wäre Tod ; ich muß sie sehen , denn mein Leben hängt an ihren Blicken . - O , ihr Horen ! die ihr den Himmel der Götter verschließt und eröffnet , fliegt , fliegt und eröffnet auch mir meinen Himmel ! Zieht die Wolke hinweg , die mir die Göttin verbirgt ! Funfzehnter Brief Amanda an Julien Monden sind vergangen , und zu sehr mit der glücklichen Gegenwart beschäftigt , hatte mein Herz für die entfernte Freundin , nur Gedanken , aber keine Worte . Deine Briefe allein , meine Julie , sie , die ich sonst immer mit freudiger Rührung las , haben jetzt zuweilen mein Glück gestört . Wo ist der freie Blick , der milde , menschliche Sinn , der sonst Dein Urtheil über die Menschen leitete , und Dich ihre Handlungen mit ihren Schicksalen gutmüthig und richtig vergleichen lehrte ? Kann ich dafür , daß mir die Liebe nicht auf Deinem Wege entgegen kam ? und hast Du vergessen , daß , wie ich jetzt fühle , Du ehmals gefühlt hast ? - Julie , bedenke es , daß , wir mögen noch so redlich streben , Keinem Unrecht zu thun , wenn unser Gefühl nicht zart genug ist , die feinen Nuancen des Herzens zu bemerken , und es uns an Phantasie fehlt , lebhaft die Tage eines andern zu empfinden ; so werden wir dennoch oft andern weh thun , und keinen um uns her glücklich machen können . - Nein ! störe den Frieden meines Herzens nicht mehr , und verlange nicht , daß ich mir Gewalt anthun soll . Wer sein natürlich reines Gefühl bewahrt hat , kann sich die undankbare Mühe ersparen , seine Neigungen bekämpfen zu wollen ; sie führen ihn recht ; er darf sich ihnen überlassen . Du verkennest meinen Freund , wenn Du glaubst , er werde mich leichtsinnig und ohne Bedenken tausend Unannehmlichkeiten aussetzen . Er selbst hat es durch sein geschicktes Benehmen so einzuleiten gewußt , daß wir uns nun mit größter Leichtigkeit so oft sehen , als wir wollen . O ! Du solltest es sehen , wie er auf Andere zu wirken versteht ! Ueberall , so jung er auch ist , erregt er unwillkührliche Achtung . Seine Ueberlegenheit muß ein jeder , freiwillig oder nicht , anerkennen . Er bittet - und man weiß es ihm Dank , denn man fühlt , daß er befehlen könne . - Und Albret ? - O ! ich rechte nicht mehr mit ihm ! sein Verhängniß führte ihn , wie mich das Meinige . Daß ich mit einem Herzen voll Liebe vergebens nach seinem Vertrauen rang , daß ich in seinen Ideenkreis mich nicht zu stellen vermochte , was kann er , was kann ich dafür ? - Mein Schicksal führte mich einen blumigen Pfad ; es sandte mir die gleichgestimmte Seele , wo ich ihrer am bedürftigsten und am würdigsten war . Denn meine Liebe ist nicht die betäubende , ungewisse Glut der ersten Neigung ; sie ist der reinste Genuß des Herzens , mit den edelsten Blüthen des Lebens verwebt und verbunden . - Gern sagte ich alles , was ich empfinde ; denn kann es ihm weh thun , da er mich nicht liebt ? Aber würde ihm nicht mein Vertrauen vielleicht kindisch erscheinen , ihm lästig sein ? - Er verlangt ja nur Schein von mir , nur - ach ! ich weiß nicht , was er verlangt ! Laß mich immer thörigt sein , Julie , diese Momente werden nie wiederkommen . - Ich will jetzt alles vergessen , ich will ! - und ich fühle mich dabei weise und gut . Wir werden wegen den Unruhen des Kriegs , diesen ganzen Winter , und vielleicht noch länger , hier bleiben . Seit einiger Zeit ist auch der Graf von L - hier , dessen Bekanntschaft ich schon in Italien machte . Albret sieht es gern , wenn ich bei den Festen , die er veranstaltet , erscheine , und ich füge mich leicht in seinen Sinn , denn mit Freuden ergreife ich die Gelegenheit , ihn zu verbinden , und - allenthalben finde ich Eduard . Du fragst mich nach Nanetten - und ich fühle ganz den Vorwurf , der in dieser Frage liegt ; wie lange ist es , daß ich ihrer , die ich doch so herzlich zu lieben versicherte , gar nicht gegen Dich gedachte ! Ach ! wol läßt sie uns alles vergessen , diese gebieterische Leidenschaft ! und so war es natürlich , daß ich Dir zu schreiben vergaß , wie sie schon seit einem Monat zu einer Verwandtin gereist ist , die sie sehr angelegentlich zu sich einlud . Aber sie hat versprochen , bald wieder hieher zu kommen , und wir erwarten sie täglich . Und wolltest Du , meine Freundin , Du allein , Deine Freundin betrüben , während Zufall , Liebe und Wahrheit sich zu ihrem Glück vereint haben ? - O ! gedenk ' an unsre jugendlichen Träume , an unsere Hoffnungen , an unsere milden , unschuldig freien Grundsätze ! Bedenk ' , daß die Sterblichen zwar oft das erreichen , was sie wünschen , aber selten oder nie , gerade zu dem Zeitpunkt , wo sie es wünschten . Julie , es kann schwach und unrecht sein , die Verhältnisse , worinnen wir einmal sind , leichtsinnig zu verletzen , aber es ist stark und gerecht , sie zu seinem Glück zu vergessen , ohne sie zu verletzen . Sechzehnter Brief Eduard an Amanda Ich muß Sie verlassen , Amanda , wenn ich meine Abreise so nennen kann , da ich nie von Ihnen mehr zu trennen bin . Barton ist hier , und überbringt mir die Bitte meines Vaters , unverzüglich zu ihm zu kommen . Mein Vater schreibt , daß er nicht versteckt vor mir handeln , nicht seine Gründe in den Schleier des Geheimnisses hüllen , aber mir nur alles mündlich sagen wolle