, die man sichtbar an sich trägt , aber ich weiß gewiß , ich werde diese Frage nicht thun , sie könnte beleidigend wirken . Doch glaube ich , sie verfällt in denselben Fehler , wie die Männer . » Niemand sollte zum Studium zugelassen werden , der nicht das Reifezeugnis besitzt , « sagen diese Männer . - » Gut , so gebt uns Schulen , gebt uns Gymnasien , wo wir dies Zeugnis erwerben können , « sagen wir . - » Nein , dafür ist kein Bedürfnis vorhanden , « erwidern sie behaglich , » das weibliche Geschlecht besitzt keine Anlage zur Logik , folglich wird es uns niemals gleich werden . « » Ist diese Antwort logisch ? « fragen wir bestürzt . » Nach männlichen Begriffen ist sie es , « erwidert man würdevoll . » Nun , ich habe trotzdem , trotz aller Schwierigkeiten die nötigen Kenntnisse erlangt , « sagen jene Studentinnen mit der Kokarde , » jetzt wird man mich hoffentlich zulassen ? « » Eine so erlangte Kokarde bedeutet nichts , ist nur Dressur , « heißt die Antwort , » wer nicht in Sexta mit Latein begonnen hat , dessen Latein ist nicht das echte , eingewurzelte , allein zum Studium befähigende und berechtigende ; die Mädchen aber waren niemals Sextaner und werden niemals Sextaner sein - wie wäre es also für sie möglich , jemals die echte und unverfälschte Kokarde zu erringen ? « » Gut , so gebt uns Schulen , gebt uns Gymnasien , « wiederholen wir , » damit wir echte Sextanerinnen bekommen . « » Nein , dafür ist kein Bedürfnis vorhanden , « schmunzelt es wieder , » es wäre sehr gefährlich , Mädchen so früh schon zum Studium zu bestimmen . Ihr Beruf ist , Gattin und Mutter zu werden . « » Ist es denn nicht gefährlich , Mädchen so früh schon zum Gattinnen- und Mutterberuf zu bestimmen ? Wo bleibt da Ihre Logik ? « » Logik , meine Damen , ist Männersache , bitte , mißbrauchen Sie dieses Wort nicht . « » Nein , nein , wir werden uns an diesem männlichen Privilegium nicht vergreifen , aber wie - ich bitte , bekommen wir doch diese verwünschte Kokarde ? « » Streben Sie ! streben Sie ! « » Aber Sie selber haben doch eben gesagt , daß Streben unnütz sei ! « » So streben Sie nicht ! besser ist es jedenfalls , ja besser ist es ohne Frage , Sie geben diese , wie Sie selber sagen , unerreichbare , verwünschte Kokarde auf ! Besser ist es , Sie verheiraten sich , viel besser ! « » Vielleicht aber möchte ich beides ? Sehr viele studierte Frauen sind verheiratet . « Bei diesem Punkt angekommen , verzerrt sich angstvoll das männliche Antlitz . Zwei zitternde Hände falten sich , und eine kläglich bebende Stimme fragt : » Um Gotteswillen ! und wer stopft die Strümpfe ? « 5. Juni . Ja , manchmal thut ein Wort doch viel ! Das Wort Kokarde hat mich zum Beispiel gänzlich von der Matura-Angst befreit ! Es wäre doch auch gar zu lächerlich , sich vor der Erwerbung einer Kokarde zu ängstigen . Man erwirbt sie eben und genug . Freilich - tragen werde ich sie niemals , die Kokarde , weder auf der Brust noch im Gesicht , wo sie so manche tragen . 20. Juni . Nein , diese abscheulichen Chinesen ! Was die auch ausgedacht haben ! Und nicht etwa jetzt , sondern vor Gott weiß wievielen tausend Jahren , als sie ihre abscheuliche Schrift erfanden ! Für jedes Wort ein Zeichen , das sieht diesen fetten , glatten , gelben Schlitzaugen ähnlich ! Ein Zeichen , oder vielmehr ein Bild , und das Bild für Zank , Zwist , wie stellten sie es dar ? Durch zwei einandergegenüberstehende Frauen ! Ist das nicht eine heillose Unverschämtheit ? Ja , ja , so ist Männerwitz mit den Frauen umgesprungen , seit die Erde Menschen trägt ! Ist Zank und Zwist denn nur Frauensache ? Wer hat den Zweikampf bis heut mit einer falschen Gloriole umkleidet ? Wer erfand und pries die Massenschlächtereien , die Kriege ? Etwa die Frauen ? Ha , wenn sie uns nur beschimpfen können ! Wieviele Bände könnte man füllen mit falschen Anklagen gegen die Frauen aus den Litteraturen aller Völker ! Da war kein Kirchenvater zu fromm , kein Philosoph zu weise , er mußte ein Witzchen oder ein Zötchen reißen , wenn er auf die Frauen zu sprechen kam ! Die bösen Frauen ! ihre Verbrechen , ihre Laster , ihre Unvollkommenheiten schreien zum Himmel ! Und was thaten sie auf alle Beschimpfungen , auf alle Bedrückungen ? Sie fuhren fort , den Mann zu lieben und für ihn und durch ihn zu leiden ! Auseinandergefallen wäre alles , aufgefressen hätten sie sich wie wilde Tiere , wären die Frauen den Männern gleich gewesen , - so sehe ich die Sache an ! Oh , Ihr gelben und weißen Chinesen , schämen solltet Ihr Euch ! 21. Juni . Nein , es ist nicht wahr , daß die Frauen einander feindlich sind ! Nie werd ' ich es glauben . Zu oft hab ' ich das Gegenteil gesehn , erlebt . Das kann nur der oberflächlichste Beobachter annehmen in irgend einem Ausnahmefall , wo zum Beispiel Eifersucht eintritt . Die französischen Erzähler , die alle andern Völker in der Kunst übertreffen , ihre Frauen schlecht zu machen , wählen mit Vorliebe Situationen dieser Art. Die Frauen unter sich wissen von solcher Feindschaft nichts . Sie helfen sich , sie stehn einander bei , sie verstehn sich , sie möchten , daß all ihre Schwestern gut und glücklich wären ! Viele von ihnen verstehn heut das Glücklichsein nur noch innerhalb der engsten Grenzen , aber wir werden sie belehren , wir werden ihre Blicke erweitern . Sie sind dankbar für jede gut und