, wie er sich ' s gedacht hatte , mit diesem starrköpfigen Alten . » Sie werden sich ' s noch überlegen , Herr Büttner ! « meinte er . » Ich kann ' s ja begreifen , daß Sie an Ihrem Eigentum hängen . Vollständig vermag ich ' s zu verstehen , glauben Sie mir das nur ! Man hängt an der eigenen Scholle , ich weiß das aus eigener Erfahrung . Und das Herz blutet einem , lieber möchte man sich einen Finger von der Hand hacken lassen , als einen Acker weggeben vom ererbten Grund und Boden . « Hauptmann Schroff hielt einen Augenblick inne . Dem trüben Ausdrucke nach zu schließen , den urplötzlich seine sonst heiteren und offenen Züge annahmen , schien eine düstere Erinnerung durch seine Seele zu ziehen . Er schnipste mit den Fingern , wie um das zu vertreiben , und fuhr fort : » Sehen Sie , man kann darin aber auch zu weit gehen , ich meine , in jenem Festhalten . Dann wird eben Starrköpfigkeit und Vernarrtheit daraus . Lieber ein kleines Gut als ein großes , das man nicht voll bewirtschaften kann . Ich kenne Ihre Lage , Büttner ! Ich sage Ihnen so viel aus meiner eigenen Erfahrung heraus ; wenn Sie sich auf Ihren Willen versteifen , wenn Sie auf diesen Vorschlag hier nicht eingehen , werden Sie sich nicht halten können auf Ihrem Gute . « Jetzt hielt sich der Bauer nicht länger . » Ich ho mich gehalen dreißig Juhre lang , dar Herrschaft zum Trotze ! Mich wardt er ne uffrassen , wiet ' r ringsrim alles ufgefrassen hoat , mich ne ! Wenn der Pauer alle wird , wer is ' n dran schuld , wenn ne die Rittergitter ? Auf uns Pauern hackt a alles ei , de Beamten wie der Edelmann . Nu solln mer och noch ' s latzte Bissel hergahn , dos mer hoan . Vun Haus und Hof mechten se uns rungertreiba , alles mechten se schlucken , bis mir gar an Bettelstabe sein . Dazumal , als se teelten - regulieren taten se ' s heeßen - ' s is nu schun a Hardel Jahre har , mei Vater selch hot mer ' s derzahlt - do hat mei Grußvater an dritten Teel vun Gutte hergahn missen ans Rittergut . Und hernachen wor ' s immer no nich genug . Do mußte mei Vater selch no ane Rente abzahlen , wie viele Juhre durch ! - Nu sollt ees denka , mer wär ' frei gewurn , weil mer an Hofedienst und a Fronde los sen. Aber ne ! nu kimmt a Edelmann su vun hinten rim und mechte unsereenem ' s Gut abluchsen . Aber , da gibt ' s nischt ! Mir Pauern sein och nich mehr so tumm . Mir sein a nimmer de Untertanen mih vun an gnädigen Herrn . Wenn mir ne wullen , do brauchen mer ne ! Zun verkefen kann mich keener ne zwingen , och der Graf ne ! « Der Hauptmann hatte diesen Ausbruch bäuerlichen Selbstbewußtseins mit Verständnis und Teilnahme angehört . Sowie ihn der alte Mann zu Worte kommen ließ , sagte er : » Ich kann das alles mit Ihnen fühlen , Büttner ! Ich habe auch einmal ein Gut besessen , ein schönes , großes , vom Vater ererbtes Rittergut . Ich habe den Grund und Boden , auf dem ich geboren war , lieb gehabt , so gut wie Sie Ihr Gut lieben . Genau wie Sie dachte ich damals . Aber die Verhältnisse sind oft stärker als unser Wille . Was will man machen ! Ein paar Mißernten und dann die Hypotheken , mein Lieber ! die Hypotheken ! Das ist der zehrende Fraß , der den Grundbesitzer vernichtet . Das ist schlimmer als Feuersbrunst , Hagel und alle Ungewitter zusammen . Auf überschuldetem Grunde sitzen , das ist , als ob dir einer eine Schlinge um den Hals geworfen hätte , und wenn du die Füße losläßt , hängst du drinnen . Da gibt es keine Rettung . Der größte Fleiß , die größte Sparsamkeit nützen da nichts , du bist kein freier Mann mehr , du hängst von etwas ab , das du nicht kontrollieren kannst , und das lähmt dich . - Mit blutendem Herzen habe ich meinen Besitz fahren lassen müssen . Sequestration , Zwangsversteigerung , alles habe ich durchgemacht ! Sie sehen , mein guter Büttner , ich kann hier mitreden . « Der Hauptmann schwieg und strich sich mehrmals erregt den Bart , ihn von oben nach unten durch die hohle Hand gleiten lassend . Er seufzte . » Gott schütze Sie , mein Lieber , vor alledem ! « Der alte Bauer war stille geworden in seiner Ecke . Die Worte des anderen hatten Eindruck auf ihn gemacht . Hauptmann Schroff fuhr fort : » Es ist nicht leicht als älterer Mann , ein Stück hergeben von dem , was man durch ein ganzes Leben sich gewöhnt hat , als sein Eigentum zu betrachten . Sitzt da irgendwo in der Stadt ein Kerl , der hat eine Hypothek auf deinem Gute erworben . Und dieser Mensch , der mit dem Grund und Boden nicht das geringste zu tun hat , der nicht ackert , pflügt oder säet , der hat nun Gewalt über dein Gut . Der kann dich runtertreiben , wenn es ihm paßt . Wie eine Ware kommt dein Eigentum unter den Hammer . Und das , was Generationen gepflegt und kultiviert und gehütet haben wie ihren Augapfel , wird nun zerschlagen und zerschlachtet von Fremden . Und draußen sitzen wir ! Als älterer Mann mit Familie muß man sich nach Brot umsehen . Das ist nicht leicht , mein Lieber , das ist nicht leicht ! « Der Hauptmann schwieg und blickte gesenkten Hauptes zu Boden , als sei dort irgendetwas Interessantes zwischen seinen Stiefelspitzen zu erblicken . Auch der Büttnerbauer sagte