schönen Anwesen , das für sich selbst eine kleine Welt in der großen zu sein schien . Wie herrlich , wenn da nun einmal alles blühte und wogte unter seiner Pflege , wenn die Sense rauschte und Schritt um Schritt hunderte fast mannshoher Halme an die Mahdo wälzte , wenn das duftende Heufuder dem großen Stadel zuschwankte , der bald so voll war , daß man im Winter , wenn die Kühe im Stalle ungeduldig auf ihn warteten , kaum noch Platz hatte , ihnen das selbstgedörrte Futter nach Verdienst und Bedürfnis in kleinen Ballen nach der Reihe aufzuwinden , wie sie nebeneinander im Stalle standen . Die beiden kamen bald so ins Reden hinein , daß es für die ihnen folgende Mutter eine wahre Freude war , obwohl sie dabei eigentlich gar nicht beachtet wurde . Hatte sie sich ' s auch nicht anders gedacht , als daß ihr Jos schnell und leicht sich in alles hineinleben werde , so war sie doch angenehm überrascht , ihn schon jetzt mit soviel Verständnis reden und fragen zu hören . Er ist doch ein prächtiger Junge , dachte sie mit einem frohen Blicke zum tiefblauen Abendhimmel . Der Hans mochte wohl etwas Ähnliches über seinen Zuhörer denken , während er ihm mit der Länge und Breite eines echten Bauern auseinandersetzte , wie er das und das und warum er es gerade so getan zu sehen wünsche . Jos hatte beim Fragen und Zuhören doppelten Vorteil . Er gewann bei Hansen immer mehr Zuneigung und erhielt manchen bedeutsamen Wink für sein künftiges Verhalten und brauchte nicht mehr wie ein Kind über alles erst zu fragen , wenn ihm das einmal nicht mehr so günstig aufgenommen , so freundlich beantwortet werden sollte als jetzt . Im Wirtshaus wurde dem Jos und seiner errötenden Mutter an dem Tische neben dem Kanapee Platz gemacht zwischen der Stigerin und ihrer Magd , die den Ankommenden das volle Glas entgegenhielt , aber so , daß man nicht sagen konnte , ob es Hansen oder dem Jos gelte . Jos wußte selbst nicht , woher er den Mut nahm , zu fragen , welcher von ihnen beiden denn auch eigentlich gemeint sei . » In der Zeit , wo du fragst und Umstände machst , hätten beide ganz leicht ein Schlücklein zum Bescheid nehmen können « , antwortete das Mädchen und zog lächelnd das Glas wieder zurück . » Das ist ein schlimmes Zeichen « , bemerkte Hans . » Noch immer hat Dorothee es mir ordentlich zugebracht , wenn sie einmal etwas Gutes hatte ; nun aber , da auch der Jos mitkommt , tut ihr die Wahl so weh , daß sie keinem mehr etwas anzubieten wagt . « Die auf diese Bemerkung folgende Stille mußte Dorotheen etwas zu lang vorkommen , denn bald sagte sie : » Jetzt geht ein Engel durch die Stube und schreibt sich etwas auf . « » Vermutlich , daß die Schnepfauerin einmal ins Wirtshaus ging « , meinte Hans . » Und daß ihr der Wirt ein geschliffenes Glas bringt « , sagte Jos und hätte beinahe noch beigefügt : » Wie den Vornehmen « , aber er fühlte dunkel etwas Unpassendes und unterließ es , in diesem Augenblicke so derb an kaum vergessene Gegensätze zu erinnern , die sich gewiß früh genug von selbst wieder geltend machten . Das geschliffene Glas war übrigens nicht das einzige , was den etwas empfindlichen Jos auf das angenehmste überraschte . Hans hatte gesagt , die Mutter sei da mit den Eigenen ; darauf hatte denn Jos erwartet , die ganze hochlöbliche Verwandtschaft derer vom Stig in vornehmer Langweiligkeit beisammen an einem eigenen Tische zu treffen . Nun aber sah er statt der ehrwürdigen Reihe die Stigerin mit Dorotheen in einem Kreise von Tagwerkern sitzen , welche gewöhnlich den stattlichen Hof bearbeiten halfen . Früher hatte das Schneiderlein oft gespöttelt über die halberfrorenen Taglöhnerseelen , die sich im Glanz ihrer Herrschaft zu sonnen suchten und es sich noch zur Ehre rechneten , als Schweif des prächtigen Kometen am Himmel des mit einer eingelegten Schiefertafel fast ganz bedeckten Herrentisches beim Kanapee zu gelten . Nun aber gestand sich Jos , es sei denn doch etwas Schönes , dieses Zusammengehören aller , die zur Ehre und zum Wohlstand eines Hauses das Ihrige beitrugen . Es tat ihm wohl , sich mit seiner Mutter in so einem Kreise zu wissen , und er beeilte sich , die seltene Freundlichkeit aller als etwas Selbstverständliches lächelnd zu erwidern . Fröhlich stießen alle auf ein langes , glückliches Zusammenwirken an , nur dem Jos war etwas wunderbar zumute , als unterdessen der Wirt die ledigen Paare auf die Kammer zu dem an diesem Tage wenigstens bei ihm - das wurde besonders stark betont - noch üblichen Nußklopfen einlud . In Stighansens und Dorotheens Gesicht hätte kein Zug sich ändern können , ohne daß es Jos so schnell und wohl viel eher noch als sie selbst bemerkt hätte . Selbst als Hans den Stuhl zurückschob , erschrak Jos nicht , weil er den Entschluß zum Aufstehen noch nicht aus seinem ruhigen Blicke zu lesen vermochte . So hätte er auch die Lippen schwerlich gespitzt , wenn er » Komm , Dorothee ! « sagen wollte ; damit beruhigte sich Jos , und er hatte recht . Hans blieb sitzen und fragte den Wirt , ob denn bloß auf der Kammer droben Ostermontag sei . » Das gerade nicht ! « » Gut , so bring du deine Herrlichkeiten nur her ; auch hier ist alles lustig und ledig ; oder wenn Verheiratete da sind , so mißgönnt ihnen das Mithalten um Gottes Willen nicht ! Ich wüßte nicht , warum die Ledigen auch noch den Vorteil des Nußklopfens vor den Bedauernswerten haben sollten . « » Das ist wieder einmal vernünftig geredet « , rief ein nirgends in der Stube Sichtbarer dem Stighans zu . Jos wäre fast im Zweifel gewesen , ob dieser Beifallsruf etwa ihm selbst entronnen