ganz eingenommen von ihm war und ihn beglückwünschte . « » Ja , das glaub ich . Der gute Onkel ist eine Seele von Mann und kann das Wichtigtun und das Auf-Stelzen-Gehen nicht leiden , und wenn einer sagt : Ich bin fürs Kleine , der hat gleich sein Herz gewonnen . Er mag ' s nicht , wenn die Menschen sich aufblasen und so tun , als ob sie ohne Atlastapeten nicht leben konnten . Er ist für seine Person beinahe bedürfnislos und mit allem zufrieden , und deshalb will ich ihn auch bitten , heute mittag mit uns fürliebzunehmen . Denn ich denke doch , daß er noch mit herankommt . Was können wir ihm denn wohl vorsetzen ? Du hast ja die Woche , Sophie ; was meinst du ? « » Nun , ich meine : Weißbiersuppe mit Sago , die hat ihm das vorige Mal so gut geschmeckt . Und dann haben wir noch eine kleine Schüssel Teltower Rüben und können von der Spickgans aufschneiden . « » Das wird nicht gehen « , sagte Therese . » Die Spickgans ist aus Adamsdorf , von der Tante . « » Tut nichts . Spickgänse kann man nicht unterscheiden . Und wenn er es merkt , ist es eigentlich eine kleine Aufmerksamkeit . Und als dritten Gang denk ich mir dann Sahnenbaisers von Konditor Eschke drüben . Und dann Butterbrot und Käse . « Die Mutter , die das Ganze nur als eine symbolische Handlung ansah und sehr wohl wußte , daß der Onkel vorher gefrühstückt haben würde , war mit diesem Menü zufrieden und verlangte nur noch , daß die Töchter , die noch nachträgliche Neujahrsvisiten in der Stadt zu machen hatten , um spätestens zwei Uhr wieder zu Hause wären , weil es sonst zu spät würde . Bis dahin wollte sie den Onkel schon festhalten . Und nachdem auf diese Weise alles geordnet war , räumte man den Kaffeetisch ab und begab sich in das Hinterzimmer , um da für die noch ausstehenden Besuche die nötige Toilette zu machen . Alle drei Schwestern verließen gleichzeitig die Wohnung , um vom Botanischen Garten aus die Pferdebahn zu benutzen , deren » Zonentarif « sie sehr genau kannten . Die alte Majorin , als alles ausgeflogen , ging nun auch ihrerseits an ihre » Restituierung « und war kaum damit fertig , als sie draußen auf dem Vorflur ein ziemlich lautes und gemütliches Sprechen hörte , das keinen Zweifel darüber ließ , daß der Schwagergeneral gekommen sein müsse . » Guten Morgen , Albertine . Verzeih , daß ich etwas früh komme , aber , wie ich sehe , doch nicht zu früh . Alles schon blink und blank , alles schon in full dress , wenn man dies von einer Dame sagen kann ; full dress ist nämlich eigentlich wohl männlich und heißt , glaub ich , soviel wie Frack oder Schniepel . Früher sagte man Schniepel . « » Ach , Eberhard , du meinst es gut und hast immer ein freundliches Wort und siehst es auch gleich , daß ich mir meine Staatshaube mit einem neuen Band aufgesetzt habe . Aber mit mir ist Spiel und Tanz vorbei . « » Nicht vorbei , Albertine . Immer noch eine propre Frau . Und du bist ja noch keine sechzig . Aber wenn auch . Was sind Jahre ? Jahre sind gar nichts . Sieh mich an . Eben kam ein Bataillon von eurem Eisenbahnregiment an mir vorbei - ich sage von eurem , denn ihr habt es ja hier in eurer Straße - , und ich kann dir sagen , wie ich bloß den ersten Paukenschlag hörte , da ging es mir wieder durch alle Glieder , und ich fühlte ordentlich , wie das alte Gebein wieder jung und elastisch wurde . Man hat immer das Spiel in der Hand und ist geradeso jung , wie man sein will . Aber du spinnst dich zu sehr ein , da wird man Antiquitäte , Ägyptisches Museum , man weiß nicht wie . Sieh zum Beispiel gestern . Warum warst du nicht mit dabei ? « » Lieber Eberhard , Theater - es ist nichts mehr für mich . « » Falsch , falsch . So denkt jeder . Aber ist man erst drin im Feuer , dann hat man auch das alte Vergnügen wieder . Ich sage dir , Albertine , wenn du diesen Quitzow , diesen Dietrich von Quitzow , gesehen hättest , Studie nach Bismarck , aber Bismarck Waisenknabe daneben . Augenbrauen wie ' ne Schuhbürste . Müssen das Leute gewesen sein . Und sein Bruder soll noch toller ausgesehen haben , weil er bloß ein Auge hatte . Polyphem . Hieß er nicht Polyphem ? « » Ich glaube , Eberhard . Wenigstens gibt es so einen . « » Und dann nach dem Theater . In der Kneipe . Nun , die Kinder werden dir davon erzählt haben und von diesem Herrn Manfred , diesem Klessentin . Ein reizender junger Kerl , schneidig , frisch , humoristisch angeflogen . Ach , Albertine , mitunter ist mir doch so , als ob alles Vorurteil wäre . Na , wir brauchen es nicht abzuschaffen ; aber wenn andre sich dranmachen , offen gestanden , ich kann nicht viel dagegen sagen . Es hat alles so seine zwei Seiten . Adel ist gut , Klessentin ist gut , aber Herr Manfred ist auch gut . Überhaupt , alles ist gut , und eigentlich ist ja doch jeder Schauspieler . « » Ach , ich nicht , lieber Eberhard . « » Nein , du nicht , Albertine . Dir ist es vergangen . Aber ich , ich bin einer . Sieh , ich spiele den Gemütlichen , und ich darf nicht mal sagen , daß sich solche Schauspielerei für einen General nicht paßte . Da gibt es noch ganz andre Nummern , die auch alle Komödie gespielt haben , Kaiser und Könige