gedacht habe , welche ihm die Treue gebrochen ? - Amalie fühlte , daß das , was ihr ihre heiligsten Gefühle geboten hatten - ohne daß sie selbst es geahnt , sie zu einer Lächerlichkeit geführt hatte - und man weiß , wie eher ein Unrecht Vergebung findet , als eine Lächerlichkeit ; darum konnte Amalie jetzt um dieser willen am Meisten mit sich zerfallen . Von einer zu bereuenden That sich wieder zu erheben , würde sie Kraft gefunden haben - aber von einer Handlung , welche sie nicht als eine unbesonnen Fehlende , sondern als eine eitle Thörin erscheinen ließ , vermogte sie nicht , ihre niedergeworfenen Gefühle wieder aufzurichten . - Sie fühlte das Alles schon in dieser ersten Minute der bittern Enttäuschung , und wie um ihrem Groll nur in Etwas Luft zu geben , öffnete sie hastig eine Commode , nahm aus derselben ein kleines verschlossenes Kästchen , öffnete auch dieses , welches Briefe und verwelkte Blumen enthielt . Es waren Liebespfänder von Jaromir . Sie nahm sie heraus , öffnete die kleine Thüre des Ofens und warf die Blumen da hinein . Auch die Briefe wollte sie folgen lassen . Plötzlich aber zog sie die Hand wieder zurück , that die Briefe wieder in das Kästchen , und murmelte für sich : » Liebespfänder können ja auch zu Rachepfändern werden - ich werde sie sorgfältig bewahren , wie sonst . « VI. Trennungen » Und ich sah ' s , und habe sinnend An das Einst und Jetzt gedacht : An ein Leben , das beginnend , Und ein Leben , das vollbracht . - « Eduard Mautner . Elisabeth und Pauline waren die Wohlthäterinnen des kleinen Mädchens geworden , welches bei jener Gartenscene , wo es nach Mamsell Paulinchen gefragt hatte , so arg von den Pensionärinnen verhöhnt worden war . Durch diese mein schaftliche Handlung hatten sich jene Beiden einander sehr genähert , und einander liebgewonnen , indem sie sich gegenseitig , was unter Mädchen so zarten Alters allerdings selten ist , mehr Achtung abnöthigten , als sich gerade Vertrauen zollten . Die arme Christiane , so hieß das Mädchen , welches Paulinens Schützling war und in Thalheims Dienst stand , hatte zuweilen ein Wort über dessen häusliches Unglück fallen lassen , welches Elisabeth auf ' s Schmerzlichste erschütterte . » Ach , « sagte sie dann wohl zu Paulinen , » hast Du es gesehen , um wie viel ernster und bleicher er jetzt geworden ist ? - So tief kann Armuth allein einen solchen großen Menschen nicht beugen , eher , eher kann dies vielleicht - unglückliche Liebe . « » Kennst Du die Macht der Liebe ? « sagte Pauline . » Mir klingt das Wort wie aus einem Mährchenlande , darin es wunderbare Formeln giebt , die man wohl niemals zu lösen vermag , ja , welche vielleicht nicht einmal eine Lösung haben - aber die Macht der Armuth , der bin ich schon hundertfach im Leben begegnet - ich glaube , das ist eine furchtbare Gewalt , welche aus guten Menschen Verbrecher machen kann , aus sanften Charakteren wüthende und erbitterte , eine Macht , welche auch die größten Geister so herabdrücken kann , daß sie ganz und gar von dem Staube , der sie wider ihren Willen herabzieht und seine Rechte fordert , bedeckt und überwältigt werden . « Es war im Garten , wo die beiden Mädchen so allein in einer Laube sprachen - sie bemerkten nicht , wie Thalheim während Paulinens Rede sich ihnen genähert hatte ; noch verbargen ihn grüne Ranken halb - auch hatten die Mädchen ihre Augen auf den Boden geheftet , und sahen Beide sinnend nieder . Elisabeth drückte Paulinens Hand , indem sie sagte : » Vielleicht hast Du Recht - was ich Liebe nenne , muß immer nur erheben können , ja , beseligen , allein durch sich selbst - aber die Armuth muß niederdrücken , ja vielleicht gar vernichten . « » Aber es ist auch ein Segen darin für die Andern , « begann Pauline . » Siehst Du , wen Liebe unglücklich macht , den muß man es schon sein lassen - aber wer durch Armuth unglücklich ist , dem kann man helfen - darum freue ich mich darauf , wenn ich in das Vaterhaus komme , ich werde dort wohl den Armen , denen mein Vater Arbeit und Brod giebt , noch manche Wohlthat erzeigen können . Wenigstens soll dies mein Streben sein - es wird dort in der friedlichen Einsamkeit mein Glück ausmachen . Die Gefährtinnen hier haben oft gesagt , daß ich mit ihnen Nichts gemein habe , daß ich zu den Niedriggeborenen gehöre - so will ich es beweisen , daß es mein Stolz sein soll , eine Schwester dieser Armen zu sein . « Thalheim hatte mit einem schmerzlichen Lächeln diese naiven Worte eines unschuldigen Kindes angehört , welches es sich so leicht dachte , Elend zu lindern - aber um so mehr rührte ihn diese edle kindliche Gesinnung , und indem er jetzt vortrat , sagte er : » Pauline - versprechen Sie es in die Hand Ihres Lehrers , niemals diesem edlen Vorsatz untreu zu werden - versprechen Sie es mir , wenn nicht die Schwester , doch die Freundin der Armen und Niedriggeborenen zu sein , und niemals die schönen Regungen des Mitgefühls dadurch ersticken zu lassen , weil Sie vielleicht gewaltsam daran gewöhnt werden , das Elend um sich zu sehen , weil Sie vielleicht eines Tages sich sagen werden : was ich thun kann , um die Noth zu verringern , ist nur ein Tropfen , den ich hinwegschöpfe von der Fluth des Unglücks , die Alles überschwemmt - - - - versprechen Sie mir das in dieser Stunde , wo ich Sie vielleicht zum letzten Male sehe ! « » Gewiß , ich verspreche es ! « sagte Pauline gefühlvoll , indem sie ihre Hand in die seinige legte , die er ihr bot