letzten Sprößling des edlen Stammes . Das persische Joch hat auch den Nacken der einst Mißvergnügten nun wund gedrückt , sie werden sich mit meinen Freunden vereinigen , sie werden viel - Alles wagen . Sage mir , Sulpicia ! wo ist nun ein Grund zur Furcht für uns ? Muthig , meine Geliebte ! O laß mich die freudige Zuversicht , die meine Brust erfüllt , auch in deinen zarten Busen gießen , und dir Kraft ertheilen , das Einzige , was wir zu fürchten und zu tragen haben , die Qualen einer langen Trennung , standhaft zu erdulden . Agathokles ist nun auch mit mir in den Strudel des geschäftigen Lebens hineingezogen . Ich glaube , es ist sehr gut für ihn ; denn die Muße ließ seinem kräftigen Geiste zu viele Freiheit , in sich hinein mit verderblicher Gewalt zu wirken . Er hat Calpurnien mehr geliebt , als sie vielleicht glaubt ; dennoch hat er in der Ueberzeugung , daß er nie glücklich mit ihr werden könnte , die Kraft gehabt , sich von ihr loszureißen . Ich weiß nicht , was ich mehr bewundern soll , diese Standhaftigkeit oder jene Grille . Genug , es hat ihn einen schweren Kampf gekostet , aus dem sein besseres Ich , wie er es nennt als Sieger hervorging . Das hat er mir auf der Reise gestanden , so wie auch das , daß die Erinnerung an seine erste Geliebte in den gewohnten alten Umgebungen wieder lebhafter geworden ist . Er hat von Neuem Nachforschungen nach ihr angestellt , und der Eifer , mit dem er diesem Phantom nachstrebt , und die schöne Wirklichkeit von sich stößt , scheint mir ein neuer Beweis , wie nöthig ihm Zerstreuung und thätige Geschäftigkeit ist , die ihn aus den Regionen der Phantasie in die Gegenwart einführt . Dennoch liebe ich ihn herzlich , und fürchte mich auf unsre nahe Trennung ; denn ich gehe zum Cäsar Galerius , der das Centrum kommandirt , und Agathokles als Centurio zu Demetrius , auf unsern linken Flügel . Du aber , meine Geliebte , meine unaussprechlich theure Freundin ! beruhige dich , entferne die düstern Bilder , die dein schönes Gemüth quälen ! Die Götter werden , sie können uns nicht trennen . Was auch niedrige Menschen beginnen mögen , was sie ersinnen , um unsre Verbindung zu hindern , laß es dir keinen trüben Augenblick machen . Ich werde den Cäsar in wenig Tagen sprechen . Sein Machtwort beschwört jeden Sturm , der sich gegen uns erhebt , und mein Arm wird den Zufluchtsort , von dem aus unsere Liebe der ganzen Welt sicher Trotz bieten kann , erkämpfen . Diese schöne Hoffnung steht lebhaft vor mir , befeuert meinen Muth , und macht es mir möglich , ohne dich zu leben . Leb ' wohl ! 17. Agathokles an Phocion . Edessa , im Junius 301 . Wenn du dir einen Begriff von der verzweiflungsvollen Lage des Verbannten machen kannst , der nach langem Irren endlich die Küsten des Vaterlandes erblickt , und im Begriff , das Ende seiner Leiden zu finden , sich auf einmal von einem furchtbaren Sturm zurückgeworfen , und an das unwirthbare Gestade eines Felsen getrieben sieht , wo er die heiß ersehnte Gegend , das Ziel seiner Wünsche beständig im Auge , vor Hunger und Elend umkommen muß , so kannst du dir ein Bild von meinem Zustande machen . Phocion ! Welches unerbittliche Spiel treibt das Schicksal mit meinen Wünschen ? Was hat es mit mir vor , daß es mich durch solche Prüfungen führt ? Ich habe sie gefunden - ich habe Larissen gesehen ! Ich lebe mit ihr unter einem Dache - und habe sie auf ewig verloren ! Fassest du den Jammer , der in diesen Worten liegt ? Ich bin zu bewegt , um ordentlich zu schreiben . Laß mir Zeit , mich zu fassen . Ich habe gekämpft , ich habe auf Minuten den Sturm besänftigt , der in meinem Innern wüthet , um dir erzählen zu können . Diese Uebung meiner Seelenkräfte steht mir jetzt noch oft bevor , ich kann nicht genug eilen , um mich daran zu gewöhnen . Höre also : Vor acht Tagen kam ich nach dem Befehl des Diocletian zu Edessa bei dem Demetrius1 an . Das Hauptquartier unsers Flügels ist bei dieser Stadt auf der Villa eines reichen Bürgers . Zu diesem Feldherrn hatte mich der Wunsch meines Vaters , die Genehmigung des Augustus bestimmt . Alter Kriegsruhm , strenge Zucht und unbescholtene Redlichkeit haben ihn Beiden empfohlen , damit ich von ihm in Allem unterwiesen , würdig unter eines würdigen Mannes Anleitung meine erste Schlacht kämpfen sollte . Demetrius empfing mich , wie ich es erwartet hatte , rauh , trocken , aber mit Anstand . Die Zerstreuungen und Geschäfte meines neuen Berufs halfen mir in den ersten Pagen vergessen , was mir öfters schmerzlich einfiel , daß ich allein , von jedem theuern Wesen losgerissen unter fremden Menschen , in einer ganz ungewohnten Lage lebte . Die Gemahlin des Feldherrn , die ihren Gemahl aus Gefälligkeit und Achtung für seinen Willen begleiten sollte , wurde erwartet . Nach drei Tagen langte sie an . Ihre Gegenwart im Hause wurde durch nichts anders bemerkbar , als eine ehrerbietige Stille auf dem Flügel , den sie bewohnte , und den öftern Anblick weiblicher Sclaven die hin und her gingen . Sonst blieb sie im Gynecäum verschlossen . An der Tafel , wo sie mit ihrem bejahrten Gatten speiste , waren nur wenige Vertraute zugelassen , und selbst in den Gärten , die weitläufig um die Villa herumliegen , schien sie eigne Plätze zu wählen , die Düsternheit , Einsamkeit und ihre Gegenwart die Uebrigen vermeiden machte . Vorgestern führten mich meine Träume in eine der wildesten Partien des Gartens , wo hohe Tannen , mit Epheu umwebt , eine finstre Laube bildeten . Die Stille , die Düsternheit des Orts lud mich ein