Leichtglaubige zu schrecken und zu ärgern , so lasse ich Dich durch den Stöcker aus der Stadt bringen ! « Else , die nicht recht begriff , wie so schnell das Vertrauen der Herrin sich in Ungnade verkehren konnte , packte , um sich nicht durch Widerrede um den Dienst zu bringen , alle ihre Geräthschaften zusammen , und ließ ohne eine Silbe zu reden , die Zürnende allein . Margarethe gieng heftig hin und her von Tisch zu Schrank , vom Spiegel zum Fenster . Sie riß die Flügel des letztern auf , und starrte in den naßkalten Wintertag hinaus ; aber die geputzten Leute , die , Rosenkranz und Kerzen in der Hand , zur Kirche wandelten , paßten wenig zu ihrer grollenden Stimmung ; sie öffnete ihren Juwelenschrein , aber das Gefunkel der Steine ergötzte nicht ihren traurigen Sinn ; sie wollte sich in ihr Schlafgemach einschließen , aber im Begriff einzutreten , gewahrte sie das Bild ihres Ehgemahls , das sie von der Wand herab ansah in ernstem Schweigen , und unmuthig warf sie die halboffne Thüre ins Schloß . Aber gerade da sie unruhig sich niederließ in den breiten Sorgensessel , und der Vernunft das Feld einräumen wollte , trat ein Gast in die Stube , der nicht zur ungelegenern , und wiederum nicht zur gelegenern Zeit hätte kommen können . Ein Laut der Überraschung entfuhr Margarethen , da sie die wohlbekannte Weibergestalt in der Tracht der Nassauer Bäuerinnen kerzengerade auf der Schwelle stehen sah . » Willhild ! Willhild ! « rief sie halblaut , und wollte der Frau entgegeneilen , aber das Zittern ihrer Kniee verhinderte sie daran . » Was bringt Dich so schnell wieder hieher ? Unglücksbotin ! « Die Bäuerin machte sorglich die Thüre hinter sich zu , nachdem sie im Vorzimmer nachgesehen hatte , ob niemand zugegen ; schob den Riegel vor , und näherte sich verlegen und mit gebücktem Haupte der Frau vom Hause . » Bleibt nur immer ruhig auf Eurem Stuhle , « sagte sie zögernd : » Ihr spracht nicht unwahr . Ich bringe kein Glück . « » So ist es denn endlich wahr geworden , was schon lange zu fürchten war ? « klagte Margarethe mit herzzerreißendem Geflüster : » Er ist dahin , ... todt ... ? « Willhild nickte trübsinnig mit dem Haupte . Margarethe warf sich in den Stuhl zurück , und schlug in bittrem Schmerz beide Hände vor das Gesicht . Es gibt ein Leiden , das sich weder in Worten , noch in Thränen ausspricht , und den Körper eines Starken durch seine entsetzliche Wucht an die Gränzmarke des Lebens drängt , .. dahin , wo die Sinne schwinden und der Athem vergeht , ohne ihm einen Laut abzwingen zu können . Es ist der lang vorausgesehene Gram , dessen fernher kommender Tritt schon die Thränenquelle öffnete . Während er nun langsam und düster verhüllt einherkömmt , versiegen schon die Thränenströme . Die Augen haben kein Wasser mehr , wenn der Fürchterliche ihnen endlich mit einem Zauberschlage ganz nahe steht und sein entsetzliches Antlitz weißt . Die Brust hat keinen Seufzer mehr , die Zunge keine Klage , und nur das mühsam arbeitende Herz kämpft mit dem Grausamen einen kurzen aber um so schrecklichern Kampf , der den widerstrebenden Sterblichen entweder unter dem eisernen Fuß des Schicksals zermalmt , oder - ein seltnerer Ausgang - ihn zum Herrn und Sieger seines Verhängnisses macht . - Ein solches Leiden hatte Margarethens Seele überfallen ; gegen ein solches Leiden , stritt sie verzweifelnd , eine bittre Viertelstunde lang , und ihr ward der Siegerkranz . Willhild stand niedergeschlagen vor der Trauernden , und murmelte Gebete , als diese mit einem Male die Hände sinken und die üble Botschafterin in ein bleiches , ernstes , in starrer Ruhe gehaltnes Antlitz blicken ließ . » Ermanne Dich , Willhild ; « sprach sie gefaßt : » Trockne die Tropfen ab , die dick und schwer an Deinen grauen Augenwimpern hängen . Folge meinem Beispiel . Als Du vor einigen Wochen mir die erste Nachricht brachtest , gewöhnte ich mich nach und nach an den Gedanken des höchsten Kummers . Du siehst , sein plötzliches Einbrechen hat mich nicht dahingerafft . - Ich wußte schon , was kommen würde ! « setzte sie hinzu , und gedachte schmerzlich ihres Traums , der so schnell in Erfüllung gehen sollte . - » Erzähle aber ; wie gieng es ? Schone mich nicht . « » Ach , gestrenge Frau ! « versetzte die Alte , in peinlicher Verlegenheit , wie die Sache anzubringen sey : » Die Heiligen mögen es wissen , daß keine Sorge gespart wurde , das junge Herrlein zu erhalten , bis es das zufällige Geschick uns entriß . « » Nichts ist Zufall ! « fiel Margarethe ein . - » Der Knabe mußte sterben nach Gottes Gebot , und ich spreche Dich frei von aller Schuld . « » Vorgestern , « fuhr die Alte stockend fort ... » vorgestern war das Junkerlein noch ziemlich munter , aber ... am Abend ... war er nicht mehr bei uns . « - » Schied er unter Schmerzen , der , liebe Knabe ? « fragte Margarethe . » Nein ... das nicht , edle Frau , « entgegnete Willhild : » Im Schlummer ward er von uns genommen . Gestern haben wir ihm ein Kreuz errichtet . « » Gestern wurde er begraben ? « fiel Diether ' s Gattin ein : » O mein warnungsvoller Traum ! Johannes , Du bist das goldne Kleinod , das in die schwarze Grube sinkt ... und mir einen ewigen Stachel zurückläßt . Kein Wort mehr , Willhild . Er ist todt , bestattet ; genug bis auf eine Zeit , wo ich werde weinen können . Eine Frage : Du hast doch beachtet , was ich Dir bei Deinem letzten Hierseyn vorschrieb . Du hast geschwiegen ? « » Wie das Grab