dich auf mich , Marcebille , ich sprenge die Ketten des Tyrannen , ich komme wieder als Hechelkramischer Fürst , und hole dich ab von dem Schlosse deiner Väter zu Schnurrenburg . Der Geist legt mir ein Trostlied auf die Lippen , bewahre es im tiefsten Schrein des Herzens als heiliges Gemütsgeheimnis ; daran wollen wir uns einst wiedererkennen : Einst liebtest du den Nußknacker , Nach dem Nußknacker liebtest du mich ; Nun holet das Schicksal , der Racker , Erst den Nußknacker , dann holt es mich ! Der Nußknacker sank auf den Kehrich , Und mich rauben die wilden Birmanen ; Nußknacker kehrt nicht , aber kehr ' ich , Hol ' ich ab dich vom Schloß deiner Ahnen ! « Die Häscher verhinderten die Fortsetzung dieser Ode , indem sie ihn abführten . Emerentia sank in Ohnmacht . Zwei Juden brachten sie ihren bestürzten Eltern . Drittes Kapitel Weitere Nachrichten von dem alten Baron und seinen Angehörigen Als die Eltern nach einer ziemlich trübseligen Reise mit Emerentien wieder auf dem Schlosse Schnick-Schnack-Schnurr angekommen waren , wollten die feurigen Landjunker ihre unterbrochnen Werbungen erneuern , aber das verstimmte Fräulein wies sie jetzt noch entschiedner zurück , als früherhin . Ihre Gesundheit hatte offenbar durch den Kummer gelitten , die Züge des Gesichtes nahmen oft einen seltsamen Ausdruck an , die Speisen machten ihr Widerwillen , sie befand sich hin und wieder sehr übel . Der alte Baron ließ einen Arzt kommen ; der Arzt sprach mit dem Fräulein unter vier Augen , kam mit einem länglichten Gesichte aus dem Zimmer und sagte zu den Eltern : » Die Luft von Nizza ist ihr zu nahrhaft gewesen , das ist eine Luft für Schwindsüchtige , aber nicht für Vollblütige , es entstand eine Überfüllung von Säften in ihr , sie muß in eine zehrende Luft , in ein anderes Bad , da kommt alles wieder in das Gleichgewicht . Auch allein muß sie reisen , damit sie Trübsal hat und Sehnsucht , dann zehrt sie um so eher ab . « Die Eltern glaubten dem guten verständigen Arzte , und ließen Emerentien in ein anderes Bad , worin eine zehrende und abmagernde Luft wehte , reisen , ganz allein ließen sie sie reisen , weil der Arzt es so haben wollte . Die Kur mußte sehr gründlich und nachhaltig vorgenommen werden , wenn sie anschlagen sollte ; das Fräulein blieb deshalb viele Monate lang im Bade . Dann kam sie zurück , gesünder und wohler , als sie je zuvor gewesen war . Auch ihre Stimmung hatte sich ganz wieder erheitert ; sie lebte in dem festen Vertrauen , daß Signor Rucciopuccio als glücklicher Prätendent von Hechelkram eines Tages ankommen werde , sie aus dem Schlosse abzuholen . Die Mutter sagte : » Wenn das ist , so steht alles wohl , dann hast du in Nizza nur deine Bestimmung erfüllt . « Viele Jahre verflossen seitdem . Der alte Baron war nun wirklich ein alter Baron , Fräulein Emerentia eine alte Jungfer geworden , die alte Baronesse aber inzwischen an einem erblichen Familienübel des Zweiges Schnuck-Muckelig-Pumpel gestorben . Die Jahre hatten das Alter gemehrt und die Gelder gemindert , woraus sich aber der Baron wenig machte . Sagte ihm sein Rentmeister : » Herr Baron , die Pächte und die Zinsen reichen nicht zu « , so war die Erwiderung : » Tut nichts , wenn alles aufgezehrt ist , gehe ich in das höchste Kollegium , und lebe von meiner Besoldung ; ich bin geborner Geheimer Rat . Geld muß ich haben , also verkauft nur einige liegende Gründe , lieber Rentmeister . « Der Rentmeister achtete sich nach diesen Worten , und verzettelte nach und nach alle liegenden Gründe , die zum Schlosse gehörten , Felder , Wiesen , Triften , Holzungen . Als er das letzte Stück losgeschlagen hatte , trat er wieder zu dem alten Baron in das Zimmer und sagte : » Ew . Gnaden , mit den liegenden Gründen wären wir nun fertig ; ich begehre meinen Abschied , denn wo keine Renten sind , da ist kein Rentmeister mehr vonnöten . « » Sehr wahr ! « versetzte der alte Baron , » so wahr , als wie , daß zweimal zwei vier tun ; ich will Euch ein Attest schreiben über wohlgeführte Administration ; was mich betrifft , so gehe ich jetzt in das höchste Kollegium und werde Geheimer Rat . « Ach ! aber als er nach dem höchsten Kollegio fragte , so war ein solches nicht mehr vorhanden , und als er nach den Fürsten von Hechelkram fragte , so sagte man ihm , die hätten längst aufgehört zu regieren , und als er sich bei dem Reichstage erkundigen wollte , wie er seine wohlhergebrachten Ansprüche durchzusetzen habe , so hörte er , das Deutsche Reich wäre schon vor soundso vielen Jahren einmal unversehens dem Kaiser unter den Händen weggekommen . » Sonderbar ! « rief der alte Baron , » wie ist das nur zugegangen ? « Er versank in tiefes Nachdenken , und dachte mehrere Jahre lang darüber nach , wie nur das Deutsche Reich habe wegkommen , der Hechelkramische Fürstenstamm aufhören können , zu regieren , und wie es möglich sein sollte , daß er nicht mehr geborner Geheimer Rat im höchsten Kollegio sei ? Für die beiden ersten Probleme fand er zuletzt noch eine Lösung , aber das letzte , das Geheimeratsproblem blieb ihm unlösbar , und deshalb kam er endlich auf den Gedanken , die gegenwärtigen Verhältnisse seien nur ein kurzer Übergang , die alte , gute Zeit stehe schon wieder vor der Türe , und werde bald anklopfen . Mit diesem Gedanken erhielt er seine ganze Heiterkeit zurück . Er nahm sich vor , in der daraus entspringenden Überzeugung zu leben und zu sterben . Inzwischen waren die Brillanten , Perlen , Roben und Spitzen der seligen gnädigen Frau vertrödelt worden , dann wurde das eiserne Gitterwerk von der Pforte abgebrochen