, als der Gelehrte sich ' s träumen läßt , ich ... « Hermann unterbrach ihn mit der Aufforderung , jetzt das Bekenntnis zu tun , das er auf dem Herzen habe . » Aber verderben Sie mir die Freude nicht , Frau Gräfin « , sprach Wolfi . » Welche Freude ? « » Die , zuzuhören , wenn Sie Klavier spielen ... Staunen Sie nur ! Der elende Kerl , der Wolfi , hat Sinn für Musik - besonders für diejenige , die Sie treiben . « Er klopfte mit der flachen Hand auf seine Brust . » Balsam , Frau Gräfin . - Ich habe mich auf allerlei Umwegen in die Nähe des Schlosses geschleppt , bis zum Gartenhaus hinter den Fliederbüschen , und gelauscht ... Ja , das war Musik ! Dabei läuft es einem kalt über den Buckel , und das ist das Rechte . Ich hatte Ihnen soviel Leidenschaft gar nicht zugetraut . - Sie haben es da « , er griff ans Herz , » und in den Fingern , und ich hätt es auch gehabt , wäre gewiß ein Künstler worden ... Aber hat ' s denn sein dürfen ? ... Was , Künstler - Lump ! Eine Satzung des großen Grafen : Aus dem Künstler wird nichts , wenn nicht der Lump in ihm die Begeisterung dazu gibt ... Also ich bitte um freien Eintritt in das Gartenhaus , bitte auch , den Hunden und den Leuten aufzutragen , mich dort unbehelligt zu lassen , wenn ich komme , was nicht gar zu oft geschehen wird . Aber ich darf ? - ich darf ? « wiederholte er ungeduldig . Maria zögerte : » Ein versteckt lauschendes Publikum ist nicht angenehm . « » Flausen ! was wissen Sie , wenn Sie spielen , von einem Publikum . « Hermann legte seine Fürsprache ein , und der Wunsch Wolfis wurde gewährt . Von diesem Tag an verlängerte Maria ihre Besuche bei dem Kranken . » Ein Mensch , der sich noch Empfänglichkeit für das Schöne erhalten hat , kann nicht ganz schlecht sein « , meinte sie und betrachtete es als ihre Aufgabe , diese Seele , die schon so bald vor den ewigen Richter gerufen werden sollte , zu retten . Sie hielt den Zynismus , mit dem er ihre Vorstellungen aufnahm , für eine scheußliche Maske , und die Einwendungen , die er ihr machte , für erbärmliche Prahlereien . Eines Nachmittags fand sie ihn in großer Aufregung . Er war mit dem Lesen eines Briefes beschäftigt und empfing sie mit den Worten : » Habe ich noble Korrespondenten , he ? Sehen Sie doch die Unterschrift . « Sie las mit peinlicher Verwunderung » Felix Tessin « . Wolfi steckte den Brief ein . » Ja « , sprach er nachlässig , » der antwortet einem doch , erinnert sich doch der einstigen Jugendfreundschaft . - Sie lächeln ungläubig ? Sie können den Gassenkehrer nicht vergessen , der hat Ihnen einen unauslöschlichen Eindruck gemacht . Aber dieser Episode meines bewegten Lebens gingen andere voran ... Ei , ei - nun , was ist denn los ? « Er stockte . Maria hatte eine Art , den Kopf zu heben und Leute , die etwas taten oder sagten , das ihr mißfiel , dabei anzusehen , die den Kecksten in Verwirrung brachte . Wolfi erfuhr es jetzt . » Ohne Sorge ! Wozu diesen Aufwand an Würde ? « spöttelte er , » ich denke nicht daran , mich in Details einzulassen , ich sage nur : Wir waren befreundet . Felix und ich studierten in Heidelberg zusammen - fragt mich nur nicht was - , wurden zusammen relegiert . Tessin kümmerte sich nicht um die Anzahl der Ahnen , die einer hatte , sondern um die der Frauenherzen , die er bezwang , und um die Klinge , die er führte . Die meine hat er schätzen gelernt bei jenem Überfall , den ein beleidigter Ehemann gegen ihn in Szene gesetzt hat ... Ja , wir waren Freunde ! « » Und einer des anderen wert « , sprach Maria und wandte sich , um ihr Erröten zu verbergen . Wie hatte sie diese Worte sprechen können ? War ihre Erbitterung gegen Tessin nicht längst überwunden ? Sie stand auf und verließ das Zimmer . Lisette , von der sie sich hatte begleiten lassen , überhäufte Wolfi mit Vorwürfen , ehe sie der Gebieterin folgte . Er aber blickte aus dem Fenster der hohen Gestalt nach , die langsam hinter den Bäumen des Parkes entschwand , und murmelte zwischen den Zähnen : » O Majestät , meinen letzten Lebensfunken für einen Flecken auf deinem Hermelin ! « 9 Noch ein Herbst auf dem Lande , noch einmal die Weihnachtszeit in Dornach , die Gräfin Agathe bei ihren Kindern zubrachte , im Anblick ihres Enkels schwelgend . Nach dem Neuen Jahre trennte man sich . Hermann und Maria fuhren zum Winteraufenthalte nach Wien , Gräfin Agathe kehrte in ihre Einöde zurück , nicht ohne die jungen Leute gemahnt zu haben , daß es auch gegen die Gesellschaft Pflichten zu erfüllen gibt . Während des langen Witwenstandes der Gräfin war kein Fest gefeiert worden im alten Dornachischen Palast , den ein prachtliebender Ahnherr der Gastfreiheit seiner Nachkommen erbaut . Allabendlich nur hatte sich das schwere Tor vor der soliden Equipage einer Familienmutter oder der ehrwürdigen Stiftskarosse geöffnet und Glock zehn hinter ihr wieder geschlossen unter den tiefen Bücklingen des gähnenden Portiers , der nach und nach zu der Überzeugung gelangt war , der Zweck des Lebens sei auszuruhen . Das sollte nun anders werden , viel gründlicher anders , als die Gebieter des Hauses beabsichtigt hatten . Ihr Vorsatz , sich frei zu erhalten von dem Zwange , alles mitzumachen , erwies sich als unausführbar ; in kurzer Zeit waren sie von dem Wirbel erfaßt . Die Welt sprach zu ihnen wie zu allen ihren Kindern : Gib dich mir