sein , wie Ihr sagtet : der Dichter soll ohne Fesseln bleiben , und um sich ganz seinem Volke hinzugeben , muß er auf die Hingabe an ein einzelnes Wesen verzichten ! In Euren Werken werdet Ihr für mich fortleben , und was auch noch geschehen mag : nie kann mir das stolze Bewußtsein geraubt werden , daß ich die Muse war , die Euch zu Euren edelsten Dichtungen begeisterte ! « » Und ewig werdet Ihr es bleiben ! « rief er ; » ich will ringen den Lorbeer zu verdienen , den Ihr mir reichtet . « Ein letztes Umarmen - dann trieb sie ihn fort . Aber als er hinaus war , brach ihre gewaltsam bewahrte Kraft zusammen und bis zur Ohnmacht weinend lag sie auf dem Sammetpolster . Fünftes Capitel Eine Zusammenkunft An einem Juliabend , dessen Hitze ein Gewitter ahnen ließ , obwohl nur erst einzelne dunkle Wolken drohend über der Burg und den dahinter sich ausdehnenden Reichsforsten standen , ging Ursula Muffel durch die Straßen der Stadt , um ihre Freundin Elisabeth Scheurl zu besuchen . Als sie » unter der Beste « an Meister Wohlgemuth ' s Werkstatt vorüber kam , sah sie an der Thür desselben einen Mohren in goldgestickter Dienerkleidung stehen . Sie fuhr unwillkürlich zusammen , erröthete und fühlte ihre Schritte gehemmt , als versagten ihr plötzlich die kleinen Füße den Dienst , die doch vorher so hüpfend weitergeschritten . Sie kannte diesen Mohren : nur ein Nürnberger Patrizier hatte einen solchen im dienst . Herr Hans von Tucher hatte ihn von seiner Reise aus dem Morgenlande mitgebracht und er war der Diener seines Sohnes Stephan , der es immer liebte , durch irgend eine Seltsamkeit sich vor den andern Geschlechtern hervorzuthun . Ursula schielte durch die Fenster der Werkstatt . Da saß Albrecht Dürer und malte emsig , aber er warf einen Blick empor , der auch hinaus auf die Straße und auf Ursula traf ; sie lächelte ihm zu , aber er wagte nicht lange aufzusehen , weil schon ein neben ihm farbenreibender Gesell ihn hämisch anrief : » Was hast Du wieder auf die Straße zu stieren und auf schöne Frauenzimmer Augen zu machen , die Dich nur auslachen , Du Maulaffe ! « Albrecht antwortete : » Wenn eine edle Dame , die bei uns arbeiten läßt , hereinsieht , so ist es doch nicht meine Schuld . « » Nun , nach Dir wird sie nicht gesehen haben , « versetzte der Geselle , und hätte gern noch rohe Späße an seine Bemerkung geknüpft , wenn nicht Meister Wohlgemuth mit einem Herrn aus dem Nebengemache getreten wäre . Indeß war Ursula langsam vorüber gegangen und trat in Scheurl ' s prächtiges Gebäude . Aber so schnell , als sie konnte , eilte sie die Stiegen hinauf . Elisabeth empfing sie mit der ihr eigenen Würde , doch mit herzlichen Freudenbezeugungen über ihr Kommen . Aber Ursula war in ungewöhnlicher Aufregung . Sie zog die Freundin in das Chörlein , von dem aus man die ganze Straße auf und ab und auch bis zu Meister Wohlgemuth ' s Werkstatt sehen konnte , riß das Fenster auf und sagte dann Elisabeth ' s Hand erfassend : » Verzeiht ' mir - ich kam ohnehin Dir Alles zu sagen , an Deinem Herzen mich auszuweinen - aber sage mir , sah ' st Du ihn ? « » Wen denn ? « fragte Elisabeth verwundert . » Stephan Tucher , « flüsterte Ursula leise und immer mehr erglühend ; » dort steht sein Mohr . « » Gesehen hab ' ich ihn nicht , « antwortete Elisabeth , » aber mein Gemahl sagte mir , er sei seit gestern wieder zurück von Augsburg und Füssen , wohin ihn sein Vater in dringenden Handelsgeschäften geschickt hatte . « Ursula verwandte keinen Blick von der Straße . » Dort steht sein Mohr , « sagte sie noch einmal , » ob er wohl auf ihn wartet ? « » Ich war jetzt nicht am Fenster , ehe Du kamst , « antwortete Elisabeth . In diesem Augenblick aber trat Stephan Tucher wirklich aus Wohlgemuth ' s Werkstatt , grüßte den ihn zur Thür geleitenden Meister und sprach dann heftig mit dem Mohren , der mit lebhaften Gesten antwortend auf Scheurl ' s Haus deutete . Seine Blicke auf das Chörlein gerichtet kam jetzt Stephan an ihm vorüber . Da nahm Ursula einen Rosenstrauß , den sie zwischen einer abstehenden gestickten Krause an ihrer Brust trug , und warf ihn hinab auf die Straße , daß er vor Stephan ' s Füße fiel . Er hob ihn auf , aber sah die Geberin nicht mehr , die das Fenster zuwerfend mit einem Strom lang verhaltener Thränen in Elisabeth ' s Arme fiel . » Wie lange man auch sich und seinen Schmerz und seine Leidenschaft bezwingen mag , « sagte Ursula , » einmal kommt der Augenblick , da es nicht mehr möglich . « Elisabeth seufzte tief - sie hatte das nur zu sehr an sich erfahren . Aber Ursula meinte bei der kalten Freundin , die nur aus Gehorsam gegen ihre Familie oder aus Stolz auf das Geschlecht einen älteren Mann , der kein Gegenstand einer Herzenswahl war , gefreit haben konnte , einer Entschuldigung zu bedürfen und sagte : » Du in Deiner erhabenen Klarheit der Seele weißt freilich Nichts von diesen Kämpfen - aber Du kannst Alles verstehen , was groß und schön ist - gewiß auch meine Liebe ! « Jenes Lächeln , das aus Schmerz und Hohn sich mischte und das so oft Elisabeth ' s schönen Zügen eine dämonische Beimischung gab , zog auch jetzt darüber hin ; das vermochte sie nicht zu unterdrücken , wenn sie auch sonst jedes ihrer Gefühle in Schranken hielt , die sie nur in jener Abschiedsstunde von Konrad Celtes überschritten . Sie wußte , was sie dem Gatten schuldig war , dem sie mit freier Selbstbestimmung ihre Hand