, durchaus verändert ! Sonst würde ich ja Himmel und Erde bewegen diese Reise zu verhindern . Wer kann gegen das Schicksal ! - Mag nun kommen was da will ! Es müßte sonderbar zugehen ; wenn es schlimmer wäre als ich es mir vorstelle . Leben Sie wohl . Wir packen ein . Der Oberste - nicht doch ! Der General , wollte ich sagen , ist nach dem Schlosse R ... gebracht , und für uns eine prächtigere Wohnung , als wir bedürfen , eingerichtet . Ich habe einige Soubertten- und Marketenderkleider mitgenommen . So etwas Ähnliches werde ich ja wohl vorstellen müssen . Schade nur , daß es mir an der dazu gehörigen guten Laune zu fehlen scheint . Von unserm Residenzschlosse R ... ein Mehreres . Sechs und sechszigster Brief Wilhelmine an Reinhold Wir haben den Obersten sehr schlecht gefunden . Aber ich sehe es : alles hat sich verschworen . Man will sie aufopfern . Mit welcher sonderbaren Gewalt lenkt dieser Mann aller Herzen nach seinem Willen ? - Antonelli , der Adjutant , mehrere angesehene junge Männer verrathen alle Augenblicke : wie tief sie von Juliens Schönheit gerührt werden ; und dennoch scheinen sie sich das Wort gegeben zu haben , alles zu thun , um sie ihm näher zu bringen . Das ist ein Lobpreisen ! ein Wehklagen ! - Sogar den Arzt haben sie bestochen . » Fräulein Julie soll ihm die Medizin reichen . Fräulein Julie soll dies , soll jenes thun . « Und dabey treibt Antonelli ein Wesen , daß ich nicht weiß wie sie es aushalten kann . So wie er naht steigt ihre Verlegenheit bis zur peinlichsten Unruhe . Glücklicher Weise ist er zu sehr mit seiner eignen Empfindung beschäftigt , um es zu bemerken . Aber ich sehe bestätigt , was ich schon vor längrer Zeit ahnete . Sie liebt ihn , - können Sie es begreifen - das Mitleiden wird sie hinreißen , sie wird sich aufopfern . Das alles muß ich nun so mit ansehen - Soll ich sie aufklären über ihre Empfindung ? - soll ich es nicht ? Gott mag es wissen ! ich weiß nicht mehr was hier gut ist . Sieben und sechzigster Brief Wilhelmine an Reinhold Alle Zweifel sind gehoben . Was ich vorher sah ist geschehen . Er hat ihr sein ganzes Vermögen hinterlassen wollen ; sie hat es ausgeschlagen . Er hat es gewagt - der Grausame - um ihre Hand zu bitten ; und sie hat sie gegeben . Was helfen Klagen ? - Das Leben wird darum nicht kürzer . Ich will Abschied von meiner Mutter nehmen und mir ein kleines Thal in der Schweitz aussuchen . Zweyter Theil Erster Brief Olivier an Reinhold Wilhelmine hat Dir geschrieben , Du weißt alles . Ach ! ich halte nicht mehr die Menschen , welche Götter zu seyn glaubten , für wahnsinnig . Ja ! lache nur ! ich , ich selbst , dünke mich ein Gott . Meine Wunden ? - o die sind geheilt ! vergessen ! Ich lebe , lebe ein Leben , was nur ein Gott leben und begreifen kann . Siehe ! ich darf sie halten , halten in meinen Armen ! - darf mich berauschen in den himmlischen Zügen - darf sie mein nennen ! - O Gott ! wer hätte geglaubt , des Menschen Herz könne so viel Seeligkeit fassen ! und darum sage ich Dir : ich bin ein Gott ; ich kann alles was ich will . Nein , es sind mehr als menschliche Kräfte , die mich beleben . Du hast es gehört , wir haben gesiegt ; allenthalben gesiegt . Die Einnahme von B ... war nur ein Vorspiel . Ich hatte ihr Wort , wußte , daß Sieg mich wieder zu ihr führte . - Wer konnte mich nun überwinden ? - Ach ! bevor die Himmlische uns ergreift , taumeln wir mit gefesselten Sinnen auf der herrlichen Erde ; verstehen kein Rauschen des Waldes , kein Flöten der Nachtigall , sehen die Sonne steigen und sinken , und begreifen uns selbst nicht . Aber sie naht , und der Götterfunke hat gezündet . Lichtglanz ergießt sich über alles was uns umgiebt . Kein Stillstand , kein Tod mehr für uns . Wir können nur Leben begreifen , geben , und empfangen . Gott sey gelobt ! der Feldzug ist geendigt . Wir haben keine Feinde mehr ; aber mögte die ganze Welt sie auch haben , ich kenne nur Freunde . Verlange nicht , daß ich Dir beschreibe , aus einander setze . - Könnte ich es ; so wäre ich minder seelig . Wer kann das Unbeschreibliche beschreiben ! - Erräthst Du es nicht , nun , so lies es denn : Sie trägt schon meinen Nahmen . Er klingt anders seitdem ; das behaupte ich , und Du selbst würdest es finden . Ich verführe die Leute , ihn so oft als möglich auszusprechen , und dann horche ich , und habe mein innigstes Wohlgefallen daran . Ach sag was Du willst ! lache wie Du willst ! ich kehre mich nicht daran . Ich bin glücklich und seelig , und wenn Du mich sähest , würdest Du es auch seyn . Zweyter Brief Wilhelmine an Julie Wie geht es Dir ? Ich sollte wohl nicht darnach fragen ; aber - rechne es unter meine Gewohnheitssünden . Ich ? - Nun , abermalige Kämpfe . - Mein Herr Vater hielt nicht weniger als drey Heyrathsprojecte für mich bereit , und wußte sich vor lauter Bewunderung nicht zu lassen . Was er denn so sehr bewundert ? Dich ! Dich ! Deine Klugheit , Weisheit , Nachgiebigkeit . Meine Mutter wollte einige Zweifel dagegen erheben ; aber er fuhr sie so wahrhaft ehemännisch an , daß ich zu seinen Ermahnungen weiter keines Kommentars bedurfte . Gottlob ! ich bin mündig . Das Vermögen meines Oheims muß mir ausgezahlt werden , und dann säume