aufrichtig sagen , aber nur so ganz unter uns , Sie brauchen sich nicht auf mich zu berufen , ich freue mich immer , wenn einer die Courage hat , den ganzen Krimskrams zu durchbrechen . Es gilt auch von dieser Ebenbürtigkeitsregel , was von jeder Regel gilt , sie dauert so lange , bis der Ausnahmefall eintritt . Und Gott sei Dank , daß es Ausnahmefälle gibt . Es lebe der Ausnahmefall . Es lebe ... Noch ein halbes Glas , Waldemar . Und was ich Ihnen zum Abschiede noch sagen wollte , ja , sagen muß , der jüngste Schwilow , von dem ich Ihnen vorhin erzählte , hatte recht , und Ihr Onkel hatte zweimal recht , und die Gesellschaft beruhigte sich über die Duperré . Noch kein Vierteljahr , daß ich die jetzige Baronin Schwilow auf Tzschatschow , etwas schwer auszusprechen , im Französischen Theater traf , wo die Subra die Froufrou spielte . Sie sah reizend aus , ich meine die Schwilow - die Subra natürlich auch - , und als sie im Zwischenakt das Köpfchen warf und dabei die Brillanten im Ohrläppchen hin und her läuteten , da läutete sie zugleich die ganze vornehme Gesellschaft zusammen . Und wissen Sie , wer ihr am meisten den Hof machte ? Natürlich der Herr Onkel , der aussah , als ob er selber geneigt sei , das von ihm prognostizierte dicke Buch von der gräflichen Admiralstochter zu schreiben . Ja , ja , Waldemar , Erfolg und Mut . Oder beginnen wir mit dem Mut . Am Mute hängt der Erfolg . Und nun Gott befohlen . « Waldemar hatte sich inzwischen erhoben und seinen Hut genommen . Er dankte dem Baron und bat ihn , wenn ein ernsteres Zerwürfnis eintreten sollte , seinen Besuch wiederholen zu dürfen . Zwölftes Kapitel Waldemar , als er bei Baron Papageno vorsprach , hatte die Meinung des Barons in einer ihm wichtigen Angelegenheit hören , im übrigen aber in eben dieser Sache sich durchaus nicht beeilen wollen . Umgekehrt , ein seiner Natur entsprechendes Abwarten und Hinausschieben , und wenn auch nur auf ein paar Tage , war auch diesmal sein Plan gewesen , und erst der ermutigende Ton , in dem der Baron gesprochen hatte , hatte den Gedanken in ihm angeregt , den Besuch beim Onkel , in Ausnutzung der guten Stimmung , in der er sich befand , auf der Stelle machen zu wollen . So bog er denn vom Zietenplatz her in die Mauerstraße ein , sah , als er das Königsmarcksche Palais passierte , zu der zweiten Etage , hinter deren kleinen Fenstern er mit einem vor Jahr und Tag dort wohnenden Freunde manche glückliche Stunde verplaudert hatte , hinauf und stand , nach einer abermaligen Straßenbiegung , vor dem altmodischen , im übrigen aber gut und sauber gehaltenen Hause , dessen oberes Stockwerk der Onkel seit einer Reihe von Jahren innehatte . Portiersleute fehlten , statt ihrer aber war ein ganzes System von Gittertüren da , das , wenn man unten - oder , was dasselbe sagen wollte , vor einem mit allerhand unleserlichen Blechschilden reich ausgestatteten Parterre-Verhau - klingelte , mitunter wie durch einen rätselhaften Federdruck in seiner Gesamtheit aufsprang , mitunter aber auch nicht , in welch letzterem Falle die nun von Etage zu Etage nötig werdende Einzel-Klingelei gar kein Ende nahm und bei jedem neuen Gitter zu dem Erscheinen eulenartiger alter Köchinnen führte , deren Examinationsverfahren um so peinlicher und eindringlicher war , als nur ihr Auge die Fragen stellte . Waldemar war zu lang und zu gut mit dieser altberlinischen Haus- und Treppeneinrichtung bekannt , um für gewöhnlich Anstoß daran zu nehmen , heute jedoch hatte dieses Absperrungssystem eine gewisse Bedeutung für ihn , und jede neu zu passierende Gittertür erschien ihm wie eine Mahnung , » es lieber nicht versuchen zu wollen « . Der mitgebrachte gute Mut indes überwand alle Bedenklichkeiten und ließ ihn schließlich bei der dritten und letzten Gittertür ankommen , an der er von einem alten Muffel von Diener ( natürlich vom Lande ) , dessen Umwandlung ins Herrschaftliche sich nur sehr unvollkommen vollzogen hatte , mit einigermaßen überraschlicher Freundlichkeit empfangen wurde . Der Herr Graf seien zu Haus und würden sich sehr freuen . » Er sitzt über die Kupferstiche « ( so schloß er ) , » und wenn er da drüben her is , is er immer guter Laune . « Der Diener ging voran , um zu melden , und der Eindruck , den Waldemar gleich bei seinem Eintreten empfing , war der denkbar günstigste . Wenn schon immer eine gewisse , durch einen guten Geschmack in Einrichtung und Ausschmückung bedingte Behaglichkeit in dem Wohnzimmer des Onkels anzutreffen war , so war diese Behaglichkeit heute bis zur Gemütlichkeit gesteigert . Die Fenster standen auf , und von den » Linden « her klang die Musik eines auf Wache ziehenden Bataillons herüber . Aber das war nicht alles , einfallende Lichter blitzten an den Wänden hin und her , und auf einem großen und eleganten Ständer von Mahagoniholz , dessen Wände niedergeklappt waren , lag eine Kupferstichmappe , darin der alte Graf emsig und andächtig zu blättern schien . Er trug schottischkarierte Pantalons , Sammetrock und einen Fez mit Puschel , alles in allem ein ziemlich sonderbar zusammengestelltes Kostüm , das freilich vollkommen zu seiner Versicherung stimmte : dem Eklektizismus gehöre die Welt . » Ah , Waldemar . Soyez le bienvenu . Herzlich willkommen , mein Junge . Nimm einen Stuhl oder stelle dich persönlich hierher ... Im übrigen ganz nach deiner Bequemlichkeit . Du findest mich in einer gewissen Aufregung : eben hat mir Amsler diese Mappe voll italienischer Stiche geschickt , und ich schwelge in Reminiszenzen . Sieh ... « » Mantegna ... « » Ja , Waldemar , Mantegna . Du wirst das Original in der Brera gesehen haben . Süperbe . Wie das wohltut , eine verständnisvolle Seele zu finden . Alles redet von Kunst ,