Erbsünde , denn Du bist die Schlange , Du bist der Satan in seiner verführerischsten Gestalt , und wohl dem reinen Jünglinge , daß er sich Deiner teuflischen Arglist entzog . Dir wäre besser , Dein gleißend Antlitz überzöge sich mit Aussatz und Deine Seele würde rein von Schuld und Sünde ! « Ich richtete mich majestätisch empor . Eine Thräne prächtigen Zornes trat in die schöne Iris meines Auges . O ! grade in dem Herzen dieses unentweihten reinen Jünglings hatte ich die ewig glühende Liebe , jenes Naphtha des Lebens zu finden gehofft , von dem ich mich zu ernähren strebte . Ich begriff , daß die durch tausend Leidenschaften usirten Männer der beau monde mir jenes heilige , primitive , indestructible Feuer nicht entgegenbringen konnten , von dem ich allein noch Rettung aus meiner Blasirtheit erwartete . Es verdroß mich , daß dieser junge Mönch mich , die göttliche Diogena , verschmäht hatte ; mein Zorn wendete sich gegen den alten Pater , der , dies fühlte ich , mehr oder weniger zu jener mir verhaßten Abnegation Benoit ' s beigetragen haben mußte . Ich wollte dem Pater zeigen , wie wenig Einfluß er auf mich habe , und während er sich zu einer foudroyanten Rede vorbereitete und diese anfing , schellte ich Rosalinden und befahl ihr mit prächtiger Impertinenz , dem Pater einen Fauteuil in meinem Boudoir neben meiner Toilette zurecht zu setzen , da ich heute Abend meine Antrittsvisiten zu machen gedächte und mich sogleich coeffiren lassen müsse . « Der Pater sah mich bewildert an . Dergleichen mochte ihm noch nicht vorgekommen sein . Er sagte keine Sylbe , sondern entfernte sich , über mir das Zeichen des Kreuzes machend . Die Erinnerung an meine Pönitenzversuche , an Benoit , hatten Etwas , das mir penibel war und das ich zu verscheuchen trachten mußte . Die Gesellschaft ersehnte mich so lange , daß ich mich ihr wirklich schuldig war . Ich machte noch denselben Abend meine erste Visitentournée und nach wenig Tagen war ich auch hier der Mittelpunkt des geselligen Treibens . Paris war wie in einem Zaubertraum . Meine Anwesenheit inspirirte die Poeten und Musiker , die Dichter benutzten die interessanten Episoden aus meinem Leben , welche allmälig public geworden waren . Die Fabrikanten nannten ihre neuesten Producte à la belle Comtesse oder à la Diogène , und unter den jungen Cavalieren war eine vollkommene Concurrenz um den Besitz meiner Gunst eingetreten . Ich wanderte , geschmückt mit allen Colifichets des raffinirtesten Luxus unter diesem Treiben einher , so kalt , so nichtachtend , wie die himmlischen Gestirne über die Erde schreiten . Oftmals versuchte ich die Wünschelruthe auszuwerfen , wenn aus den Herzen der Männer das Liebesmeer unter dem Strahl meiner Augen zu mächtiger Fluth emporschäumte , aber während ich alle Herzen entzündete , blieb das meine kalt . Ich sagte mir selbst , dein Herz , wenn du eines hast , ist ein Diamant , blendend , strahlenwerfend , hart , von Allen begehrt und kalt - aber auch der Diamant verbrennt , wenn nur das rechte , intensive Feuer ihn ergreift ; dies Feuer muß existiren auch für mein Herz , und wenn es einst brennt , dann sind all meine Skrupel auf einmal gelöst , dann weiß ich , daß ich ein Herz habe und dann habe ich den Rechten gefunden . Diese Gedanken brachten mich auf die Gesetze der Schöpfung , auf Naturwissenschaften , Chemie und Anatomie . Die oberflächliche Conversation der Salons war mir insupportable geworden , ich wurde fast nervös , wenn die jungen Männer wieder mit den sich ewig gleichbleibenden banalen Liebesphrasen mir das matte Glühen ihrer usirten Herzen andeuteten , ich hatte keine Freude , keine Zerstreuung mehr von ihnen zu erwarten und ich war doch noch so jung , ich war Gräfin und schön , das heißt , zum Glück berechtigt . Um mich zu desennuyiren , fing ich an , mich in die Wissenschaften zu werfen . Ich besuchte einen Cursus um den andern ; der Fürst , der sich dabei noch mehr als gewöhnlich langweilte , begleitete mich überall . Ich ließ meine Zelle in ein Laboratorium verwandeln , ich verdampfte Quecksilber , experimentirte mit Jod , und hatte es bald zu einer Erkenntniß in den tiefsten Tiefen der Wissenschaft gebracht , die Berzelius und Faraday , denen ich in elegantem Salonjargon die tiefsinnigsten Briefe schrieb , in Entzücken versetzten . Da brachte mir eines Tages , als ich ermüdet von einer anstrengenden , mehrtägigen Beobachtung , erschöpft auf meine Chaise longue gesunken , der junge Professor , welcher mir bei meinen Studien behilflich war , einen seiner Freunde mit , um ihn mir zu präsentiren . Ich hatte mir ein Costume arrangirt , das vortrefflich für meine dermaligen Zwecke paßte . Ich trug eine Robe montante von graubraunem Wollenstoffe , oben mit einer schwarzen Spitze geziert , die nur mit einer Cordelière um die Taille befestigt war . Lose Aermel ließen sich während der Arbeit leicht zurückschlagen und zeigten meine superben Arme mit schwarzen Steinkohlen-Braceletts geschmückt . Um den Kohlenstaub für meine goldenen Locken zu vermeiden , hatte ich mir ein kleines schwarzes Käppchen von Velours anfertigen lassen , das in der Form den mittelaltrigen Coeffuren gleichkam . Schwarze Stiefelchen chaussirten meine Füßchen vortrefflich ; das Ganze war eben so graziös einfach als distinguirt . Als die beiden jungen Männer bei mir eintraten , fanden sie mich mit dem neuesten Werke über den Elektro-Magnetismus beschäftigt . Es war von der belebenden Wirkung desselben auf die Nerven die Rede . Ich hatte lange darüber nachgedacht und mochte Etwas zerstreut sein , als mir der Professor seinen Freund nannte . Der Diener präsentirte den Männern die Fauteuils und es entstand eine wunderliche Pause , weil ich in Meditationen , der neue Gast in den Anblick meiner Schönheit versunken war . Endlich raffte ich mich empor und sagte : » Verzeihen Sie , mein Herr , wenn ich Sie bitte , mir noch