in sich versunkene Natur war ihnen in tiefster Seele verhaßt . Sie schalten ihn einen Mucker , einen Kopfhänger , und wenn sie ihn geprügelt hatten , sagten sie : » So , nun zeig uns an , das würde prächtig zu dir passen . « Sein Groll gegen die Widersacher schwoll höher und höher . Oft machte er sich Vorwürfe , daß er sich feige und ehrlos betrage , und beschuldigte sich niedriger , knechtischer Gesinnung . Eines Tages , als er auf dem beschneiten Hofe hin und her lief , redete er sich so sehr in Zorn hinein , daß er beschloß , sich jener bösen Brüder zu entledigen , und wenn es sein eigen Leben kostete . - Er lief in den Stall , wo der Schleifstein stand , taute das in der Bütte gefrorene Wasser auf und schärfte sein Taschenmesser , bis es einen Streifen dünnsten Seidenpapiers durchschnitt . Als er aber am nächsten Montag aufs neue durchgeprügelt wurde , fand er nicht den Mut , es aus der Tasche zu ziehen , und mußte sich aufs neue ob seiner Feigheit Vorwürfe machen . Er verschob es auf das nächste Mal - aber dabei blieb es . Auch von dem Vater hatte er vieles zu erdulden . Der trug sich neuerdings wieder mit großen Plänen , und wenn er das tat , fühlte er sich stets sehr erhaben und war auf Paul , den er um seines kleinlichen Sinnes willen verachtete , besonders schlecht zu sprechen . » Warum ist auf den Jungen nicht der leiseste Funken meines Genies übergegangen ? « sagte er . » Wie schön könnte ich ihn dann zum Handlanger für meine Pläne erziehen ! Aber er ist zu stupide - Hopfen und Malz sind an ihm verloren . « Er hatte jetzt die Absicht , zur Ausbeutung seines Moores eine Aktiengesellschaft zu gründen , große Kapitalien aufzubringen und sich selbst zum Direktor mit soundsoviel tausend Talern Gehalt ernennen zu lassen . Er fuhr allwöchentlich zwei- bis dreimal zur Stadt und war oft am zweiten Tage noch nicht zu Hause . » Es hält schwer , « sagte er dann , wenn er seinen Rausch ausgeschlafen hatte , » aber ich werde die Filze schon ' rankriegen . Auch der Douglas , der Protz , muß mir bluten . Wenn ich nur wüßte , wie ich ihn mir einmal greifen könnt ' ? Helenental betrete ich nie wieder , schon um nicht zu sehen , wie der Kerl es hat verwahrlosen lassen - denn das hat er jedenfalls - und in der Stadt bekomme ich ihn nie zu sehen . Aber bluten - bluten muß er . Wenn er nicht einen Scheffel Aktien zeichnet , soll ihn der Teufel holen . « Frau Elsbeth hörte das alles traurig an , ohne ein Wort zu sagen , Paul aber pflegte hinterher heimlich den Schlüssel des Schuppens vom Brette zu nehmen , um mit der » schwarzen Suse « stumme Zwiesprach zu halten . Er hatte nun einmal den Glauben , daß von ihr die Rettung käme . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Als die Osterfeiertage vorüber waren , wurde der Religionsunterricht aufs neue in die Kirche verlegt . Knaben und Mädchen kamen nach halbjähriger Trennung wieder zusammen . Elsbeth hatte sich während des Winters sehr verändert . Sie sah nun beinahe aus wie eine erwachsene Dame . Sie trug ein halblanges Kleid und hatte das Haar über der Stirn in Löckchen aufgelöst . Paul grüßte sie sehr beklommen ; ihm war zumute , als paßte er nicht mehr zu ihr - aber sie stand von ihrem Sitze auf , ging ihm drei Schritte entgegen und drückte ihm vor aller Augen herzlich die Hand . In der darauffolgenden Stunde wurde unter den Knaben ein Blatt herumgereicht , das viel Heiterkeit erregte . Es trug die von allerhand Schnörkeln umgebenen Worte : » Als Verlobte empfehlen sich : Paul Meyhöfer , Elsbeth Douglas . « Die Schrift war die des jüngeren Erdmann . Pauls Hand suchte nach seinem Messer ; für einen Moment war ihm zumute , als könnte er es hier mitten in der Kirche gegen seinen Nachbarn zücken ; er zerrte ihm das Blatt aus der Hand und riß es in Fetzen . Elsbeth sah verwundert zu ihm herüber , und der Pfarrer rief ihn zur Ruhe . Nun erschrak er über seine eigene Kühnheit . Die Erdmänner mußten ihm wohl angemerkt haben , daß er in diesem Punkt nicht mit sich scherzen lasse , und machten keinen ferneren Versuch , ihn mit Elsbeth aufzuziehen ... Am letzten Sonntag vor Pfingsten war die Einsegnung . Paul hatte die Nacht über nicht schlafen können , vor Sonnenaufgang stand er leise auf , zog die neuen schwarzen Tuchkleider an , die die gute Tante ihm zu diesem Feste geschenkt hatte , und machte einen Rundgang über den stillen Hof und die tauigen Felder , bis zu dem Moore hin , das mit seinem Blumengewande gar feiertäglich vor ihm lag . Im Angesicht der aufgehenden Sonne faltete er seine Hände und sprach ein inbrünstiges Gebet . Mit diesem Tage wollte er ein neues , besseres Leben beginnen , alle Unbill vergeben und seine Feinde lieben , wie es Jesus Christus befohlen ... Da fiel ihm das Messer ein , das er einst für die Erdmänner geschliffen , er riß es aus der Tasche und schleuderte es mitten in das Moor hinein , wo es mit einem gurgelnden Laute im Brachwasser versank . - Heiße Tränen stürzten aus seinen Augen . Schlecht und verworfen erschien er sich und gänzlich unwürdig , vor Gottes Altar zu treten ... Kaum wagte er auf den Hof zurückzukehren , erst als die Zwillinge in ihren nagelneuen Mullkleidchen jubelnd auf ihn zustürzten , ward ihm freier und leichter ... Er umarmte die Schwestern und gelobte sich im stillen ,