daß sie sich ihres Daumenmuskels so bedienen lernte , daß Daumen und Fingerspitzen sich berührten , sich allmählig ein verfeinertes Gefühl verschaffte , von diesem in den folgenden Generationen zu Begriffen überging und sich zulezt zu verständigen Menschen einkleidete , wie wir sie jezt noch täglich in Hof- und anderen Uniformen einherschreiten sehen . Das Ganze hat sehr viel für sich ; finden wir doch nach Jahrtausenden noch hin und wieder auffallende Annäherungen und Verwandschaften in dieser Rüksicht , ja ich glaube bemerkt zu haben , daß manche respektive und geschäzte Personen sich ihres Daumenmuskels noch jezt nicht gehörig bedienen lernten , wie z.B. manche Schriftsteller und Leute die die Feder führen wollen ; sollte ich darin nicht irren , so spricht das sehr für Darwin . Auf der andern Seite finden wir auch manche Gefühle und Geschicklichkeiten in dem Affen , die uns offenbar bei dem salto mortale zum Menschen entfallen sind , so liebt z.B. eine Affenmutter noch heutiges Tages ihre Kinder mehr als manche Fürstenmutter ; das einzige was dies widerlegen könnte , wäre noch , wenn man anführen wollte daß diese sie , eben aus übergroßer Liebe vernachläßigte um das zu bezwecken , was jene nur etwas schneller durch das Erdrücken ihrer Jungen erreicht . Genug ich bin mit Doktor Darwin einverstanden , und thue den philanthropischen Vorschlag , daß wir unsere jüngeren Brüder , die Affen in allen Welttheilen , höher schäzen lernen , und sie , die jezt nur unsere Parodisten sind , durch eine gründliche Anweisung , den Daumen und die Fingerspizen zusammen zu bringen , so daß sie mindestens eine Schreibfeder führen können , zu uns herauf ziehen mögen . Ist es doch besser mit dem ersten Doktor Darwin die Affen für unsere Vorfahren anzunehmen , als so lange zu zögern bis ein zweiter gar andere wilde Thiere zu unsern Adscendenten macht , welches er vielleicht durch eben so gute Wahrscheinlichkeitsgründe belegen könnte , da die meisten Menschen , wenn man ihnen das Untertheil des Gesichts und den Mund , mit dem sie die gleissenden Worte verschwenden , verdekt , in ihren Physiognomien eine auffallende Geschlechtsähnlichkeit besonders mit Raubvögeln , als z.B. Geiern , Falken u.s.w. erhalten , ja da auch der alte Adel seine Stammbäume eher zu den Raubthieren , als Affen hinaufführen kann , welches , ausser ihrer Vorliebe zur Räuberei im Mittelalter , auch noch aus ihren Wappen erhellet , in denen sie meistentheils Löwen , Tieger , Adler und andere dergleichen wilde Thiere führen . - Das Gesagte mag hinlänglich sein , um meine Person und Maske vor der jezt aufzuführenden Tragödie : Der Mensch , zu rechtfertigen . Ich verspreche einem respektiven Publikum zum Voraus daß ich spashaft sein will bis zum Todtlachen , der Dichter mag es noch so ernsthaft und tragisch anlegen . - Was soll es auch überhaupt mit dem Ernste , der Mensch ist eine spashafte Bestie von Haus aus und er agirt blos auf einer grössern Bühne als die Akteure der kleinern in diese große wie in Hamlet eingeschachtelten ; mag er ' s noch so wichtig nehmen wollen , hinter den Koulissen muß er doch Krone , Zepter und Theaterdolch ablegen , und als abgetretener Komödiant in sein dunkles Kämmerchen schleichen , bis es dem Direktor gefällt eine neue Komödie anzusagen . Wollte er sein Ich in puris naturalibus oder auch nur im Nachtkleide und mit der Schlafmüze zeigen , beim Teufel jedermann würde vor der Seichtigkeit und Nichtsnuzigkeit davon laufen ; so behängt er ' s aber mit bunten Theaterlappen und nimmt die Masken der Freude und Liebe vor das Gesicht , um interessant zu scheinen , und durch das innen angebrachte Sprachrohr die Stimme zu erhöhen ; dann schaut zulezt das Ich auf die Lappen herab , und bildet sich ein sie machten ' s aus , ja es giebt wohl gar andere noch schlechter gekleidete Ich ' s , die den zusammengeflikten Popanz bewundern und lobpreisen ; denn beim Lichte besehen ist doch die zweite Mandandane5 auch eine nur künstlicher zusammengenähte , die eine gorge de Paris vorgestekt hat um ein Herz zu fingiren , und eine täuschender gearbeitete Larve vor den Todtenkopf hält . Der Todtenkopf fehlt nie hinter der liebäugelnden Larve , und das Leben ist nur das Schellenkleid das das Nichts umgehängt hat , um damit zu klingeln und es zulezt grimmig zu zerreißen und von sich zu schleudern . Es ist Alles Nichts und würgt sich selbst auf und schlingt sich gierig hinunter , und eben dieses Selbstverschlingen ist die tückische Spiegelfechterei als gäbe es Etwas , da doch wenn das Würgen einmal inne halten wollte eben das Nichts recht deutlich zur Erscheinung käme , daß sie davor erschrecken müßten ; Thoren verstehen unter diesem Innehalten die Ewigkeit , es ist aber das eigentliche Nichts und der absolute Tod , da das Leben im Gegentheile nur durch ein fortlaufendes Sterben entsteht . Wollte man dergleichen ernsthaft nehmen , so mögte es leicht zum Tollhause führen , ich aber nehme es blos als Hanswurst , und führe dadurch den Prolog bis zur Tragödie hin , in der es der Dichter freilich höher genommen und sogar einen Gott und eine Unsterblichkeit in sie hineinerfunden hat , um seinen Menschen bedeutender zu machen . Ich hoffe indeß das alte Schicksal , unter dem bei den Griechen selbst die Götter standen , darin abzugeben , und die handelnden Personen recht toll in einander zu verwirren , daß sie gar nicht klug aus sich werden , und der Mensch sich zulezt für Gott selbst halten , oder zum mindesten wie die Idealisten und die Weltgeschichte , an einer solchen Maske formen soll . Ich habe mich jezt so ziemlich angekündigt , und kann das Trauerspiel nun allenfalls selbst auftreten lassen mit seinen drei Einheiten , der Zeit - auf die ich streng halten werde , damit der Mensch sich gar nicht etwa in die Ewigkeit verirrt - des Orts - der immer im Raume bleiben soll - und der