wir von den Taten , ja , selbst von den Worten eines Menschen ! « - » Ja , wenn sie erst Musik im Leibe hätten ! « fiel ihm Leontin lachend ins Wort . » Aber die meisten fingern wirklich ganz ernsthaft auf Hölzchen ohne Saiten , weil es einmal so hergebracht ist und das vorliegende Blatt heruntergespielt werden muß ; aber das , was das ganze Hantieren eigentlich vorstellen soll , die Musik selbst und Bedeutung des Lebens , haben die närrisch gewordenen Musikanten darüber vergessen und verloren . « In diesem Augenblicke kam ein neues Paar bei dem Fenster angeflogen , alles machte ehrerbietig Platz und sie erblickten ein wunderschönes Mädchen , das sich durch seinen Anstand vor allen den andern auszeichnete . Sie lehnte lächelnd die zarte , glühende Wange an die Fensterscheibe , um sie abzukühlen . Darauf öffnete sie gar das Fenster , teilte zierlich ihre Haare , durch die ein Rosenkranz geflochten war , nach beiden Seiten über die Stirn , und schaute , so wie in Gedanken versunken , lange in die Nacht hinaus . - Leontin und Friedrich waren ihr dabei so nahe , daß sie ihren Atem hören konnten ; ihre stillen , großen Augen , in deren feuchtem Spiegel der Mond widerglänzte , standen gerade vor ihnen . » Wo ist das Fräulein ? « rief auf einmal eine Stimme von innen , und das Mädchen wandte sich um und verlor sich unter den Menschen . - Leontin sagte : » Ich möchte den Baum schütteln , daß er bis in die Wurzeln vor Freude beben sollte , ich möchte hier ins offene Fenster hineinspringen und tanzen , bis die Sonne aufginge , ich möchte wie ein Vogel von dem Baume fliegen über Berge und Wälder ! « - Zwei ältliche Herren unterbrachen diese Ausrufungen , indem sie sich zum Fenster hinauslehnten . Ihr Gespräch , so ruhig wie ihre Gesichter , ergoß sich wie ein einförmiger , aber klarer Strom über die neuesten politischen Zeitbegebenheiten , von denen sie bald auf ihre Landwirtschaft ablenkten , und aus den Blitzen , die man in der Ferne am wolkenlosen Himmel erblickte , ein günstiges Erntewetter prophezeieten . Unterdes hatte die Musik aufgehört , das Zimmer oben wurde leerer . Man hörte unten die Tür auf- und zugehen , verschiedene Parteien gingen bei dem schönen Mondscheine im Garten auf und nieder , und auch die beiden alten Herren verschwanden von dem Fenster . Da kam ein junges Paar , ganz getrennt von den übrigen , langsam auf den Baum zugewandelt . » Gott steh uns bei « , sagte Leontin , » da kommen gewiß Sentimentale , denn sie wandeln so schwebend auf den Zehen , wie einer , der gern fliegen möchte und nicht kann . « Sie waren indes schon so nahe gekommen , daß man verstehen konnte , was sie sprachen . » Haben Sie « , fragte der junge Mann , » das neueste Werk von Lafontaine gelesen ? « » Ja « , antwortete das Mädchen , in einer ziemlich bäuerischen Mundart , » ich habe es gelesen , mein ädler Freund ! und es hat mir Tränen entlockt , Tränen , wie sie jeder Fühlende gern weint . Ich bin so froh « , fuhr sie nach einer kleinen Pause fort , » daß wir aus dem Schwarm , von den lärmenden , unempfindlichen Menschen fort sind ; die rauschenden Vergnügungen sind gar nicht meine Sache , es ist da gar nichts für das Herz . « Er : » Oh , daran erkenne ich ganz die schöne Seele ! Aber Sie sollten sich der süßen Melancholie nicht so stark ergeben , die edlen Empfindungen greifen den Menschen zu sehr an . « - » Sie sieht aber doch « , flüsterte Friedrich , » blitzgesund aus und voll zum Aufspringen . « » Das kommt eben von dem Angreifen « , meinte Leontin . - Er : » Ach , in wenigen Stunden scheidet uns das eiserne Schicksal wieder , und Berge und Täler liegen zwischen zwei gebrochenen Herzen . « Sie : » Ja , und in dem einen Tale ist der Weg immer so kotig und kaum zum Durchkommen . « Er : » Und an meinem neuen schönen Parutsch gerade auch ein Rad gebrochen . - Aber genießen wir doch die schöne Natur ! An ihrem Busen werd ich so warm ! « Sie : » O ja . « Er : » Es geht doch nichts über die Einsamkeit für ein sanftes , überfließendes Herz . Ach ! die kalten Menschen verstehen mich gar nicht ! « Sie : » Auch Sie sind der einzige , mein ädler Freund , der mich ganz versteht . Schon lange habe ich Sie im stillen bewundert , diesen - wie soll ich sagen ? - diesen ädlen Charakter , diese schönen Sentimentre - « » Sentiments wollen Sie sagen « , fiel er ihr ins Wort und rückte sich mit eitler Wichtigkeit zusammen . » O jemine ! « flüsterte Leontin wieder , » mir juckt der Edelmut schon in allen Fingern , ich dächte , wir prügelten ihn durch . « Die beiden Sentimentalen hatten einander indes mit den Armen umschlungen und sahen lange stumm in den Mond . » Nun sitzt die Unterhaltung auf dem Sande « , sagte Leontin , » der Witz ist im abnehmenden Monde . « Aber zu seiner Verwunderung hub er von neuem an : » O heilige Melancholie ! du sympathetische Harmonie gleichgestimmter Seelen ! So rein , wie der Mond dort oben , ist unsere Liebe ! « Währenddessen fing er an , heftig an dem Busenbande des Mädchens zu arbeiten , die sich nur wenig sträubte . » Nun « , sagte Leontin , » sind sie in ihre eigentliche Natur zurückgefallen , der Teufel hat die Poesie geholt . « » Das ist ja ein verwetterter Schuft « , rief Friedrich ,