der Schule vorstand , setzte sich mit dem Lehrer an einen Tisch und hieß mich neben ihn sitzen . Die Knaben hingegen mußten sich vor dem Tische in eine Reihe stellen und harrten der Dinge , die da kommen sollten . Sie wurden nun mit feierlicher Stimme gefragt , ob sie gewisse Worte in meiner Gegenwart ausgesprochen hätten ; sie wußten nichts zu antworten und waren ganz erstaunt . Hierauf sagte der Geistliche zu mir : » Wo hast du die bewußten Dinge gehört von diesen Buben ? « Ich , war sogleich wieder im Zuge und antwortete unverweilt mit trockener Bestimmtheit : » Im Brüderleinsholze ! « Dieses ist ein Gehölz , eine Stunde von der Stadt entfernt , wo ich in meinem Leben nie gewesen war , das ich aber oft nennen hörte . » Wie ist es dabei zugegangen , wie seid ihr dahin gekommen ? « fragte man weiter . Ich erzählte , wie mich die Knaben eines Tages zu einem Spaziergange überredet und in den Wald hinaus mitgenommen hätten , und ich beschrieb einläßlich die Art , wie etwa größere Knaben einen kleinern zu einem mutwilligen Streifzuge mitnehmen . Die Angeklagten gerieten außer sich und beteuerten mit Tränen , daß sie teils seit langer Zeit , teils gar nie in jenem Gehölze gewesen seien , am wenigsten mit mir ! Dabei sahen sie mit erschrecktem Hasse auf mich wie auf eine böse Schlange und wollten mich mit Vorwürfen und Fragen bestürmen , wurden aber zur Ruhe gewiesen und ich aufgefordert , den Weg anzugeben , welchen wir gegangen . Sogleich lag derselbe deutlich vor meinen Augen , und angefeuert durch den Widerspruch und das Leugnen eines Märchens , an welches ich nun selbst glaubte , da ich mir sonst auf keine Weise den wirklichen Bestand der gegenwärtigen Szene erklären konnte , gab ich nun Weg und Stege an , die an den Ort führen . Ich kannte dieselben nur vom flüchtigen Hörensagen , und obgleich ich kaum darauf gemerkt hatte , stellte sich nun jedes Wort zur rechten Zeit ein . Ferner erzählte ich , wie wir unterwegs Nüsse heruntergeschlagen , Feuer gemacht und gestohlene Kartoffeln gebraten , auch einen Bauernjungen jämmerlich durchgebleut hätten , welcher uns hindern wollte . Im Walde angekommen , kletterten meine Gefährten auf hohe Tannen und jauchzten in der Höhe , den Geistlichen und den Lehrer mit Spitznamen benennend . Diese Spitznamen hatte ich , über das Äußere der beiden Männer nachsinnend , längst im eigenen Herzen ausgeheckt , aber nie verlautbart ; bei dieser Gelegenheit brachte ich sie zugleich an den Mann , und der Zorn der Herren war ebenso groß als das Erstaunen der vorgeschobenen Knaben . Nachdem sie wieder von den Bäumen heruntergekommen , schnitten sie große Ruten und forderten mich auf , auch auf ein Bäumchen zu klettern und oben die Spottnamen auszurufen . Als ich mich weigerte , banden sie mich an einen Baum fest und schlugen mich so lange mit den Ruten , bis ich alles aussprach , was sie verlangten , auch jene unanständigen Worte . Indessen ich rief , schlichen sie sich hinter meinem Rücken davon , ein Bauer kam in demselben Augenblicke heran , hörte meine unsittlichen Reden und packte mich bei den Ohren . » Wart , ihr bösen Buben ! « rief er , » diesen hab ich ! « und hieb mir einige Streiche . Dann ging er ebenfalls weg und ließ mich stehen , während es schon dunkelte . Mit vieler Mühe riß ich mich los und suchte den Heimweg in dem dunklen Wald . Allein ich verirrte mich , fiel in einen tiefen Bach , in welchem ich bis zum Ausgange des Waldes teils schwamm , teils watete , und so , nach Bestehung mancher Gefährde , den rechten Weg fand . Doch wurde ich noch von einem großen Ziegenbocke angegriffen , bekämpfte denselben mit einem rasch ausgerissenen Zaunpfahl und schlug ihn in die Flucht . Noch nie hatte man in der Schule eine solche Beredsamkeit an mir bemerkt wie bei dieser Erzählung . Es kam niemand in den Sinn , etwa bei meiner Mutter anfragen zu lassen , ob ich eines Tages durchnäßt und nächtlich nach Hause gekommen sei ? Dagegen brachte man mit meinem Abenteuer in Zusammenhang , daß der eine und andere der Knaben nachgewiesenermaßen die Schule geschwänzt hatte , gerade um die Zeit , welche ich angab . Man glaubte meiner großen Jugend sowohl wie meiner Erzählung ; diese fiel ganz unerwartet und unbefangen aus dem blauen Himmel meines sonstigen Schweigens . Die Angeklagten wurden unschuldig verurteilt als verwilderte bösartige junge Leute , da ihr hartnäckiges und einstimmiges Leugnen und ihre gerechte Entrüstung und Verzweiflung die Sache noch verschlimmerten ; sie erhielten die härtesten Schulstrafen , wurden auf die Schandbank gesetzt und überdies noch von ihren Eltern geprügelt und eingesperrt . Soviel ich mich dunkel erinnere , war mir das angerichtete Unheil nicht nur gleichgültig , sondern ich fühlte eher noch eine Befriedigung in mir , daß die poetische Gerechtigkeit meine Erfindung so schön und sichtbarlich abrundete , daß etwas Auffallendes geschah , gehandelt und gelitten wurde , und das infolge meines schöpferischen Wortes . Ich begriff gar nicht , wie die mißhandelten Jungen so lamentieren und erbost sein konnten gegen mich , da der treffliche Verlauf der Geschichte sich von selbst verstand und ich hieran sowenig etwas ändern konnte als die alten Götter am Fatum . Die Betroffenen waren sämtlich , was man schon in der Kinderwelt rechtliche Leute nennen könnte , ruhige , gesetzte Knaben , welche bisher keinen Anlaß zu scharfem Tadel gegeben und aus denen seither stille und arbeitsame junge Bürger geworden . Um so tiefer wurzelte in ihnen die Erinnerung an meine Teufelei und das erlittene Unrecht , und als sie es jahrelang nachher mir vorhielten , erinnerte ich mich ganz genau wieder an die vergessene Geschichte , und fast jedes Wort ward wieder lebendig . Erst jetzt quälte mich der Vorfall mit verdoppelter nachhaltiger Wut ,