ihr oft im Beiseyn eines Dritten ihre Neigung zu ihm vorrücken zu müssen , und äußerte mit höchster Unzartheit , daß er sie nicht erwiedern wolle . In eben diesem Grade unfein waren seine Zuneigungs-Äußerungen gegen Albertinen , die ihm , wie er glaubte , nicht entgehen könne . Oft polterte er mit schweren , schmutzigen Stiefeln durch ihr Vorzimmer bis zu ihrem Bette hin , störte ihren seltnen heilsamen Schlummer , um ihr den Vorzug seiner Theilnahme angedeihen zu lassen ; und nie verließ er sie , ohne sie auf die Ehre aufmerksam gemacht zu haben , welche er ihr durch seine Aufmerksamkeit zu erweisen glaubte . Dieser , Albertinen so unwillkommnen und von ihr unaufgeforderten Liebe wegen , entstand ein Mißverhältniß im Ganzen , das Albertinen in seinen Folgen sehr bedeutend wurde , und das sie bald ausgetrieben haben würde , hätte Tante Elisens fortdauernde Liebe und der vertraute Umgang mit ihrer Euler , ihm nicht das Gleichgewicht gehalten . Achtes Kapitel Jetzt , da Albertine wieder außer Gefahr war und kleine Gesellschaften in ihrem eignen Zimmer anzunehmen anfing , wagte auch Albert einst um Zulassung bei denselben zu bitten . Albertine gewährte es ihm mit sichtbarer Bewegung ; und als er erschien , brach ihr Schmerz zum Erstenmale in einen Strom von Thränen aus . Denn bis dahin hatte sie , zum Schrecken ihrer Freundinnen , in ein dumpfes , thränenloses Schweigen hingebrütet , ohne der Ursache ihres Grams im mindesten zu erwähnen . Die Wehmuth überwältigte sie so , daß sie , ihr Gesicht in ein Tuch verbergend , das Zimmer wankend verließ . Albert blieb betroffen zurück , und war schon im Begriffe , sich ebenfalls zurückzuziehen , als Madame Euler erschien und ihn in Albertinens Namen zu ihr zu kommen einlud . Albertine wollte ihn etwas fragen ; es erstarb ihr aber auf der bebenden Lippe , und so gut Albert es errieth , so wagte er doch nicht , es zu beantworten . Sie weinte so schmerzlich , daß Albert , dessen männliches Herz leicht in anderer Gefühle einging , nichts zu sagen vermochte , als : » hassen Sie mich nicht , daß ich der Trauerbote war ! « - » Wie sollte ich den hassen , der ihm werth war ! « erwiederte Albertine . » Sie haben also die schreckliche Gewißheit ? « setzte sie mit zitternder Stimme hinzu . - » Leider sah ich den werthen Namen in der Todtenliste des Regimentes nach dem unglücklichen Überfall ! Seine theuren Überreste - setzte er leiser hinzu - sind Preußischer Seits nicht gefunden , weil die gräßliche Verwirrung und die Dunkelheit der Nacht jede Art von gewöhnlicher Procedur unthunlich machte . « - Albertinens Brust hob sich konvulsivisch bei dieser lebhaften Vorstellung ihres Verlustes , und sie winkte Alberten mit der Hand , sich zu entfernen . Nach einer langen Zeit erschien sie , auf ihre Freundin gestützt , bei der Gesellschaft . Wassermann , der Albertinen auf gewisse Weise schon als sein Besitzthum ansah , fuhr Alberten sehr ungeziemend an , daß er es gewagt habe , den eingewiegten Schmerz zu wecken ; und Albertinen legte er mit seiner eigenthümlichen Disgrazie die Hand auf ihren schönen Arm , wobei er ihr mit seinem harten , herz-und klanglosen Tone sagte : » Hin , ist hin , und todt , ist todt ! spare die vergebne Noth ! « - Albertine antwortete sanft : » Ich bitte , mein Herr , lassen Sie mir meinen Gram , und bedenken Sie , daß wir mit einander nichts gemein haben . Unsere Naturen sind sich durchaus fremd ! « Wassermann zog ergrimmt die Hand zurück , mit der er ihr , seinem Gefühle nach , schon zu viel Ehre erzeigt hatte , und sein Zorn schwoll um so mehr , da Laurette in ein hämisches Gelächter ausbrach , welchem sie , um doch auch Albertinen eins abzugeben , hinzusetzte : » Es leben die Prüden ! « - Albert war , wie überall die Liebe in feinen Gemüthern leise und still waltet , schüchtern , sich dem Gegenstande derselben zu nähern , und richtete beinahe immer das Gespräch an Tante Elise , Laurette , oder lieber noch an Madame Euler . Das hielten nun die beiden Ersten für nichts anders , als entstehende Liebe zu ihnen . An einem schönen Morgen fanden sie sich bei Albertinen ein , und Tante Elise erklärte nach manchem Räuspern und viel mädchenhafter Ziererei , die als Frühlingsblüthe reizend , als Herbstspätling aber widrig ist , sie wisse sich bei dieser neuen Liebe des guten Alberts nicht zu verhalten , da sie , nach der Untreue ihres letzten Geliebten , dem falschen Gott ganz zu entsagen , öffentlich gelobt habe . Indeß sei der Albert so lieb , so zärtlich , so schön , 2 » wie ein blühender Mond . Der süße Ton des lieblichen Mundes , wenn er Worte voll Sehnsuchtsklänge aushauchte , drehete sich in ihm wie Räder in den Flüssen , und sie leugne nicht , dann wende sich ihre Sehnsucht um die Schaufeln . « - » Nie hätte ich mir eine solche auffallende Selbsttäuschung , bei so langer Erfahrung , als möglich gedacht ! « äußerte Laurette schneidend . - » Tante , « sagte sie : » ich fürchte sehr , auch diesen werden Sie auf die lange Liste ihrer Ungetreuen setzen müssen . Sagt Ihnen denn Ihr guter Verstand nicht , wen er nur meinen kann ? « - » Nun , und wen denn ? « fragte Tante , ziemlich beleidiget . » Erklären Sie sich , Mademoiselle ! « - Laurette erhob sich und machte Tanten in der Nähe eines Spiegels , der ihr ihre ganze Gestalt zeigte , einen tiefen , spöttischen Knicks . » Ich denke , es hängt nur von mir ab , wie bald Sie erfahren sollen , wer von uns Beiden Gebieterin in Ulmenwalde wird ! « - Tante wußte in der Geschwindigkeit