sie ! « » Ach verzeihen Sie nur , Herr Professor ! « » Nun , weswegen kommen Sie ? « » Es ist entsetzlich unangenehm . « » Oh , oh , oh , lieber Selle , Sie sollten auf der Hut sein ! « Und Professor Soukoup sah den dunklen , gelbgrauen , schmächtigen Menschen , der in seiner Hautfarbe und mit dem fettglänzenden Haarsträhn über der Knabenstirn und mit seinen bekümmerten , verzehrten Blicken ihn sehr fesselte , genau an und lächelte ihm zu . » Nun erzählen Sie mir erst ! « sagte er bestimmt . So erzählte Einhart ganz offen alles . » Ja , ja , ja , ja , « sann jetzt Professor Soukoup für sich . » Meister Teodor ist Ihr Freund ohnehin nicht ! Sehen Sie ! Und der Direktor weiß auch schon , daß Sie zu leichtsinnig in den Tag leben . Möchten Sie nicht doch am besten - - ? Jh ! - gleich jetzt gehen Sie hin ! Ich habe dann guten Grund , wenn ich für Sie rede . Hören Sie einmal , lieber Selle ! Ich hoffe , Sie nehmen es mit dem Leben in der Kunst so ernst wie mit dem Leichtsinn ! Wie ? Selle ? Mein Lieber ? Ich kann mir schon denken , « sagte er dann mit zutraulichem Blick , » daß Sie jetzt noch träumen , andere Himmel zu malen , als Meister Teodors Tafeln sie Ihnen vorführen . Pah , pah , pah ! was träumt man nicht alles , wenn man jung ist ! « sagte er versunken . » Und ein Schüler , der weiter blicken möchte , der sich auch nur weiter sehnt , wie der Meister , das gibt keine Freundschaft , mein Lieber ! « » Oder denken Sie anders ? « fragte er Einhart mit eindringlichem Blick . » Wie , Selle ? « Worauf Einhart doch nur stumm blieb , daß auch Professor Soukoup eine Weile ganz für sich erschien . » Der rechte Harm ist in der Tat Meister Teodors Sache nicht ! «