was er mir war . - Wohlan ! es ist Zeit , daß auch ich einmal ihm und der Tugend ein Opfer bringe ! - Schnell eilte ich auf sein Zimmer ; aber man sagte mir , daß er im Garten sey . Hier suchte ich ihn lange vergebens ; bis ich ihn endlich einen langen Gang tief mit sich selbst beschäftigt , hinauf gehen sah . Leise folgte ich ihm nach . Er sprach mit sich selbst und ich hörte Mariens Namen und den meinigen . Aber was war das , was er mit so heißen Küssen und mit Thränen bedeckte ? jetzt stand er am Ende des Ganges , ich dichte hinter ihm . - Gott ! es war Mariens Bild ! - ein lauter Ruf des Schreckens verrieth mich ; er kehrte sich um und wir verstummten vor einander . » Nimm es ! « - sagte er endlich - » damit keine Erinnerung mir übrig bleibe ! » Woher ? - stammelte ich , und die Eifersucht erwachte mit allen ihren Quaalen . Von mir selbst - antwortete er - Ich mahlte es in Neapel aus der Phantasie , als mich die Sinnlichkeit am schrecklichsten bestürmte . Es hat mich gerettet . - » Verräther ! « - schrie ich wüthend und riß ihm das Bildniß aus der Hand - » warum nicht auch mich ? ach Schlange , die ich in meinem Busen nährte , jetzt kenne ich dich ! und wohl mir , daß ich dich kenne , ehe du das Herz noch ganz mir zernagst ! - Geh ! verlaß mich , ich werde keine Thräne um dich weinen ! O der unerhörten Treulosigkeit ! er hatte das Mittel , mich zu retten , und er gebrauchte es nicht ! - Nur einen einzigen Blick auf diese himmlischen Züge , und ich wäre nie bis zum Thiere hinabgesunken ! Aber ich sollte sinken ! ich sollte , damit er allein ! - o ich darf es nicht ausdenken ! ich darf nicht ! - » Unglücklicher ! « - rief er - als ich dies Bild mahlte ; warst du schon ohne Rettung verloren . Ich gehe ! mögest du dir selbst vergeben , so wie ich dir vergebe . Noch war ich zweifelhaft , ob ich dich verlassen dürfte ; aber jetzt bin ich es nicht mehr . Ich habe nur gelobt , mich nicht von dir zu trennen , bevor du es selbst verlangtest . Du hast es verlangt - ich bin meines Wortes entbunden . « Leb wohl ! genieße ein Glück , worauf ich um deinetwillen Verzicht gethan hatte - was ich dir mit der Ruhe meines Lebens erkauft haben würde . Leb wohl und vergiß mich , wenn du kannst . Siebentes Kapitel » Vergiß mich , wenn du kannst - der Stolze ! « - rief ich - » er weiß nur zu gut was er mir war ! - aber bey Gott er wird sehen , daß ich ihn entbehren kann ! - Noch ist nicht alles verloren ! noch bin ich auch ein Mann ! Fort , fort ! hier ist doch alles todt ! - ohne ihn - wollt ich sagen - ohne Marie « - setzte ich schnell hinzu . - Ich will hin zu ihr ! ich will ihr alles bekennen ! sie wird mich nicht verstoßen ! sie wird mir den Muth zum Leben wieder geben ! Ach wie war ihr ganzes Wesen so weiblich ! nur bey ihr werde ich wahre Duldung finden . O ich Thor ! daß ich sie bey einem Manne , bey einem eben so harten und unbiegsamen Wesen als ich selbst suchen konnte ! - Ohne Gewaltthätigkeit - sagt er - war ich nicht zu retten ? - ach sie würde mich gerettet haben durch die Gewalt der Liebe ! durch eine andere Liebe als die Seinige , erhaben über Vorwürfe und Beleidigungen . Aber sein Stolz war gekränkt ; weil ich mich einigemahl vergeblich bitten ließ , weil ich hart gegen ihn war , da er mich zurückhalten wollte . - Nein ! nur in einem weiblichen Herzen wohnt die wahre Liebe ! - der Mann liebt nur sich selbst . « Jetzt verließ ich den Garten , um Befehle zu meiner Abreise zu geben . Ich fürchtete Heinrich zu treffen und doch überfiel mich eine unaussprechliche Traurigkeit ; als ich die Bedienten mit seinen Sachen beschäftigt sah , und von ihnen hörte : daß er selbst schon fort sey . Ich eilte auf sein Zimmer und ward mir erst hier bewußt : daß ich noch an der Aussage der Bedienten gezweifelt hatte . » Der Grausame ! « - rief ich - » so konnte er mich wirklich verlassen ? - er hat mich niemahls geliebt ! wie wäre es sonst möglich ! « - » Wohlan ! keine Schwäche mehr ! in Marien finde ich alles wieder . Achtes Kapitel Jetzt dünkte mich Alles den Schneckengang zu gehen . Meine Leute liefen sich aus den Athem , und doch hatte ich sie nie so unerträglich langsam gefunden . Endlich waren sie zur Abreise bereit , und mein Wagen flog auf den Weg nach Berlin . Welche Tage ! welche endlosen Nächte ! ehe wir die geliebte Stadt erreichten . Wir waren noch zehn Meilen davon , und schon wollte mir die Brust vor Sehnsucht und Ungeduld zerspringen . Ich bat , ich flehte , ich versprach , die Pferde stürzten , und wir waren noch immer nicht da . - Endlich erblickten wir die Thurmspitzen , und jetzt ward mir der Wagen zu enge . Ich eilte im Fluge vorauf , und in wenig Minuten stand ich vor Sophien , stumm vor Schmerz und Entzücken . Holdselig lächelnd , reichte sie mir die Hand . Ich sah es : sie hatte mir vergeben und die Ruhe war in das schuldlose Herz zurückgekehrt . Ach ohne mich , wäre sie nie daraus gewichen