sie dankbar dafür war , wenn sie wirklich weinen konnte . War es nun den Menschen zu verargen , daß sie sie für eine unheimliche Erscheinung hielten und zumal da sie noch dazu ein Geheimniß gegen sie auf den Lippen hatten ? Auch auf Amrei ging ein Theil dieser Gemiedenheit über , und in manchen Häusern , wo sie sich helfend oder mittheilend auf Besuch einstellte , ließ man sie nicht undeutlich merken , daß man ihre Anwesenheit nicht wünsche , zumal da sie schon jetzt eine Seltsamkeit zeigte , die Allen im Dorf wunderbar vorkam . Sie ging mit Ausnahme des höchsten Winters stets barfuß und man sagte , sie müsse ein Geheimmittel haben , daß sie nicht krank werde und sterbe . Nur in des Rodelbauern Haus wurde sie noch gern geduldet ; war ja der Rodelbauer ihr Vormund . Aber die Rodelbäuerin , die sich ihrer immer angenommen und ihr versprochen hatte , sie einst zu sich zu nehmen , wenn sie erwachsen sei , konnte diesen Plan nicht ausführen . Sie selber wurde von einem Andern angenommen ; der Tod nahm sie zu sich . Während sonst erst im späteren Leben sich die Schwere des Daseins aufthut , wie da und dort ein Anhang abfällt und nur noch ein Gedanken daran verbleibt , erfuhr dies Amrei schon in der Jugendfrühe und heftiger als alle Angehörigen weinten die schwarze Marann ' und Amrei bei dem Begräbniß der Rodelbäuerin . Der Rodelbauer klagte immer fast nur , wie herb es sei , daß er jetzt schon das Gut abgeben müsse . Und noch war keines seiner drei Kinder verheirathet . Aber kaum war ein Jahr vorüber - der Dami arbeitete schon den zweiten Frühling im Steinbruch - als eine Doppelhochzeit im Dorfe gefeiert wurde ; denn der Rodelbauer verheirathete seine älteste Tochter und zugleich seinen einzigen Sohn dem er am Hochzeitstage das Gut übergab ; da wurde Amrei eben auf dieser Doppelhochzeit neu benamt und in ein anderes Leben übergeführt . Auf dem Vorplatz des großen Tanzbodens waren die Kinder versammelt und während die Erwachsenen drin tanzten und jauchzten , ahmten die Kinder hier das Gleiche nach . Aber seltsam ! mit Amrei wollte kein Knabe und kein Mädchen tanzen , und man wußte nicht , wer es zuerst gesagt , aber man hatte es gehört , daß eine Stimme rief : » Mit dir tanzt Keiner , du bist ja das Barfüßele « und : » Barfüßele ! Barfüßele ! Barfüßele ! « schrie es nun von allen Seiten . Amrei stand das Weinen in den Augen , aber hier übte sie schnell wieder jene Kraft , mit der sie Spott und Kränkung bezwang ; sie drückte die Thränen hinab , faßte hüben und drüben ihre Schürze , tanzte mit sich allein herum und so zierlich , so biegsam , daß alle Kinder inne hielten . Und bald nickten die Erwachsenen unter der Thür einander zu , und ein Kreis von Männern und Frauen bildete sich um Amrei und besonders der Rodelbauer , der sich an diesem Tage doppelt gütlich gethan , schnalzte mit den Händen und pfiff lustig den Walzer , den die Musik drin aufspielte , und Amrei tanzte unaufhörlich fort und schien gar keine Müdigkeit zu kennen . Als endlich die Musik verstummte , faßte der Rodelbauer Amrei an der Hand und fragte : » Du Blitzmädle , wer hat dich denn das so schön gelehrt ? « » Niemand . « » Warum tanzest du denn mit Niemand ? « » Es ist besser man thut ' s allein , da braucht man auf Niemand zu warten und hat seinen Tänzer immer bei sich . « » Hast schon was von der Hochzeit bekommen ? « fragte der Rodelbauer wohlgefällig schmunzelnd . » Nein . « » Komm herein und iß , « sagte der stolze Bauer und führte das arme Kind hinein und setzte es an den Hochzeitstisch , auf den immerfort den ganzen Tag aufgetragen wurde . Amrei aß nicht viel und der Rodelbauer wollte sich den Spaß bereiten , das Kind trunken zu machen , es erwiderte aber keck : » Wenn ich noch mehr trinke , kann ich nicht mehr allein gehen und die Marann ' sagt : allein ist das beste Fuhrwerk , da ist immer eingespannt . « Alles staunte über die Weisheit des Kindes . Der junge Rodelbauer kam mit seiner Frau und fragte das Kind neckisch : » Hast du uns auch ein Hochzeitgeschenk gebracht ? Wenn man so ißt , muß man auch ein Hochzeitgeschenk bringen . « Der Hochzeitsvater steckte in unbegreiflicher Großmuth dem Kinde bei dieser Frage heimlich einen Sechsbätzner zu . Amrei aber behielt den Sechsbätzner fest in der Hand , nickte gegen den Alten und sagte dann dem jungen Paare : » Ich hab ' das Wort und ein Drangeld . Eure Mutter selig hat mir immer versprochen , daß ich bei ihr dienen und niemand Anders als ich Kindsmagd bei ihrem ersten Enkelchen sein soll . « » Ja , das hat die Bäuerin selig immer gewollt , « sagte der Alte und redete zu . Was er aus Furcht , daß er die Waise dann versorgen müsse , seiner Frau ihr Lebenlang versagt hatte , das that er jetzt , wo er ihr keine Freude mehr damit machen konnte , und gab sich vor den Leuten den Anschein , als ob er ' s zu ihrem Gedenken thue . Aber er that ' s auch jetzt noch nicht aus Güte , sondern in der richtigen Berechnung , daß die Waise ihm , dem entthronten Bauer , der ihr Pfleger war , dienstgefällig sein werde , und die Last ihrer Versorgung , die die bloße Ablohnung überstieg , fiel Anderen zu , nicht ihm selber . Die jungen Brautleute sahen einander an , und der junge Rodelbauer sagte : » Bring ' morgen dein Bündel in unser Haus . Du kannst bei uns einstehen . « » Gut ,