und gerad heut , nach dem Tag « , das packte ihn an , er frug sich , was er getan hatte zum Austragen der Schuld . » Tust mir bitterlich weh ... « Scham und Mitleid machten ihn mutlos , er preßte seine Zähne in die Hand , die nach seinem Weibe geschlagen hatte . Lange stand er da und wagte nicht zu klopfen . Der Schatten verschwamm zuletzt vor seinen Augen , obgleich das Weib drinnen unbeweglich saß . Er mühte sich ab , die rechten Worte zu finden , die er der Lene sagen könne , aber sein übervolles gepeinigtes Herz hämmerte , daß er es am Halse und in den Schläfen spürte . Und wenn ich auf die Knie fallen müßte , da auf der Schwelle , und sie bitten , daß sie mir verzeihen soll , wie ich ihr verzeih , ich tat es jetzt , ging ihm verworren durch den Kopf ; er klopfte leise an die Scheiben und schritt rasch zu der Türe ... Die Hanne ging hinaus , schob den Riegel zurück und trat dann weg , um ihm Raum zu lassen , damit er an ihr vorbei in die Stube konnte ; aber der Mann drehte hastig den Schlüssel um und langte in der Finsternis nach der Frauengestalt , zitternd ergriff er das Kleid , das er in seiner Nähe knistern hörte , klammerte sich daran und stotterte : » Ich ... ich hab einen brennenden Schädel ... der Schlag ... und der Wein ... und der Zorn , den ich so lang verschluckt hab ... und die Lieb zu dir . Weib ! Weib , ich bitte dich ... ich will alles vergessen ... so wär es ja ein elendes Leben ! « Die Hanne wollte sich losmachen , sie wollte reden , aber der Schreck und ein anderes beklemmend-erstarrendes Gefühl , das ihr die Kehle zuschnürte , ließ sie zu keinem Wort kommen . » Du hast mir heut so weh getan ... schau , vergessen ist der Schmerz ... verziehen . Ich hab ja auch gefehlt an dir ! ... Red , ich bitt dich , red ! « Ein unterdrücktes , bitterliches Weinen war die einzige Erwiderung . » Wein nicht « , stammelte der Mann ermutigt , » ich bitt dich « , er ließ das Kleid los , legte jählings seinen Arm um ihren Nacken , riß sie an seine Brust , und als ob ihm jemand einen Stoß in die Kniebeuge gegeben hätte , so brach er mit einem Male zusammen und lag vor ihr auf beiden Knien . Er reckte den Arm hinauf und erfaßte eine niederhängende Hand , fest drückte er sein heißes Gesicht an ihre Hüfte , und er fühlte , wie die Hand zitterte , wie die ganze Gestalt bebte und schwankte . Er hörte ihren Herzschlag , und es überkam ihn , daß jetzt die entscheidende Stunde da sei für alle Zeit . Wie ein Sturm flog die Anklage , der Schmerz , die heiße Liebessehnsucht von seinen Lippen zu ihr hinauf , da in der Finsternis , in der Erregtheit , in der Verzweiflung und Furcht vor der Zukunft sprach der Mann , wie er sonst nur in seinen Gedanken zu ihr redete . Sie sah ihn ja nicht , er brauchte sich nicht zu schämen , einmal , ein einziges Mal mußte er doch die Last von seinem Herzen werfen . Er dachte nicht daran , ob sie ihn verstehen könne , ob sie seine leidenschaftlichen Worte nicht ängstigten , er wußte kaum , daß er ihr Kleid , ihre Hüfte , ihre Hand küßte und wieder küßte , als aber Tropfen um Tropfen aus ihren Augen auf seine Stirn fiel und das stumme Weinen des Weibes in ein krampfhaftes Schluchzen überging , da richtete er sich an dem Leib der Fiebernden mühsam auf , küßte gewaltsam zwei bebende Lippen , die seinen Kuß nicht erwiderten , und zog die Gestalt in das erleuchtete Zimmer ... Die Hanne entwand sich seinem Arm und wankte mit einer abwehrenden Handbewegung an den Tisch , sie setzte sich vor ihr Arbeitszeug und verhüllte das Gesicht mit dem Tuche , das sie um den Nacken geschlungen trug . Zuerst rieb sich der Leopold die Augen , nachher sperrte er sie weit auf und glotzte die Hanne an , dann griff er nach der Lampe , schleuderte die Türe mit dem Ellenbogen zurück und leuchtete hinaus in die Küche ; als er sah , daß nur sie allein , die dort hinter ihm am Tische saß , da sei , stellte er die Lampe wieder hin und frug erstaunt : » Du hast mir die Tür aufgemacht ? « Die Hanne nickte , ohne aufzublicken . Jetzt wird er um sein Weib fragen , schwebte ihr undeutlich vor , was soll ich sagen ? Aus dem , was er gesprochen hatte vor ein paar Minuten , hatte sie herausgefunden , daß Schlimmes zwischen den Eheleuten vorgefallen war . Wo aber mag die Lene hingelaufen sein , und was wird er sagen - was wird er tun ? Das Mädchen wußte nicht , wie das erstaunte Gesicht des Leopold sich allmählich verwandelte , wie er an dem Schnurrbart zupfte und zweifelnd auf die dürftige Gestalt blickte , wie endlich ein ingrimmiger , häßlicher Zug sein Antlitz entstellte . Erst als er brutal auflachte , schrak sie zusammen , ließ die Hände niederfallen und wandte sich ihm zu . » Ist ein dummer Spaß gewesen « , und er zuckte geringschätzend die Achseln . » Was ? « » Na , daß sie dich da hinausgeschickt hat und kommod weiterschlaft « , er dehnte die Worte und sprach laut , als ob er jemand wachrufen wollte . » Lepold ! « » War dir vielleicht um das Bussel z ' tun , scheinheiliges Ding ? Komm , ich geb dir noch eins , mein Weib ist nicht eifersüchtig , das siehst du ! «