dürfte . Ich wünsche nur , bei Malte käme die ratio nächstens mehr zum Durchbruch , denn bis jetzt ist er wahrlich eine höchst irrationelle kleine Größe . Sie sollten Ursache haben , mit dem jungen Baron unzufrieden zu sein ? sagte der Pastor im Tone Jemandes , der etwas ganz Unerhörtes , Unglaubliches vernommen hat . Ach , verstehe , verstehe ! Freilich , der junge Bruno ist vielleicht in mancher Hinsicht die begabtere Natur , obgleich er , wie ich in dem Confirmandenunterricht , welchen ich den Junkern zu ertheilen die Ehre hatte , wohl bemerkte , für die Wahrheiten der christlichen Religion nicht eben sehr zugänglich ist ; indessen non omnes possunt omnia - omnia , wiederholte der Pfarrer , der nicht wußte , wie er fortfahren sollte . Ja , was ich sagen wollte , dafür ist aber auch Malte wieder der Erbe eines so großen Vermögens ! Um so mehr scheint es mir wünschenswerth , daß er dereinst ein ganzer Mann wird . Ist denn übrigens das Grenwitz ' sche Vermögen wirklich so bedeutend ? Ei , mein lieber Freund , rief der Pastor im Tone sanften Vorwurfs , daß Oswald eine so beklagenswerthe Unwissenheit in Betreff so hochwichtiger Dinge an den Tag legen konnte ; ob es bedeutend ist ! Da sind in dieser Nachbarschaft allein fünf , nein - mit Stantow und Bärwalde , die allerdings nicht zum Majorat gehören , sind es eben sieben Güter . Und in den andern Theilen der Insel - lassen Sie mich sehen - liegen noch ein , zwei , drei Güter . Das ist ein Kapital von mindestens anderthalb Millionen . Anderthalb Millionen ! wiederholte er , als könne sich sein Geist von einer so erhabenen Vorstellung nicht gleich wieder losmachen . Und das Vermögen ist ein Majorat ? Ei gewiß ! Mit Ausnahme , wie gesagt , von zwei der schönsten Güter , welche dem verstorbenen Baron , dem Vetter des jetzigen , durch Erbschaft von der Mutter Seite zufielen und in dem Testamente auf eine gar besondere Weise verclausulirt sind . Denken Sie sich nur , lieber Freund , daß der verstorbene Baron , der , ganz unter uns gesagt , eine überaus wüste , unbändige Natur war , diese Güter dem Sohne einer seiner Maitreffen vermacht hat . Aber Sie rechneten doch vorhin die beiden Güter mit zu dem Vermögen der Familie , sagte Oswald . Nun , unter uns kann man es immerhin , sagte der Pfarrer , Oswald näher rückend , in leiserem Ton . Denn kein Mensch weiß , wo dieser Knabe lebt , ja , ob er überhaupt lebt , ja nicht einmal , ob es wirklich ein Knabe oder ein Mädchen ist . Das ist ja eine curiose Geschichte , sagte Oswald lachend . Eine äußerst curiose Geschichte , sagte der geistliche Herr ; eine lächerliche Geschichte , wenn Sie wollen . Denken Sie nur : der Baron Harald - sie haben Alle sonderbare Namen in der Familie - jener unbändige Mann , der zur Zeit der heiligen Vehme hätte leben müssen , entbrennt in heißer Liebe zu einem armen Bürgermädchen - ein Fall , der in seinem Leben freilich oft vorgekommen sein mag , aber niemals solche üblen Folgen hatte . Er entführt sie , halb mit Gewalt , hierher auf sein Schloß . Nach einem halben Jahre entflieht sie bei Nacht und Nebel . Ob sie ihre Schande auf dem Grunde eines unserer tiefen Moore verborgen hat , ob sie wirklich nur entflohen ist , Niemand weiß es . Der Baron ist außer sich , rasend . Er durchsucht vergebens die ganze Insel . Um seinen Gram und seine Gewissensbisse zu betäuben , trinkt und spielt und lebt er noch wilder wie gewöhnlich , so daß er denn ein paar Wochen später im Delirium stirbt . Als man das Testament eröffnet , findet man nun , daß er in einer Anwandlung von Reue , oder aus Caprice , wie Sie wollen , dem Kinde jener seiner Geliebten , gleichviel ob Knabe oder Mädchen , falls es nur bis zu dem und dem bestimmten Datum geboren ist , die beiden herrlichen Güter , der Dirne selbst aber den Nießbrauch des Vermögens auf Lebenszeit vermacht hatte . Wie finden Sie das ? Jedenfalls eignet sich die Geschichte mehr zu einer Tragödie als zu einer Komödie , sagte Oswald . Und hat man nie eine Spur von Mutter und Kind entdeckt ? Nie ! obgleich testamentarisch - es ist wahrhaftig ein wahrer Skandal , und ich bedaure die gnädige Baronin von ganzem Herzen - alljährlich die Verschollene in sämmtlichen Blättern der Provinz aufgefordert wird , ihre Ansprüche geltend zu machen . Wie lange spielt die Geschichte nun ? So ein zwanzig Jahre und darüber . Da ist doch wohl kaum denkbar , daß die Arme noch am Leben ist . Es denkt auch Niemand mehr daran , sagte der Pastor . Grenwitzen ' s würden auch nicht wenig verwundert sein , wenn plötzlich so ein junger Landstreicher sich als ergebenster Neffe vorstellte und die beiden Güter und die Zinsen seit zwanzig Jahren für sich beanspruchte , um so mehr , als die gnädige Baronin , die von Hause aus - ganz unter uns gesagt - keinen rothen Pfennig Vermögen hat , nach dem Tode des Barons , da die Grenwitz ' schen Besitzungen , Gott sei Dank , Majorat sind , sammt ihrer Tochter so arm sein würde , als sie vor ihrer Vermählung war . Sie sind ein großer Freund der Majorate ? Ei gewiß ! Ich halte es für ein Glück , daß so bedeutende Vermögen nicht durch Erbtheilung zersplittert werden können , und so eine Aristokratie reicher Grundbesitzer möglich wird , die gleichsam ein Ballast sein kann für das Staatsschiff in Zeiten der Gefahr , die Gott noch lange abwenden möge von unserm theuern Vaterlande . Nun , sagte Oswald , das Ding hat , wie alle andern , seine zwei Seiten . Wer wollte sich