Stimme die Gesangbuchlieder mit , von denen sie die bekanntesten auswendig wußte ; aber niemand glaubte , daß sie eine ehrliche Christin sei . Man hielt sie für einen Mischling von Zwerg und Hexe . Selbst im Herrenhause , wo man ihr als einer Dorfkuriosität , zum Teil aber auch um ihrer Brauchbarkeit willen manches nachsah , dachte man im ganzen genommen wenig günstiger über sie . Nur Lewin stand ihr mit einer gewissen poetischen Zuneigung zur Seite . Er liebte scherzhaft über sie zu phantasieren . Ihr Alter sei unbestimmbar , sie sei ein geheimnisvolles Überbleibsel der alten wendischen Welt , ein Bodenprodukt dieser Gegenden , wie die Krüppelkiefern , deren einige noch auf dem Höhenrücken ständen . Bei anderen Gelegenheiten wieder , wenn ihm vorgehalten wurde , daß die Wenden sehr wahrscheinlich schöne Leute gewesen seien , begnügte er sich , sie als ein Götzenbild auszugeben , das , als der letzte Czernebogtempel fiel , plötzlich lebendig geworden sei und nun die früher beherrschten Gebiete durchschreite . Er fügte auch wohl hinzu : Hoppenmarieken werde nie sterben , denn sie lebe nicht . Sie sei nur ein Spuk . Darin versah er es nun aber ganz und gar ; sie lebte nicht nur , sie lebte auch gern und gut und dabei ganz mit jener sinnlichen Lust , wie sie den Zwergen immer und den Geizigen in der Regel eigen ist . Und sie war beides , zwergig und geizig . Die Bauern hatten sich nach ihrem Diskurs im Scharwenkaschen Kruge kaum getrennt , als Hoppenmarieken in dem schweren Schritt ihrer Wasserstiefel die Dorfgasse heraufkam . Sie ging rasch wie immer , nüsterte und sprach unverständliche Worte vor sich hin . Ihr langer Hakenstock bewegte sich dabei taktmäßig auf und ab , und ihr roter Friesrock leuchtete . Als sie das Mühlengehöft passiert hatte , schwenkte sie links und schritt nun die verschneite Lehmkaten-und Kofenstraße hinauf auf ihr Häuschen zu . Die Tür desselben war nur eingeklinkt , und mit Recht , denn alles , was sich drinnen befand , stand im Schutze seiner eigenen Unheimlichkeit . Völliges Dunkel empfing sie ; sie tappte , sich mit dem Stocke fühlend , bis in die Mitte des Flurs , stellte hier Stock und Kiepe beiseite und fuhr dann mit ihrer Hand , die eine Hornhaut hatte , in der Herdasche umher , bis ein paar glühende Kohlen zum Vorschein kamen . Sie blies nun , nahm einen Schwefelfaden und zündete mit Hilfe desselben eine Blechlampe an , ohne übrigens von dem bescheidenen Lichte , das dieselbe gab , zunächst Gebrauch zu machen . Sie kroch vielmehr in ein großes , unmittelbar neben dem Herd befindliches Ofenloch hinein , rührte auch hier mit einem langen , halb verkohlten Scheit in der tief nach hinten liegenden Glut , warf Reisig , Tannenäpfel und ein paar Stücke steinharten Torfes auf und trat nun erst in die Stube . Diese war geräumig . Hoppenmarieken leuchtete darin umher , sah in alle Winkel , tat einen Blick in den nach hinten zu gelegenen Alkoven und drückte zuletzt , beständig vor sich hin sprechend , ihre Zufriedenheit mit dem Sachbefunde aus . Die Lampe gab gerade Licht genug , um alles in der Stube Befindliche erkennen zu können . Neben dem Fenster , dicht an die Ecke geschoben , stand ein Wandschapp mit Tassen und Tellern ; der eichene Tisch war blank gescheuert ; an der Alkoventür hing ein großer , mitten durchgeborstener Rundspiegel , von dem es zweifelhaft bleiben mochte , ob er um Eitelkeits oder Geschäfts willen an dieser Stelle hing . Denn er sah aus , als ob er beim Wahrsagen und Kartenschlagen notwendig eine Rolle spielen müsse . Im übrigen war eine gewisse weihnachtsfestliche Herrichtung , für die Hoppenmarieken selber am Tage vorher gesorgt zu haben schien , unverkennbar . Das Himmelbett hatte frische Vorhänge , die Dielen waren mit Tannenzweigen bestreut , und an dem Deckenhaken hing ein Ebereschenzweig , dessen Beeren , trotz vorgeschrittener Winterzeit , noch ihre schöne rote Farbe zeigten . Alles dies hätte fast einen gemütlichen Eindruck machen müssen , wenn nicht dreierlei gewesen wäre : erstens Hoppenmarieken in Person , dann ihre Vogelkäfige und drittens und letztens der Alkoven . Hoppenmarieken selbst kennen wir ; aber von den beiden anderen noch ein Wort . An allen vier Wänden hin , dicht unter der Decke , lief eine Reihe von Vogelgebauern . Wohl zwanzig an der Zahl . Nur wo Bett und Ofen standen , war die Reihe unterbrochen . Was eigentlich in den Bauern drinsteckte , war nicht klar zu erkennen gewesen , als Hoppenmarieken mit der Lampe daran hingeleuchtet hatte . Nur allerhand dunkle Vogelaugen hatten groß und schläfrig in das Licht gestarrt . Es mußte sich einem aufdrängen , das seien wohl die Augen , die bei Abwesenheit der Herrin hier Wache hielten . Dieser seltsame Fries von Vogelbauern , in denen bloß schweigsames Volk zu Hause zu sein schien , war unheimlich genug , aber unheimlicher war der Alkoven . Schon der Rundspiegel , der an der Türe hing , bedeutete nichts Gutes . Drinnen war alles leer : Nur Kräuterbüschel zogen sich hier in ähnlicher Weise um die Wände herum wie nebenan die Vogelkäfige . Es waren gute und schlechte Kräuter : Melisse , Schafgarbe , Wohlverleih , aber auch Allermannsharnisch , Sumpfporst und Klosterwacholder . Dazwischen Bündel von Roggenhalmen , deren gesunde Körner längst ausgefallen waren , während das giftige blaue Mutterkorn noch an den Ähren haftete ; der Geruch im ganzen war betäubend . Was einem schärferen Beobachter vielleicht mehr als alles andere aufgefallen wäre , war , daß sämtliches Kräuterwerk , statt an einfachen Nägeln , an dicken Holzpflöcken hing , deren mehrere Zoll betragender Durchmesser in gar keinem Verhältnis zu der winzigen , von ihnen zu tragenden Last stand . Hoppenmarieken , die es sich mittlerweile bequem gemacht und die hohen Wasserstiefel mit ein Paar aus Filztuch genähten Schuhen vertauscht hatte , holte jetzt die Kiepe vom