ja gerade , was wir brauchen . Ich bin überzeugt , dies im Namen der ganzen Gesellschaft auszusprechen . Der ganzen Gesellschaft ! - Freilich ! - Selbstverständlich ! kam es von allen Seiten . So werde ich die Rollen sogleich ausschreiben lassen , sagte Albrecht . Das kann in zwei Tagen spätestens geschehen sein . Wir müßten dann sofort an die Leseprobe und die Verteilung der Rollen gehen . Man war mit allem einverstanden . Auch wollte man vorläufig mit dem Heranziehen anderer Kräfte warten , bis sich herausgestellt haben würde , wie weit man mit den vorhandenen auskommen werde . Inzwischen war es spät geworden ; man durfte die Nachsicht der liebenswürdigen Wirte nicht länger in Anspruch nehmen . Doch ging der Aufbruch nicht so schnell von statten . Man war von dem Gehörten zu aufgeregt ; es gab für die nächsten Tage noch so vieles zu erwägen , festzustellen . Daß die eigentlichen Proben in den etwas engen Meerheim ' schen Räumen nicht würden abgehalten werden können , leuchtete allen ein . Stephanie schlug vor , in das elterliche Haus überzusiedeln ; es komme am Ende nicht darauf an , ob der Papa ein wenig früher oder später von ihrem Vorhaben Kenntnis erhalte . Man gab das zu ; aber die Leseprobe , verlangte Adele , müsse jedenfalls noch bei ihr stattfinden . Das alles wurde auf dem engen Flur verhandelt , während die Damen ihre Mäntel umgelegt bekamen und die Herren sich ihre Paletots und Überröcke anzogen , wobei es denn ohne einige Verwirrung und die obligaten : » Pardon ! « nicht abging . Albrecht sah sich in seiner Hoffnung , noch ein Wort mit Klotilde wechseln zu können , getäuscht . Sie sollte von den Sudenburgs , deren Equipage bereits seit einer Stunde vor der Thür hielt , nach Hause gebracht werden ; die beiden Lieutenants wichen ihr nicht von der Seite ; er mußte sich mit einem : Gute Nacht , Herr Professor ! und einem Händedruck begnügen , der ihm eine wenig flüchtig deuchte . Dann stand er mit den Herren von Fernau und von Luckow auf der Straße . Fernau , der noch auf einen Ball mußte - er war am Abend in voller Gesellschaftstoilette mit einem Ordensband im Knopfloch erschienen - rief eine vorüberfahrende Droschke an ; der Hauptmann , der für eine Strecke denselben Weg hatte , stieg mit ein ; man trennte sich mit den höflichsten Grüßen und seitens des Hauptmanns der Versicherung , daß er dem Herrn Professor einen ganz ungewöhnlich genußreichen Abend verdanke . Dafür hatte sich denn die Wagenthür kaum hinter den Eingestiegenen geschlossen , als Fernau in erregtem Tone rief : Aber , bester Luckow , wie können Sie so dem albernen Menschen noch mehr den Kopf verdrehen , als es unsere Damen , Gott sei es geklagt , schon gethan haben ! Das kann doch gar nicht Ihre wahre Meinung sein ! Das war ja positiver Blödsinn , was der Mensch da vorgebracht hat ! Bei Gott , ich habe mich ordentlich geschämt , aus purer Höflichkeit den Nonsens über mich ergehen lassen zu müssen ! Sollte hier nicht etwas wie Eifersucht mit im Spiel sein ? fragte lächelnd Luckow , der die Leidenschaft Fernaus für Klotilde wohl kannte . Der Legationsrat brauste auf : Nehmen Sie mir es nicht übel , Luckow , das ist beinahe eine Beleidigung . Ich eifersüchtig auf den Menschen ! Da könnte ich mit mehr Recht sagen : Sie protegieren ihn nur , weil Ihnen die Gelegenheit , mit Fräulein Stephanie möglichst oft zusammenzukommen , zu verführerisch erscheint . Was ich gar nicht in Abrede stelle , erwiderte der Hauptmann trocken . Aber weshalb dazu diesen Menschen in unsere Gesellschaft ziehen , der nun einmal schlechterdings nicht dahin gehört ! Diesen aufgeblasenen , geckenhaften , vor Eitelkeit schier übergeschnappten Plebejer ! Es ist heute das letzte Mal gewesen , daß ich mich zu dieser lächerlichen Farce hergegeben habe . Der Hauptmann drückte auf den Gummiknopf im Wagen : Ich muß hier aussteigen . Gute Nacht . Ich denke , Fernau , Sie überlegen sich die Sache noch einmal . - Unterdessen war Albrecht durch die Straßen gestürmt , achtlos des sprühenden , kalten Regens , der eingesetzt hatte . An Nachhausegehen dachte er nicht . Was sollte er in seinem engen Hause bei seiner guten kleinen , langweiligen Frau mit diesem Sturm der Gefühle im Herzen ! mit dem Bilde der Zauberin im Herzen ! Ja , sie war eine Zauberin , die aus den Menschen machen konnte , was sie wollte : aus einem armseligen Schulmeister , der , in der elenden Frohnde seines Berufes hinkeuchend , sein Dasein so oft verwünscht hatte , einen Göttersohn ! Die letzte Berührung der kleinen Hand ! Nun ja , sie hätte von ihrer Seite wärmer sein können , länger währen können ! Aber dann die Späherblicke rings umher ! Dieser Legationsrat mit den stechendem schwarzen Kalmückenaugen , dem bei all seiner glatten Höflichkeit nicht über den Weg zu trauen war ! Und hatte ihn auch die Hand nur flüchtig berührt - eine Frau , eine Dame der feinsten Gesellschaft , die - ach , er konnte nicht zweifeln : sie liebte ihn ! Und : sie liebt mich ! sie liebt mich ! verzückt vor sich hinmurmelnd , rannte er weiter durch die leeren , dunklen , verregneten Straßen . - Als die Flurthür sich hinter ihren Gästen geschlossen hatte und sie sich wieder im Wohnzimmer befanden , war Elimar , seine längst vermißte Cigarre rauchend , schweigend auf und ab gegangen , während Adele , in die Sofaecke gelehnt , die Ereignisse des Abends rekapitulierend , jetzt zu der Verteilung der Rollen gelangt war , mit der sie nicht zurecht kommen konnte , da sie die Personen der beiden Stücke beständig durcheinander mischte . Aber darüber sei sie mit sich im reinen , daß sie die Haushälterin in dem zweiten - nein , in dem ersten -