nach und nach bedrängten , erst seine entbehrlichen Besitzthümer , und nach und nach alle zu verkaufen , so daß er eigentlich sich schon in großer Armuth befand , als der Graf ihn aus seinen Diensten entließ . In seiner früheren , glücklicheren Zeit war er von Allen , die ihn kannten , mit einer gewissen Achtung behandelt worden , und eben auch dem Pfarrer war er nicht immer ein unwillkommener Besuch gewesen , sondern dieser hatte ihn früher oft freundlich an der Thüre seines Hauses bewillkommnet ; schon seit langer Zeit aber war dieß Verhältniß zwischen beiden aufgehoben , und der Geistliche nickte dießmal nur nachläßig mit dem Kopfe in Erwiederung der tiefen Verbeugung , mit der ihn der ehemalige Kastellan begrüßte , als er endlich das Zimmer betrat . Wir haben uns lange nicht gesehen , sagte der Pfarrer nach einem kurzen Schweigen , um das Gespräch zu eröffnen ; wie geht ' s , seitdem Sie das Schloß verlassen haben ? Lorenz richtete die rothen Augen heuchlerisch gen Himmel , stützte sich mit beiden , gefalteten Händen auf seinen knotigen Stab und sagte , indem er aus tiefer Brust seufzte : Ach Gott ! Herr Pfarrer , wie kann es einem alten , verlassenen Manne gehen ? Kinderlos , freundlos , verstoßen von dem Herren , dem ich so viele Jahre gedient habe , wie seinem Vater vor ihm , nun , Gott sei es überlassen , ich klage Niemand an , aber ich wurde verstoßen , und Ausländer , Franzosen , Landesfeinde , die nehmen den Platz ein , der einem alten treuen Diener gebührte ; nun , ich will nicht klagen , Gott mag richten , ihm sei es überlassen . Der Graf aber , erwiederte der Pfarrer , sagt , Sie selbst haben das Schloß verlassen wollen , also sind Sie gegangen , und Niemand hat Sie vertrieben . Ja , ja , der Graf sagt so , fuhr Lorenz seufzend fort , aber wie ich behandelt wurde , welches Mißtrauen man mir zeigte , mir , dem alten redlichen Diener , das sagt der Herr Graf wohl nicht . Ja , ja ! arme Leute müssen schweigen und großer Herren Unrecht leiden , das ist der Lauf der Welt , Herr Pfarrer , und ich will nicht darüber murren . Aber mein guter seliger Herr hätte mir das nicht gethan , sezte er weinend hinzu , mit meinem seligen Herren wurde alle meine Freude in dieser Welt begraben . Sie haben aber doch noch manche gute Stunde erlebt , sagte der Pfarrer , nach dem Ihr seliger Herr lange begraben war . Was will das sagen , seufzte Lorenz , indem er ein schelmisches Lächeln kaum unterdrücken konnte ; was ist alle irdische Lust , die man mit traurigem Herzen genießt ? Und was ist die Erinnerung an vergangene , bessere Tage , wenn man mit Alter und Armuth kämpfen muß ? Aber der Graf , sagte der Pfarrer , hat Ihnen ja Ihre Pension gelassen und , wie ich gehört habe , sogar noch zugelegt . Alles wahr , Herr Pfarrer , klagte Lorenz , aber was braucht ein alter schwacher Mann nicht Alles ? Sie könnten als ein einzelner Mann recht gut leben , sagte der Pfarrer verweisend , wenn Sie nicht immer in den Schenken säßen , wenn Trunk und Spiel Ihnen nicht so viel kosteten . Lieber , lieber Gott ! jammerte Lorenz mit Thränen , wie sind deine Menschen doch so hart . Richtet nicht , Herr Pfarrer , so werdet ihr nicht gerichtet . Wenn ein alter Mann unter Gottes Himmel einsam wandelt , und ruht sich nach der Ermüdung aus und labt sich in seiner Ermattung durch einen Trunk , so schilt ihn die Welt einen Säufer ; wenn ein trauriger Mensch seinen Kummer zerstreuen will , und greift in der Angst seiner Seele nach den bunten Blättern oder nach den Würfeln , so nennt Ihr ihn sündlich einen Spieler . Es läßt sich wenig Gutes mehr von Ihnen hoffen , sagte der Pfarrer ungeduldig , Sie sind ein rechter Heuchler geworden . Ich ergebe mich in den Willen Gottes , sagte Lorenz , ohne sich aus seinem angenommenen Charakter herausschelten zu lassen . Ihm gefällt es , daß ein alter Mann geschmäht und gescholten werden soll von denen , auf deren Beistand er hoffte . Ich dachte Ihr Herz milder zu finden , Herr Pfarrer , sezte er mit einem Tone hinzu , in dem ein sanfter Vorwurf liegen sollte . Ich klagte Ihnen meine Noth , und Ihr Brief ließ mich hoffen , daß Sie genigt wären , sie zu lindern . Es ist gegen meine Grundsätze , sagte der Pfarrer , Geld zu solchen Zwecken auszuleihen , wozu Sie es verwenden würden , wenn ich auch eine Summe übrig hätte . Des Herren Wille geschehe , sagte Lorenz ; aber wozu , fügte er verdrüßlich hinzu , ließen Sie mich denn dann den weiten Weg machen ? Um mir eine abschlägige Antwort zu holen ? Hätten Sie mir die nicht schriftlich geben können , ohne mir die Zeit zu rauben , in der ich mich nach andern Mitteln hätte umsehn können ? Welche Mittel haben Sie denn ? fragte der Pfarrer mit scheinbarer Theilnahme , um sich aus der Noth zu helfen . Ich weiß es nicht , sagte der alte Heuchler , Gott wird mir Wege zeigen ; vielleicht , daß mein Sohn im Stande ist , mir beizustehen . Erhielten Sie kürzlich Nachrichten von Ihrem Sohne ? fragte der Geistliche hastig . Nicht so ganz kürzlich , antwortete Lorenz mit merklicher Verlegenheit . Wo hält er sich jetzt auf ? stürmte der Pfarrer auf ihn ein , treibt er die Rechte noch , bekleidet er ein Amt oder hat er Aussicht , eins zu erhalten ? Ich kenne seine Umstände nicht ganz genau , sagte der Alte ausweichend , sein Brief ist darüber nicht deutlich , doch hat er wohl Aussicht