und des muthigen , auserwählt schönen Rosses , das aufs zierlichste geschmückt war , etwas zauberisches in der Erscheinung hatte . Der reiche Anzug seines Vorreuters , die Farben des Schlittens und seiner eigenen Uniform waren so passend gewählt , daß eins durch das andere gehoben wurde , und die reine Winterdecke des Schnees bildete nirgends den Grund zu einem anmuthigeren Gemälde , als wenn er wie auf Sturmwindsflügeln auf diese Weise vorüberflog . Ungeduldig zählte er die einzelnen Schläge der Uhr , die der Stunde vorausgingen , welche ihn zu Erna ' s Wiedersehen rief - aber als sie nun selber schlug , die lang ersehnte , da zögerte er , schüchtern mit sich selbst kämpfend , und alle Blödigkeit der ersten Jugend , in dämmernder Erinnerung schon abgelegt , kehrte in ihn zurück , und vereinigte sich mit der nie gekannten Furcht , zu misfallen , um ihn ängstlich so lang wie möglich zurück zu halten . Es war ihm , als habe ihn , gleich einem Läuterungsbad , der nie empfundene Zauber einer wahren ernsten Liebe , den er jetzt empfand , von all ' den Flecken gereinigt , mit denen die Verdorbenheit der Welt und seines eigenen Sinnes früher sein Gemüth entstellt hatte . Er fühlte sich weich , wehmüthig , kindlich geworden . Weinen hätt ' er mögen um die verlorene , entweihte Vergangenheit , die eine so tiefe Kluft zwischen ihn und Erna warf , wenn nicht die Hoffnung tröstend in ihm den Glauben gestärkt hätte , daß Reue , die ja mit dem Himmel versöhnt , auch ihn ihr wieder nähern werde . Er gelobte sich selbst , wenn es ihm gelänge , die Herrliche zu gewinnen , durch ein untadelhaftes Leben sich ihres Besitzes werth zu machen , und wenn gleich manche Schwierigkeit sich vor ihm aufthürmte , so zeigte der Spiegel der Zukunft seiner Sehnsucht doch in der Ferne dies neidenswerthe Loos . Hatte sie ihn doch geliebt , als seine Fehler wie üppig wucherndes Unkraut in seiner Seele jeden Keim des Besseren erstickten - wie sollte sie ihn jetzt zu hassen vermögen , da Wunsch und Vorsatz der Besserung sein Inneres veredelte , und ihn moralisch ihr um so viel näher brachte . Versenkt in diese Träume , denen die Hoffnung ein so rosiges Colorit lieh , vergaß er zu gehen , bis ein Eilbote der Gräfin ihn an sein Versprechen erinnerte . Die Gesellschaft war schon versammelt , und mit dem Frühstück bereits fertig , als er athemlos herein trat . Ich habe Ihre Galanterie nicht wenig verläumdet , rief ihm die Gräfin entgegen , oder vielmehr Ihr spätes Kommen hat es gethan , und nur weil Gnade bei mir vor Recht geht , sollen Sie noch eine Tasse kaltgewordene Chocolade haben . Er wollte sich entschuldigen , aber der Blick in Erna ' s großes , ernstes Auge machte ihn verwirrt , und widerspenstig verweigerte ihm die Fülle der Worte ihren Dienst , die ihm sonst so leicht zu Gebot stand . Der Gruß , mit welchem sie den seinigen erwiederte , war nur höflich , und die stille Kälte ihrer Mienen , die abgemessene Fremdheit ihres Benehmens gegen ihn , schnitt um so schmerzlicher in sein warmes Herz , da er sich von dem heutigen , ungezwungenen Beisammenseyn mit ihr so viel versprochen hatte . XII Er war daher froh , als das Signal zum Aufbruch seine Verlegenheit beendigte . Still und wortkarg lenkte er den Schlitten durch die schneebedeckten Gefilde , wenig in der Gräfin heiteres Plaudern eingehend und seine düsteren Gedanken reuig in die Vergangenheit , zagend in die Zukunft senkend . Der Weg führte durch einen Tannenwald , dessen dunkles Grün die Hülle von Schnee zuweilen durchbrach , wie eine leise Hoffnung in ihm die Nacht der Resignation durchschimmerte , zu der Erna ' s an Geringschätzung gränzende Gleichgültigkeit ihn zu verdammen schien . Auf einer Anhöhe , zu der , wo der Wald aufhörte , eine breite Allee sanft empor leitete , lag Bellevue , das Ziel ihrer Fahrt , und hell und freundlich von der mittäglichen Sonne beschienen , strahlte ihnen das wohlgebaute Schloß mit den weit ausgebreiteten Orangeriegebäuden entgegen , die es umgaben . Dort stiegen sie aus , und wandelten umher . Der Reichthum so vieler tropischen Gewächse , die Zierden jedes Himmelsstrichs , und der Triumph der Kunst , die selbst in dieser Jahreszeit die dem Sommer eigenthümlichen Blumen zum Blühen zwang , machte auf Erna , die der Pflanzenwelt so hold war , einen kindlich frohen , ihr ganzes Wesen freudig umwandelnden Eindruck . Auch Alexander fühlte sich freudiger angeregt , indem er bemerkte , daß in dieser sanften Neigung wenigstens ihr Gefühl dem seinen begegnen müsse , denn an Kinder , an Musik und Blumen hing sein Herz vorzüglich , und beurkundete eben dadurch , daß es ursprünglich eine edlere Tendenz von der Natur erhalten hatte , als sich im Getöse seelenloser , oft gar die Seele entweihender Freuden müde zu schlagen . Er selbst zog in seinen Zimmern mit der genausten Sachkenntnis , und mit wahrer väterlichen Liebe die schönsten Blumen , und so ungeduldig er auch übrigens war , so konnte sein rascher Sinn doch mit der größten Behutsamkeit und Ausdauer das Entwickeln und Fortschreiten einer Knospe belauschen , oder dem leisen Entfalten einer lang ersehnten Blüthe entgegen harren . Es näherte ihm Erna auf eine zwanglose und ganz zufällig scheinende Art , daß seine botanische Gelehrsamkeit ihr viele Namen , die ihr fremd waren , zu nennen wußte , und da er diese Wissenschaft nicht blos systematisch , sondern mit wahrer entschiedener Vorliebe und Anwendung auf das praktische Leben geübt hatte , so konnte er ihr mehr mittheilen , als die trockene Nomenclatur allein bietet , und fügte die Eigenschaften , Zwecke und charakteristischen Tugenden eines jeden Gewächses , das ihr eine neue Erscheinung war , mit hinzu . Eine so harmlose Unterhaltung machte sie zutraulich . Schon hörte sie nicht nur mit gespannter