betrügen ! « Sofort erhielt er folgende Epistel : » Ihr Schreiben erhalten . Zürnen Sie mir nicht . Ich kann und will in meiner jetzigen Lage Niemand sehen . Klatsch ist genug schon . Ich will nicht noch mehr haben und übrigens habe ich mich jetzt an den betreffenden Herrn gewendet . Der wird mir schon Ruhe verschaffen . Möglicherweise wird auch Bammers Mund gestopft . Was das ausfahren betrifft , kann am besten meine Wirthin Auskunft geben . Denn ich gehe höchst selten ohne sie fort . Betreffs Stellung habe ich mich auch schon bemüht genug , jede Stunde ist mir die liebere , wo ich wieder zu thun habe , nun bitte ich Sie nochmals , sorgen Sie nicht um mich und vor allen Dingen lassen Sie sich nicht wieder in einen Klatsch verwickeln und glauben Sie an mir , ich werde Sie nie hintergehen . Auch suchen Sie kein Wiedersehen . Ueberlassen wir dies der Zeit . Mit freundlichem Gruß Kathi Kreutzner . « Er beruhigte sich damit . Freilich konnte er sich bei psychologischer Beobachtung sagen , daß diese Zeilen zwar die entschlossene Festigkeit des tapferen Mädchens athmeten , aber die innige Gesinnung der früheren Briefe etwas erkaltet zeigten . Doch nahm er dies Alles gelassen hin und tröstete sich mit der Zukunft . Nachdem er aufs heftigste gearbeitet fühlte er eines Tages das Bedürfniß , wieder in dem Café Bammer aufzutauchen . Bammer selbst pflanzte sich mit übertriebener Liebenswürdigkeit alsbald neben ihn hin , und während der Künstler , scheinbar nur oberflächlich hinbotend , ein Frühstück hinterschlang , begann Bammer sich nach allen Dimensionen über die Verlogenheit Kathis zu unterrichten . Sie habe seinem Buchhalter einen so ungemeinen Brief geschrieben , daß der alte Mann sich schämte , ihm zu zeigen , so schmutzig sei der Inhalt gewesen . » So was Unweibliches ! « Bammer schüttelte mit großer Entrüstung das Haupt . Dann lenkte er auf das andere Gespräch zurück . Sie konnte sich nicht weißbrennen . In der Gegend war kein Bahnhof und was habe sie in so früher Morgenstunde dort zu suchen gehabt ! Rother meinte trocken , er glaube nicht daran . Aber der andere begann mit solcher Emphase weiter zu stochern , als wenn die Gefühle eines auf den Rost Gelegten rauskämen . Wäre es möglich , daß er dennoch betrogen ! Wie dieser nagende Zweifel ihn aus allen Himmeln stürzte ! Er hatte sich stolz gefühlt , so lieben zu können . Das war der einzige Stolz , der ihm nicht eitel und nichtig erschien . Und dies Geheimniß seiner Seele sollte Niemand kennen . Nur sie Beide sollten von sich wissen , eng verbunden bleibend , heimlich versteckt vor der Welt . Und so hatte er sie dereinst zu sich emporheben wollen . Was das schwache Herz geschworen , sollte halten der starke Geist . Ihre Seele , die unverstandene , sollte die seinige verstehen lernen , bis beide Seelen nur ein einziges gemeinsames Geheimniß der Liebe bargen . Und nun , all seine hochherzigen Absichten heroischer Selbstverleugnung vergeudet - an eine Schuldige , die ein falsches Spiel mit seinem Vertrauen trieb ? Er beschloß der Sache sofort auf den Grund zu gehn . Wirklich machte er sich sofort auf den Weg ; traf er auch wahrscheinlich sie selber nicht bei so früher Tageszeit - es war drei Uhr - , so fand er doch sicher die Wirthin . Er grübelte sich immer mehr in heftige Erregung hinein . Mit zorngerötheten Wangen und hastigen Schritten stürzte er den langen Bretterzaun entlang , der von der Stadtbahnstation zur Gerichtsstraße hinführt . Bald hatte er das breite , hohe Haus gefunden und klomm die steile Treppe hinan , auf welcher einige winselnde schmutzige Kinder sich balgten . Wird er sie zu Hause finden ! Wirklich , der Zufall schien ihm günstig . Höflich bat ihn die Wirthin einzutreten . » Aber ich weiß nicht , ob sie abkommen kann . Sie hilft mir beim Waschen und ist nicht angezogen . « » Sagen Sie ihr , ich hätte ihr etwas Wichtiges zu sagen . « » Nun gut , ich werde sie rufen . « Er verbeugte sich stumm und nahm am Fenster Platz , nachdem er mit einem kurzen Blick auf den Spiegel constatirt , wie blaß er aussah . Nach einiger Zeit trat sie ein mit heiterem Ausdruck und fröhlichem Lächeln . Sie hatte sich offenbar rasch umgezogen , trug ein elegantes Kleid , blau mit Rosablumen gemustert . » Guten Tag ! « sagte sie freundlich , indem sie heftig erröthete . » Guten Tag , « erwiderte er trocken . Sie schrak auf und sah ihn an . » Ja , « fuhr er unsicher fort , » es ist mir peinlich genug gewesen , hierherzukommen . Aber es muß sein . Ich wollte Sie bitten , mir zurückzugeben , was Sie schriftlich von mir haben . « Sie blickte ihn einen Augenblick sprachlos an . Dann sprach sie los : » Ah , daher bläst der Wind ! So war ' s gesagt . O ja , gut , hier , sofort , nehmen ' s Alles . « Sie kniete zu ihrem Koffer hin , riß ihn auf , kramte darin herum und häufte einen Brief auf den anderen . Ihre Stimme gewann dabei einen eigenartigen Reiz in der unwollenden Ironie des schmelzenden Tonfalles ; der Zorn gab ihr eine verschönernde Würde des Ausdrucks . Rother stutzte und schwankte in einer gewissen Begeisterung . » Mein Gott . « rief er , » wenn man Sie hört ! Was soll ich glauben ! Der Buchhalter hat Sie doch daheim gesternmorgens gesehn .. und am Görlitzer Bahnhof haben doch gar nichts zu suchen . « » Ich habe doch meine Wirthin begleitet . « » Ach , wer das glaubt ! « » So ? Natürlich ! « Sie riß die Thür auf : » Frau Lämmers ! « » Nun ? « machte