mir mit klaren Worten eine Reise nach Schottland vorzuschlagen . Ich nenne es Keckheit ; bedarf die ein Mann gegen ein armes Mädchen , das durch den Leichtsinn , mit dem es alle Schutzwachen des Zartgefühls , eine nach der andern , entließ , dessen Achtung erstickte und ihm die Zuversicht , wagen zu dürfen , aufdrang ? - Ich beantwortete seinen thörichten Antrag mit erkünstelter Heiterkeit und blickte auf , um Miß Julie wieder an unserm Gespräche Theil nehmen zu lassen , als ich zu meinem Schrecken wahrnahm , daß sie und ihr Begleiter sich nicht mehr im Zimmer befanden . Bei meinem lebhaften Aufblicken umschlang mich Lord Friedrich mit schmeichelnden Worten , als die , wahrscheinlich von Miß Julie bei ihrem Weggehen angelehnte Thür des Gesellschaftszimmers aufgestoßen ward , und Lady Maria du Burgh mit einer andern Dame , denen mein warnender Domino auf dem Fuße folgte , herein trat . Mit einem Lächeln , in dem Haß und Verachtung wetteiferten , rief Lady Maria : » Wir stören ein Rendezvous « und wendete sich , auf mich deutend , zu den Umstehenden . Ich glaubte die Vernichtung ergiff mich und drückte mich in den Sopha zurück ; Lord Friedrich aber sprang auf und sagte mit einem heftigen Fluch zu seiner Schwester : » hätte eine von euch den tausendsten Theil von Miß Percy ' s Reizen , so könnte sich ein Mann auch bei euch vergessen ; aber dafür seyd ihr sicher . - Verzeihen Sie mir , Miß Percy , rief er dann zu mir gewendet , verzeihen Sie mir , oder ich bin der unglücklichste Mensch ! « - In diesem Augenblick versöhnte mich keine Schmeichelei , selbst nicht wenn sie auf Lady Maria ' s Kosten gemacht wurde ; ich versuchte es , einige beißende Worte zu erwiedern ; aber meine peinliche Empfindungen überwältigten mich dergestalt , daß Thränen sie erstickten . Ich trocknete sie schnell und eilte , von Lord Friedrich wie von meinem Schatten verfolgt , in den Tanzsaal zurück , wo es mir auch gar nicht schwer ward , Lady St. Edmond zu finden . Mit einiger Lebhaftigkeit warf ich ihr vor , meine Hoffnung , den Abend an ihrer Seite hinbringen zu dürfen , durch ihr Verschwinden vereitelt zu haben , und drang darauf , den Ball jetzt zu verlassen . Sie bewies mir mit den anmuthigsten Schmeicheleien , daß ihre Pflicht als Wirthin sie genöthigt hätte ihren Platz mehrmals zu verändern , widersetzte sich aber meinem Begehren , mich nach Hause zu begeben , nicht beharrlich , sondern erlaubte Lord Friedrich nach meinem Wagen zu senden . Ueber das angenehme Gespräch , mit welchem diese geschickte Frau mich nun zu fesseln wußte , bemerkte ich kaum , daß Lord Friedrich eine ganz ungeziemend lange Zeit , um meinen Wagen herbei rufen zu lassen , ausblieb . Ich sah mich endlich nach ihm um , als mein unbekannter Warner sich nochmals zu mir herabbeugte und eindringend sagte : » Verblendetes Mädchen ! wohin willst du gehen ? « - » Nach Hause , wo ich schon längst gerne wäre . « - » Du wirst nicht nach Hause kommen , der Wagen , den du erwartest , führt dich nach Schottland . « - Ich fuhr erschrocken empor , die Uebereinstimmung dieser Warnung mit Lord Friedrichs verwegner Zumuthung schien mir mehr wie ein Ungefähr , aber in eben diesem Augenblick trat Miß Arnold mit dem Lord herbei , und der Letzte meldete mir auf die ungezwungenste Weise , daß mich mein Wagen erwartete . Ein augenblickliches Nachdenken hatte mir indessen das Abenteuerliche von meines Warners Verdacht deutlich gemacht . Ich sah die Unmöglichkeit ein , von meines Vaters Kutscher und Bedienten nach Schottland geführt zu werden , nahm Lord Friedrichs Arm und eilte aus der Gesellschaft . Schon stand ich mit dem Fuß auf dem Kutschentritt , als ich bemerkte , daß ich nicht meines Vaters Wagen vor mir hatte . Erschrocken trat ich zurück und ließ mich auch von Lord Friedrichs Bedeuten : daß mein Wagen des ungeheuern Gedrängs wegen in einer Stunde noch nicht vorfahren könnte , er deshalb mir den seinen anböte , nicht beruhigen , sondern begab mich wieder in das Vorhaus . Noch einmal stand mein Warner neben mir und erbot sich , mich sicher zu meinem Wagen zu geleiten , oder ihn , wenn ich einen Augenblick verweilen wollte , heranfahren zu lassen . Lord Friedrich versuchte einen hohen Ton anzunehmen ; der Domino antwortete sehr kühl , aber auf eine Art , die des Lords böses Gewissen zu seinem Bundsgenossen machte . Ich zog vor , den Wagen zu erwarten , die Maske befahl einem sehr sauber gekleideten Bedienten ohne Livree , ihn zu suchen , dieser hatte ihn auch nach wenig Minuten gefunden ; ich stieg mit Miß Arnold ein und erlaubte dem Domino gern mich bis an meines Vaters Haus zu begleiten . Unterwegs versuchte ich zu erfahren , wer mein Beschützer sey ; er wies jede Frage zurück , sagte aber mit einfacher Offenheit : er habe von Jemand , dem mein Wohl am Herzen liege , den Auftrag gehabt , mich an diesem Abend vor Schaden zu hüten . Auf keine andre Erklärung ließ er sich ein , sondern beharrte in einem einsylbigen Ernst , der mir von dem Zeugen meiner Thorheit höchst demüthigend war . Unsre Ankunft zu Haus beendete dieses peinliche Beisammenseyn . Der Unbekannte hatte seinen Wagen nachfahren lassen , und sobald mir die Hausthür geöffnet ward , fuhr er davon . Miß Arnold schien geneigt , sich wortreich über die Vorfälle dieses Abends zu verbreiten ; dem widersetzten sich aber meine peinigenden Empfindungen . Ich wollte ihr eben eine gute Nacht wünschen , als der Diener hereintrat , um mir ein , in Briefform zusammengelegtes Papier , welches er auf dem Boden des Wagens gefunden hatte , zu übergeben . Neugierig drängte sich Miß Arnold herbei , sicher in ihm Aufschluß über unsern Unbekannten zu