böse Leute ihr Maul nicht hineinhängen , und das ist eine rare Sache . Nun war es anders geworden . Christen und seine Frau gaben sich manches böse Wort und hielten sich unverblümt ihre Fehler vor . Christen hielt seiner Frau ihre Wohltätigkeit vor und wie diese und jene Frau eine ganz andere sei , so und so viel Eier- und Milchgeld hätte sie in einem Jahr ihrem Mann gegeben . Aber da stünden nicht immer Zwei vor der Tür und warteten , bis drei Andere , die drinnen wären , herauskämen , um dann auch hineinzugehen . Mit einer solchen Frau sei es auch eine Freude zu hausen , da hätte man ungsinnet immer mehr ; er aber möge einnehmen , so viel er wolle , so sei in Gottes Namen immer kein Geld da , es sei , wie wenn der Luft darhinter wäre . Die Frau blieb nichts schuldig und sagte , fünftausend Pfund hätte sie doch nicht verliederlichet , und sie könnte manchem armen Menschen wohltun , ehe sie nur den Zins davon gebraucht hätte , und zwischen Spitzbuben und armen Leuten sei doch noch ein Unterschied , und es heiße in der heiligen Schrift nirgends , daß die einen Gottslohn davon hätten , welche Spitzbuben mästeten . Sie könne nichts dafür , daß es nicht mehr Milchgeld gebe , sie kaufe und verkaufe die Kühe nicht und müsse die Milch nehmen , welche man ihr bringe . Und wenn man zu rechter Zeit jede Arbeit verrichten würde , man erhielte auch mehr und besseres Futter . Sie wüßte Männer , welche ds Halb mehr auf dem Hofe machen würden . Wenn sie dann auf ähnliche Weise mit einander gewortet hatten , so konnte sich vielleicht Christen nicht enthalten , vor Knechten und Taunern zu sagen : Es erleide ihm , dabei zu sein , und wenn seine Frau nicht bald aufhöre , ihm die fünftausend Pfund vorzuhalten , so müsse etwas anders gehen . Änneli aber weinte in der Küche vor den Mägden und sagte : Es sei gut , daß ihre Mutter das nicht erlebt hätte ; sie hätte es nicht ausgestanden , und wenn sie es jetzt schon könnte , wie es ihr gehe , sie kehrte sich noch im Grabe um . Daß man so mit ihr umgehe , hätte sie nicht verdient , und was sie gebe , gebe sie eigentlich aus ihrer Sache , und es dünke sie , das sollte niemand viel angehen . Aber sie wollte , sie wäre tot , Christen könnte dann eine von denen nehmen , welche so viel Eier- und Milchgeld machten . Vielleicht machten die es wieder gut , und Christen würde noch manchmal an sein Änni sinnen , welches jetzt in keinen Schuh mehr gut und nichts recht sei , es möge in Gottes Namen machen , was es wolle . Die Worte , welche in die Ohren der Diensten fallen , Die finden nicht unfruchtbares Erdreich , die gehen auf , manchmal tausendfältig , und wenn sie aufgegangen sind , so stehen sie nicht still wie Korn oder Weizen , sondern wandern von Haus zu Haus und samen sich wiederum ab in die Ohren neugieriger Weiber , die , wie gegenwärtig die Stadttore , Tag und Nacht offen stehen . Es ist aber mit Dienstenohren noch eine wunderliche Sache . In gewisser Beziehung würde man ihnen das größte Unrecht antun , wenn man sagte , das wären auch Ohren , die nicht hörten . Denn diese Ohren hören zuweilen auf hundert Schritte , sogar durch verschlossene Türen und solide Wände , und von dem , was sie so hören , vergessen sie nichts ; dann gibts wiederum andere Sachen , welche nicht zu diesen Ohren ein wollen . Es gibt Dinge , man kann sie ihnen hundertmal des Tages sagen , am folgenden Morgen wissen sie nichts mehr davon und sagen sie auch nie wieder . Kuriose Ohren sind Dienstenohren ! Aber nicht nur Diensten redeten , auch Annelisi klagte zuweilen einer Freundin ihr Leid , wie es nicht mehr auszuhalten seie daheim , und es wäre ihr zuletzt recht , den ersten Besten zu heiraten , wenn sie nur daheim wegkäme . Aber sie solle es bei Leib und Sterben niemand sagen . Die Freundin sagte : » Was denkst du doch , und wenn man vier Rosse ansetzte , kein Sterbenswörtchen brächte man aus meinem Munde . « Und kaum war sie heim , so sagte sie : » Mutter , dort drüben gehts strub zu , ds Annelisi hat es mir selbst geklagt , für viel Geld möchte ich nicht im Hause sein . Ja , auf my armi , wenn mich jetzt einer von den Buben schon wollte , sie könnten mir küderlen . « Der Versuch wäre jedoch nicht ratsam gewesen . Christeli konnte sich ebenfalls nicht enthalten , wenn er getrunken hatte , anzügliche Worte fallen zu lassen , und wenn er seine melancholische Laune hatte und sich vernachlässigt glaubte , dann war sein Herz noch offener . Ja auch die Bettler , welche Guttaten empfingen aus Ännelis Händen , schnappten Worte auf und vergaßen fast zu danken für die erhaltene Gabe , aus Eifer und Hast , das aufgeschnappte Wort weiterzutragen . Man findet oft auf wüsten Inseln Gewächse blühen aus fernen Zonen , und es können die Menschen es nicht fassen , wie die Gewächse auf die einsame Insel gekommen , bis irgend ein Gelehrter sich ihrer erbarmet und mit gelehrtem Gesichte ihnen erzählt , wie Blumenstaub fliege in der Luft herum und dieser Blumenstaub sich hänge an eines Vogels Flügel oder Beine . Nun geschehe es oft , daß diese Vögel durch mächtige Winde verschlagen würden weithin über den unermeßlichen Ozean . Dann würden sie müde , und wo sie festen Boden erblickten , ruhten sie . Nun falle der Blumenstaub ihnen von den Füßen , keime , sprosse , und nach wenig Jahren sei auf der wüsten Insel ein blühend Leben