« » Und ich denke , wir lassen sie leer « , sagte Melanie scharf und wechselte die Farbe , während sie mechanisch ihren Sonnenschirm auf- und zumachte . » Ich denke , wir lassen sie leer . Es ist ohnehin Glühwein . Und wenn wir noch hinüber wollen , so wird es Zeit sein , hohe Zeit « , und sie betonte das Wort . » Ich bin es zufrieden « , entgegnete van der Straaten , aber in einem Tone , der nur allzu deutlich erkennen ließ , daß seine gute Stimmung in ihr Gegenteil umzuschlagen begann . » Ich bin es zufrieden und bedauere nur , allem Anscheine nach , wieder einmal Anstoß gegeben und das adlige Haus de Caparoux in seinen höheren Aspirationen verschnupft zu haben . Es ist immer das alte Lied , das ich nicht gerne höre . Wenn ich es aber hören will , so lad ich mir meinen Schwager-Major zu Tische , der ist erster Kammerherr am Throne des Anstands und der Langenweile . Heute fehlt er hier , und ich hätte gern darauf verzichtet , ihn durch seine Frau Schwägerin ersetzt zu sehen . Ich hasse Prüderien und jene Prätensionen höherer Sittlichkeit , hinter denen nichts steckt . Im günstigsten Falle nichts steckt . Ich darf das sagen , und jedenfalls will ich es sagen , und was ich gesagt habe , das habe ich gesagt . « Es antwortete niemand . Ein schwacher Versuch Gablers , wieder einzulenken , mißlang , und in ziemlich geschäftsmäßigem , wenn auch freilich wieder ruhiger gewordenem Tone wurden alle noch nötigen Verabredungen zur Überfahrt nach Treptow in zwei kleinen Booten getroffen ; Ehm aber sollte , mit Benutzung der nächsten Brücke , die Herrschaften am andern Ufer erwarten . Alles stimmte zu , mit Ausnahme von Fräulein Riekchen , die verlegen erklärte , » daß Bootschaukeln , von klein auf , ihr Tod gewesen sei « . Worauf sich van der Straaten in einem Anfalle von Ritterlichkeit erbot , mit ihr in der Glaslaube zurückbleiben und das Anlegen des nächsten , vom » Eierhäuschen « her erwarteten Dampfschiffes abpassen zu wollen . Zehntes Kapitel Wohin treiben wir ? Es währte nicht lange , so steuerten , von einer dunklen , etwas weiter flußaufwärts gelegenen Uferstelle her , zwei Jollen auf das Floß zu , jede mit einer Stocklaterne vorn an Bord . In der kleineren saß derselbe Junge , der schon am Nachmittage die Reifen auf die Kirchhofswiese hinausgetragen hatte , während die größere Jolle , leer und bloß angekettet , im Fahrwasser der anderen nachschwamm . Es gab einen hübschen Anblick , und kaum daß die beiden Fahrzeuge lagen , so stiegen auch , vom Floß aus , die schon ungeduldig Wartenden ein : Rubehn und Melanie in das kleinere , die beiden Maler und Anastasia in das größere Boot , eine Verteilung , die sich wie von selber machte , weil Elimar und Gabler gute Kahnfahrer waren und jeder anderweitigen Führung entbehren konnten . Sie nahmen denn auch die Tête , und der Junge mit der kleineren Jolle folgte . Van der Straaten sah ihnen eine Weile nach und sagte dann zu dem Fräulein : » Es ist mir ganz lieb , Riekchen , daß wir zurückgeblieben sind und auf das Dampfschiff warten müssen . Ich habe Sie schon immer fragen wollen , wie gefällt Ihnen unser neuer Hausgenosse ? Sie sprechen nicht viel , und wer nicht viel spricht , der beobachtet gut . « » Oh , er gefällt mir . « » Und mir gefällt es , Riekchen , daß er Ihnen gefällt . Nur das oh beklag ich , denn es hebt ein gut Teil Lob wieder auf , und oh , er gefällt mir ist eigentlich nicht viel besser als oh , er gefällt mir nicht . Sie sehen , ich lasse Sie nicht wieder los . Also nur immer tapfer mit der Sprache heraus . Warum nur oh ? Woran liegt es ? Wo fehlt es ? Mißtrauen Sie seinen Dragonerreservelieutenants-Allüren ? Ist er Ihnen zu kavaliermäßig oder zu wenig ? Ist er Ihnen zu laut oder zu still , zu bescheiden oder zu stolz , zu warm oder zu kalt ? Damit möchten Sie ' s getroffen haben . « » Womit ? « » Mit dem zu kalt . Ja , er ist mir zu kalt . Als ich ihn das erste Mal sah , hatt ich einen guten Eindruck , obgleich nicht voll so gut wie Anastasia . Natürlich nicht . Anastasia singt und ist exzentrisch und will einen Mann haben . « » Will jede . « » Ich auch ? « lachte die Kleine . » Wer weiß , Riekchen . « » ... Also das erste war : er gefiel mir . Es war in der Veranda , gleich nach dem zweiten Frühstück , wir hatten eben die blauen Milchsatten zurückgeschoben , und es ist mir , als wär es gestern gewesen . Da kam der alte Teichgräber und brachte seine Karte . Und dann kam er selbst . Nun er hat etwas Distinguiertes , und man sieht auf den ersten Blick , daß er die kleine Not des Lebens nicht kennengelernt hat . Und das ist immer hübsch , und das Hübsche davon soll ihm unbenommen sein . Er hat aber auch etwas Reserviertes . Und wenn ich sage , was Reserviertes , so hab ich noch sehr wenig gesagt . Denn Reserviertsein ist gut und schicklich . Er übertreibt es aber . Anfangs glaubt ich , es sei die kleine gesellschaftliche Scheu , die jeden ziert , auch den Mann von Welt , und er werd es ablegen . Aber bald konnt ich sehen , daß es nicht Scheu war . Nein , ganz im Gegenteil . Es ist Selbstbewußtsein . Er hat etwas amerikanisch Sicheres . Und so sicher er ist , so kalt ist er auch . « » Ja , Riekchen , er war zu