Bauch und griff mit den blutigen Fingern hinein , das Eingeweide herauszureißen . Dabei schwatzte sie fort : » Man weiß niemals , was der im Kopf hat . Da geht alles durcheinander . Einmal ist er so freundlich , daß man sich ordentlich scheniert , dann wieder .... « Sie hielt das zerschlitzte Tier unter den Wasserhahn , um es auszuspülen . » Dann wieder sieht er einen so zornig und mit so funkelnden Augen an , daß man sich vor ihm fürchtet . « » Du hast ja die Taube nicht flammiert ! « » Jesses , ja , das hätt ' ich jetzt schier vergessen . G ' schwind abtrocknen und über die Spiritusflamme damit ! So , jetzt sehen Sie , Fräulein , wie das fein wird ; kein Härchen mehr dran . Ein wunderschönes Tier , so zart . Aber ich hab ' auch zwanzig Pfennig mehr dafür zahlen müssen , sonst hätt ' ich ' s nicht kriegt . Die guten Sachen werden jeden Tag teurer , je mehr davon auf den Markt kommt . Gleich zwanzig Pfennig teurer - woher kommt denn das ? « » Vielleicht von der Ehrlichkeit der Dienstboten , Schwätzerin . « » Ja , die Dienstboten müssen ' s immer büßen . Denen schiebt man alles in die Schuhe . Wie vorhin . Der gnädige Herr bekommt eine schlechte Depesche und die Köchin bekommt dafür ein böses Gesicht . « » Schweig ' ! « Brigitta hatte sich auf einen Stuhl niedergelassen . Sie fühlte sich zu unkräftig , selbst mit Hand anzulegen , so wollte sie wenigstens die Hantierung der Köchin überwachen . Die Wärme that ihr wohl , die dem knisternden Herdfeuer entströmte und die Küchenluft mit dem lieblichen Duft harzreichen Tannenholzes durchzog . Aber das Wetter hatte sich wieder verdüstert und drückte den Rauch durch den Schlot zurück . Brigitta rieb sich die Augen , hüstelte und jammerte still vor sich hin . Jetzt jagte Resl die Flammen mit dem Blasebalg auf , daß die Funken stoben und der Rauch in grauen Wolken aufflog . » Mach ' s ordentlich , Du weißt schon , « stieß die alte Wirtschafterin keuchend heraus und verließ mühsamen Schritts die Küche . » Weiß schon , - ist kein Kunststück , « machte Resl mit höhnischer Fratze und salutierte hinter dem Rücken der Abgehenden mit dem Blasebalg . » Rechtsum oder linksum , gleichviel , die alte Hex ' treibt ' s nimmer lang - und dann werden wir mit dem schönen Herrn Baron wirtschaften , daß es eine Art hat . Ist zum lachen - ich fürcht ' mich nicht vor seinen Mucken . Ich kenn ' die Sorte schon . Hätscheln und tätscheln hilft immer , und das kann unser eins auch . « Sie zog einen kleinen Handspiegel mit halbem Glas aus der Geschirrschrank-Schublade und betrachtete sich wohlgefällig , zog die Lippen rund und kraus , schob die Zunge vor und zurück - und warf dann den Spiegel wieder an seinen Ort . » Und der schöne Herr Baron mag ' s gewiß recht gern , das Hätscheln und Tätscheln ; da wird ' s ihm wohl von einer Jungen noch lieber sein , als von einer Alten . « Sie brach in ein freches Lachen aus . » Hätt ' ich nur die Alte vom Hals , diese Aufpasserin und G ' schaftelhuberin , die Filzerin , die eine Laus um den Balg schindet und immer verhungern will . Jesses , der möcht ' ich doch gleich in die Suppe spucken . Eine solche Hungerleiderin ! « Mit raschem Griff faßte sie einen Wurststrang , schnitt ein Stück ab und ließ es in einer Schachtel , die ihre gestohlenen Vorräte barg , verschwinden . » Für den Hans ! Das heißt , so lang ' ich ihn noch mag - und noch nicht zur Baronin avangsiert bin . Ich wollt ' s erraten , was ihm in der Depesche so ins Geweih gestiegen ist . Ein Tächtelmächtel , ein verunglücktes Liebesabenteuer . Da geht ' s immer gleich per Telegraph , da pressiert ' s ! Bei mir könnt ' er ' s so gut haben . « Indem sie mit dem Finger von dem Apfel-Kompot naschte , das sie auf einer Schale zurichtete : » Sehr fein ist ' s. Das hat der Franzl immer so gern mögen , wenn er von Tölz heruntergekommen ist . Jetzt geht die Flößerei auf der Isar bald wieder an ; dann kommt er gewiß wieder mit seinen langen Wasserstiefeln und läßt mir keine Ruh .... O die Mannsbilder - und lauter Schleckermäuler sind ' s. Jesses , jetzt ist mir vor lauter Gedanken gar die Soss ' ( Sauce ) anbrennt .... « 4. Eins der Kontore des Bankiers Weiler lag in einer schmutzigen Seitenstraße des Viktualienmarktes , die erst kürzlich auf den Namen des berühmten patriotischen Schnapsfabrikanten Schienenschneider umgetauft worden war , - im sogenannten Isarwinkel . » Die fleißige Umtaufe der Straßen , Gassen und Plätze der bayrischen Residenz ist vermutlich deshalb eine der liebsten Beschäftigungen der Stadtväter von Isar-Athen , weil man dabei so viel patriotischen Geist und Geschichtssinn entwickeln kann , « hatte der Bankier bei dem letzten Besuche des Barons auf dessen kritische Bemerkung erwidert . Augenblicklich war dieser jedoch nicht in der Stimmung , die Stadtväter oder andere nützliche Mitgeschöpfe zu kritisieren .... » Was nur die Depesche des Bankiers bedeuten mag ? Sollte dieser Tag lauter Unangenehmes bringen ? « Herr Weiler befand sich gerade auf der Börse . Sein Buchhalter war an den Fernsprechapparat getreten , dem Chef den Besuch des Herrn Barons zu melden . » In spätestens zehn Minuten stehe zur Verfügung , « telephonierte prompt der Börsenmann zurück . Max von Drillinger war in die Hinterstube getreten . » Wünscht der Herr Baron inzwischen vielleicht die Neuesten Nachrichten oder die Frankfurter Zeitung zu lesen ? « fragte der Kommis mit fadem Lächeln , indem er