schien ihn zu interessieren . In der Folge glaubte ich zu bemerken , daß es ihm auch darum zu tun war , Manfredi von meiner Schwester zu entfernen ; damals fiel es uns aber beiden gar nicht ein , wir freuten uns herzlich beisammen zu sein , und waren dem gütigen Marchese dankbar für seine Wohltaten . Ich war damals etwa vierzehn oder fünfzehn Jahr , Manfredi einige Jahre älter . Es war in derselben Jahreszeit , in der wir jetzt sind , daß ich zuerst die schöne Welt frei betrat , an der Hand meines guten Manfredi . « - » Ach « , rief Juliane , » ich schöpfe endlich freien Odem ! Ich fand keinen Ausweg für Sie , und ängstete mich gewaltig , Sie endlich dennoch unter den Mönchen zu sehen ; es wollte mir gar nicht deutlich werden , daß Sie nun hier sind , und kein Mönch haben werden müssen . « - » Florentin « , fiel Eduard ein , » hat so gut erzählt , man mußte es ganz aus den Augen verlieren , daß es eigentlich seine Geschichte sei ! « - » In der Tat « , sagte Juliane , » ich hätte nie geglaubt , daß er so zusammenhängend und in einem Strome fort reden könnte . « - » Ich kann nicht finden , daß ich so gut erzählt hätte , denn anstatt die einfache Geschichte geradeweg zu erzählen , bin ich in den Konfessionston hineingeraten . Es ist die Erinnerung meiner Kindheit , die einzige Epoche meines Lebens , die mich interessiert , die mich so schwatzhaft gemacht hat . Zum Glück ist es hier nun aus , denn ich bin es selbst müde . « - » Wie ? Aus ? « - » Ja , aus ! denn was mir nun noch zu erzählen bleibt , ist des Erzählens kaum wert , und läßt sich in ein Dutzend Worten ungefähr fassen : nämlich die eine , bis zur Ermüdung wiederholte Erfahrung : daß ich eigens dazu erkoren zu sein scheine , mich in jeder Lächerlichkeit bis über die Ohren zu tauchen , immer nur von einem Schaden zum andern etwas klüger zu werden , mich immer weniger in das Leben zu schicken , je länger ich lebe , und zuletzt der Narr aller der Menschen zu sein , die schlechter sind als ich . « - » Nicht so gar bitter , lieber Florentin « , sagte Eduard freundlich ; » vergessen Sie nicht , daß dieses mehr oder weniger das Schicksal aller Jünglinge ist , nur wirkt diese Allgemeinheit verschieden auf die verschiedenen Gemüter . « - » Jawohl , aber eben das ist es « , sagte Florentin , » daß es gerade auf mich so und nicht anders wirken mußte ! Ist denn diese Verschiedenheit nicht eigentlicher das Schicksal zu nennen , als die äußern Begebenheiten ? « - Juliane unterbrach ihn : » O lieber Florentin , nur einige von Ihren Erfahrungen , wie Sie sie nennen , erzählen Sie noch , ich bin sehr begierig zu hören , wie man Sie so oft hat zum besten haben können , man muß es doch eigen angefangen haben . « - » Auf die einfachste Weise von der Welt , das sollen Sie hören . Manfredi und ich waren unzertrennlich während unsers Aufenthalts auf der Akademie ; noch liebe ich ihn immer herzlich , und ich wünschte wohl , wir träfen noch einmal im Leben zusammen , wir waren uns gewiß echte Freunde , obgleich wir , dem Äußern nach , eben nicht füreinander paßten : ich war immer wild , ausgelassen , einigermaßen tollkühn und roh ; er hingegen sanft , liebend , von schöner Gestalt , und edlem Gesicht , feinem Anstand , tadellosen , wahrhaft altadeligen Sitten , strengen Grundsätzen über die Ehre ; und doch zog uns diese Verschiedenheit vielmehr gegenseitig an . Er konnte am ersten mich von irgendeiner Ausgelassenheit zurückführen , dagegen konnte ich sicher auf ihn rechnen , wenn es darauf ankam , irgend etwas Rechtes auszuführen , oder wenn meine Ehre zu retten war . Hatte ich zu irgend etwas mein Wort gegeben , so half er es lösen , wenn auch mit Lebensgefahr . War es aber vollbracht , so mußte ich oft die ernsthaftesten Verweise wegen meiner Unbesonnenheit von ihm hören . Von niemand hätte ich sie ertragen , als von dem , der den Mut und die Liebe hatte , alles für mich zu wagen . O du mein guter Genius , der du meine Jugend , mein schönstes Dasein schütztest , warum haben wir uns trennen müssen ? Seitdem , mein Manfredi , wandre ich einsam und in der Irre . « - Florentin sagte diese letzten Worte mit einer vor Rührung erstickten Stimme , er hob sein Auge mit Wehmut empor , dann schwieg er , in Gedanken verloren . Eduard nahm seine Hand ; Florentin blickte ihn an und sah Tränen in seinen Augen glänzen , er warf sich in seine Arme : - » Ich verstehe den Vorwurf dieses Händedrucks , mein guter Eduard ! Nein , ich bin jetzt nicht mehr allein , nicht mehr in der Irre ! ich habe wieder ein Herz gefunden , das verdient neben dem Andenken an meinen Manfredi zu stehen ! Ich bin dein , Eduard , auf immer ! « - » Ewig dein , mein Florentin ! « - Sie hielten sich in fester Umarmung umschlossen . - » Schließt mich nicht aus , aus eurem Bunde « , sagte Juliane , » auch ich bin euer « - Eduard umarmte sie zärtlich ; sie beugte sich gegen Florentin , er berührte freundlich lächelnd ihre Stirn mit seinen Lippen . Achtes Kapitel Nach einer Pause fing Florentin wieder an : » Wir waren ungefähr zwei Jahre auf der Akademie , unsre Übungen waren vollendet , wir sprachen schon von unsrer Rückreise und meinem weitern Fortkommen , als ganz