, that er sich selbst damit Schaden . Er brachte sich um ein Fässchen Weins , oder um irgend ein andres Geschenk , das er sonst für seine angenehme Erzählung gewiss erhalten hätte . Ich habe denn eben keinen Wahrsagergeist , sagte der Alte empfindlich , - Die Thorheiten meines Sohns , die mich verdriessen mussten , durft ' ich erfahren ; aber sein Gutes , das mir hätte können Freude machen - - Der Doctor entschuldigte sich , wegen seines Geheimhaltens , mit dem abgenöthigten Versprechen zu schweigen : einem Versprechen , das er vielleicht zu gewissenhaft bis auf den Vater ausgedehnt habe . Die kleine Falschheit , die in dieser Erklärung lag , da vorzüglich um des Vaters willen jenes Versprechen war gefordert worden , glaubte er sich vergeben zu können . - Bald darauf erinnerte er sich einiger Kranken , denen er noch Besuche zu geben hatte , und empfahl sich dem Alten . - Er war schon mehrere Minuten hinaus , als Herr Stark noch in seinem Sessel , von dem er beide Arme bequem herabhangen liess , mit feuchtem Blick vor sich hinschmunzelte , und in Gedanken das unbegreifliche Bild seines geputzten und gepuderten Sohnes anstaunte , wie er vor dem Krankenbett eines Feindes edelmüthige Thränen vergoss , und ganze Monate lang alles Vergnügen aufgab , um in das Chaos vernachlässigter Handlungsbücher Licht und Ordnung zu bringen . - Er ward durch den Besuch von ein paar Fremden gestört , die für die abgebrannte Kirche zu L ... und die mit abgebrannten Pfarr- und Schulgebäude milde Beiträge sammelten . Er nahm sie mit vieler Leutseligkeit auf , und statt der dreissig oder funfzig Reichsthaler , die er sonst vielleicht geschrieben hätte , schrieb er jetzt volle hundert . - Der erste Buchhalter , Monsieur Burg , trat herein , und suchte mit verlegner Miene einen Brief vorzubereiten , worin ein Verlust von mehrern Tausenden als höchstwahrscheinlich vorausgesagt ward . - So etwas fällt in einer Handlung schon vor , sagte der Alte , und gab ihm den Brief , nach nur flüchtiger Durchsicht , mit einer Freundlichkeit wieder , als ob er die angenehmste Nachricht von der Welt enthielte . Den ganzen Abend hindurch war er über die Entdeckung , die er so unvermuthet gemacht hatte , ungewöhnlich heiter und froh ; es war ihm , als ob ihm erst jetzt , in seinem hohen Alter , ein Sohn wäre geboren worden . Als er in seine Schlafkammer ging , gab er vorher der Alten , die solcher ehelichen Zärtlichkeiten schon seit lieben langen Jahren entwöhnt , und daher nicht wenig , aber auch nicht unangenehm , erstaunt war , einen recht herzlichen Kuss . Das Einzige , was ihn noch innerlich ärgerte , war der Umstand : dass an einer Waare , die doch tiefer hinein ein so gutes und feines Gespinnst zeigte , gerade das Schauende so schlecht seyn musste . XVII. Unter so angenehmen Vorstellungen der Alte eingeschlummert war , unter so unangenehmen wachte er auf . Da er sein Herz von der Erzählung des Doctors voll hatte ; so versetzte ihn ein Traum in das Lykische Haus , wo er das Vergnügen genoss , seinen Sohn , mit Schweiss und Staub bedeckt , unter einem Haufen ganz verschiedenartiger , höchst undeutlich durcheinander geworfener Waaren zu sehn , die er mit grossem Fleiss auseinander suchte . Er wollte so eben zugreifen , um ihm zu helfen , als in seiner Einbildung die mit dem Namen Lyk verbundenen Bilder lebendig wurden , und ihn aufs bitterste den Entschluss bereuen liessen , in ein Haus voll so toller Verschwendung und so ärgerlicher Ausschweifung getreten zu seyn . Indessen hielt er den Anblick der prächtigen Zimmer , die in seinen Gedanken sich eher für einen Fürsten als einen Kaufmann schickten , der mit grösstem Überflusse besetzten Tafeln , der umherschwärmenden Bedienten , ja sogar der wilden , lärmenden Trinker , die Champagner wie Wasser hinuntergossen , eine Zeitlang aus ; aber als endlich sein Sohn mit der Hausfrau süsse Blicke zu wechseln anfing , und beide auf einmal in bebänderten Domino ' s , mit Masken in den Händen und rothen Absätzen unter den Schuhen , vor ihm standen : so stürzte er , voll des äussersten Widerwillens , zur Thüre , und dankte dem Himmel , auf die grosse Hausflur hinauszukommen , die ihm aus frühern Jahren , von den Zeiten des alten Lyk her , so wohl bekannt war . Er hob hier sorgfältig beide Rockschösse auf , und drückte sie dicht an den Leib , um unbeschmutzt durch die Packen und Ballen und Kisten und Fässer zu kommen , zwischen denen ehemal nur ein ganz schmaler Weg hindurchging ; aber plötzlich ward er zu seinem Erstaunen inne , dass seine Vorsicht unnütz , und dass die ganze Flur von Waaren so ausgeleert war , wie eine Schatzkammer nach einem Kriege von Gelde . Alle Wände umher hingen voll angezündeter Lampen , und nicht lange , so ertönte aus dem Hintergrunde des Saals - denn das war die Flur nun geworden - eine lustige Tanzmusik : Paar an Paar hüpften , wie unsinnig , gegen-und durcheinander ; und als er sich leise niederdrückte , um wo möglich hinter ihnen weg und zum Hause hinauszuschleichen : tanzte ihm unversehens eine der muntersten und galantesten Frauen der Stadt , von gar nicht gutem Rufe entgegen , riss ihn , wie sehr er sich sträubte , in die Reihe hinein , und wirbelte dann , in Verbindung mit der ganzen Gesellschaft , den guten Alten , der nie als in seiner Jugend ein Tänzchen , und auch da nur ein Ehrentänzchen , gemacht hatte , so unbarmherzig auf und nieder , dass er bei seinem endlichen Stillstehen kaum wieder Athem gewinnen konnte . Er fand sich hier einem Spiegel gegenüber , der ihm seine ganze gegen die übrige Gesellschaft so abstechende Gestalt , zugleich mit seinen grauen Wimpern und den ehrwürdigen Runzeln seines Alters zeigte ;