. « Ein dritter Hund , der das Fleisch auch gern gehabt hätte , kam dazu und sagte bald diesem , bald jenem ins Ohr : » Gib nicht nach . Es gehört dir von Rechtswegen allein ! « Also fingen die Beiden an , sich zu raufen und zu beißen , bis Beide in der Balgerei hinab ins tiefe Wasser fielen . Dann ging der Dritte gemächlich zum Fleisch und fraß es , und sah zu wie die Andern schwammen . So geht es den streitführenden Parteien in Prozessen . » Rechthaberei kostet viel Geld , und bringt Spott und Schande nach . Wer einen Prozeß anhebt , hat schon die Hälfte von dem verloren , was er gewinnen will . Boshafte Advokaten sind wie die zwei Schneiden einer Scheere ; sie vereinigen sich , um das zu trennen , was man zwischen beide legt . Wenn du am Ende Alles gewinnst , hast du doch mehr verloren , als dir ersetzt werden kann : Zeit und Arbeit , wohl gar an der Gesundheit Schaden genommen durch Verdruß und Aerger , Furcht , Sorge und schlaflose Nächte . « So sprach Oswald . Der Adlerwirth aber fragte ihn nie , sondern hatte fast alle Jahre einen neuen Prozeß . Die vielen Unkosten und Geschenke an Advokaten und Schreiber , die vielen Läufe und Gänge und Reisen brachten ihn nach und nach um das Seinige . Als er nun einen Streit gegen eine benachbarte Gemeinde verlor , den er mit derselben wegen einer alten Eiche geführt hatte , von der er behauptete , sie stände auf seinem Lande und gehöre nicht der Gemeinde , so kam er in große Noth . Denn die Eiche hatte ihn über tausend Gulden gekostet , und er wußte nicht , woher das Geld nehmen , weil er mehr auf Haus und Land schuldig war , als man glaubte . Und da er überall Geld aufnehmen wollte und nichts erhielt , geriethen die in Sorgen , denen er schon schuldig war . Und sie begehrten zurück , was sie ihm geborgt hatten . Also blieb ihm nichts übrig , als all sein Gut den Gläubigern heimzuschlagen . Er mußte Haus und Hof verkaufen . Das war die Folge seiner Prozeßsucht . Weil er seine Felder schlecht besorgt hatte , gingen sie in mäßigen Preisen ab . Da die Leute nicht mehr häufig ins Wirthshaus gingen , weil sie entweder kein Geld hatten , oder keins versaufen wollten , brachte auch die Wirthshausgerechtigkeit nicht viel ein . Der Käufer des Hauses , als er sah , daß Niemand bei ihm einkehren und Geld verzehren wollte , stellte das Wirthen ganz ein . So blieb nur der Löwenwirth noch Meister ; denn die andern Wirthe und Bier- und Weinschenken hatten gar nichts mehr zu verdienen , und die Wirtschaft schon früher aufgegeben . Einige alte Bauern schüttelten den Kopf und sprachen : » Es ist doch böse Zeit und wir sehen wohl , unser armes Dorf geht gänzlich zu Grunde . Vorzeiten hatten drei Wirthe und noch einige Bier- und Weinschenken bei uns vollauf zu thun ; jetzt ist kaum Nahrung für einen einzigen vorhanden ! Wohl ist das eine Schande für unser Goldenthal , und ein Beweis , wie schlecht es bei uns steht . « Oswald aber sprach zu ihnen und sagte : » Mit nichten , ihr guten Leute ! sondern nun habe ich Hoffnung , daß es bei uns bald besser gehen werde . Ich bin viel in der Welt umhergereiset , und habe viele Dörfer gesehen . Wo die meisten Wirthshäuser waren , da habe ich immer die meiste Armuth gefunden . Und wo kein Wirthshaus war , als etwa , Reisende zu beherbergen , da sah man einen gewissen Wohlstand in den Häusern . Die Wirthe hängen nicht umsonst in ihre Schilde das Bild eines Raubthieres aus , Löwen und Adler , Bären und Falken , - die Thiere leben von Gut und Blut der Gemeinde . Sie hängen ein goldenes Kreuz aus , weil sie Gold haben wollen , und den Leuten Kreuz und Kummer dafür lassen . Sie hängen einen goldenen Engel aus , aber es ist ein böser Engel , der Rekruten wirbt für das Zucht- und Armenhaus und Gefängniß . Wir haben im Dorfe nur noch ein Wirthshaus , aber nur zu viel daran . Stände es nicht da , ständen die Nachbarshäuser besser . Wer am Wirthstische die Spielkarten nicht braucht , kauft sich eine Bibel und Gotteswort ins Haus . Wer nicht bei den Zechern um theures Geld Kopfweh kauft , freut sich daheim bei Weib und Kind unentgeldlich . Wer dem Wirth kein Geld zahlt , behält es im Sack . Es ist mehr Ehre , im eigenen Keller eine Flasche Wein , als im Wirthskeller ein ganzes Faß voll zu haben . « So redete Oswald , und die alten Bauern nickten mit dem Kopf , denn sie merkten wohl , er habe nicht Unrecht . Aber der Löwenwirth wollte bersten vor Zorn , zumal , da er hörte , daß Oswald den goldenen Löwen ein Raubthier geheißen hatte . Und er würde dem Oswald gern einen Prozeß angehängt haben , wenn es möglich gewesen wäre . Aber der Schulmeister war klug , nahm sich in Acht und ging dem grimmigen Löwen überall aus dem Wege , und ließ denselben brüllen und schmähen . 17. Vom Blitzstrahle im Pfarrhause und dem neuen Herrn Pfarrer . Zu dieser Zeit war in einer Nacht ein erschreckliches Gewitter . Der ganze Himmel stand in Flammen . Der Donner rollte , daß die Häuser bebten und die Fenster klirrten . - Wenn die Bauern das ganze Jahr ruchlos blieben , so beteten sie doch allemal beim Gewitter recht laut , und bereuten ihre Sünden von ganzem Herzen so lange , bis das Wetter vorüber war . Dann lebten sie wieder wie vorhin . Plötzlich fuhr mit entsetzlichem Krachen und Prasseln der Blitz ins Dorf . Er fiel