, diese soll er ruinieren ! « - Als sie ins Hohenfließische einritten , hätten sie einen Abstecher nach Blumenbühl20 , das seitwärts von Pestitz liegt , gleichsam in die Kinderstube Albanos ( Isola bella ist die Wiege ) machen können , wenn dieser nicht fortgeritten wäre aus Heißhunger nach der Stadt und aus Wasserscheu vor einem zweiten Abschiede , der ohnehin nur den reinen Nachklang des ersten verwirrt . Die Reise , die Reden des Vaters , die Bilder des Gauklers , die Nähe der Akademie hatten an unserm Vogel Rok die Flügelfedern - die in seinem Alter zu lang sind , wie die steuernden Schwanzfedern zu kurz - so aufgespreizet , daß sie im enggehäusigen Blumenbühl sich nur verstauchen konnten ; beim Himmel , er wollte ja etwas werden im Staate oder auf der Erde , weil ihn so tödlich jene narkotische Wüste des vornehmen Lebens anekelte , durch dessen Lilienopium der Lust man schläfrig und betrunken wankt , bis man an doppelseitigen Lähmungen umfällt . Man wird es aus der ersten Jobelperiode nicht behalten haben - weils in einer Note stand - , daß Alban niemals nach Pestitz durfte , und zwar aus sehr guten Gründen , die dem Ritter allein bekannt sind , aber nicht mir . Dieser lange Torschluß der Stadt schärfte nur seine Sehnsucht darnach noch mehr . - Sie standen jetzt mit ihren Pferden auf einer weiten Anhöhe , wo sie die Pestitzer Kirchtürme in Westen vor sich sahen und - wenn sie sich umkehrten - unten den Blumenbühler Turm in Morgen ; aus jenen und aus diesem kam zu ihnen ein verwehtes Mittagsgeläute her ; Albano hörte seine Zukunft und seine Vergangenheit zusammentönen . Er sah nieder ins Dorf und hinauf an ein nettes rotes Häuschen auf einem nahen Berge , das ihm wie eine hell bemalte Urne längst ausgewischter Tage nachglänzte ; er seufzete ; er blickte über die weite Baustelle seines künftigen Lebens und sprengte nun mit verhängtem Zügel nach den Lindenstädter Türmen wie den Palmen seiner Laufbahn zu . - Aber das nette Häuschen gaukelte ihm wie ein roter Schatten voraus . Ach hatt ' er denn nicht in dieser Sennenhütte einmal einen träumenden Tag voll Zufälle verlebt , und noch dazu in jener kindlichen Zeit , wo die Seele auf der Regenbogenbrücke der Phantasie trocknes Fußes über die Lachen und Mauern der untern Erde wegschreitet ? - Wir wollen in diesen lieben Tag , in dieses kindliche Vorfest des Lebens , jetzt mit ihm zurückgehen und die frühern Stunden kennen lernen , die ihm so schön mit diesem Kuhreigen der Jugend aus der Sennenhütte nachklingen . - 11. Zykel Es war nämlich an einem herrlichen Jakobustage - und zugleich am Geburtstage des Landschaftsdirektors Wehrfritz , der aber damals noch keiner war - , als dieser am Morgen den Wagen herausschieben ließ , um darin nach Pestitz zum Minister zu fahren und die Dreschmaschine des Staates als Unterhändler der Landschaft versuchsweise in eine Säemaschine umzustellen . Er war ein rüstiger Mann , dem ein Ferientag länger wurde als andern ein Exerzitientag und dem nichts Langweile machte als Kurzweile : » Aber abends « ( dacht ' er ) » mach ' ich mir einen guten Tag , denn es ist einmal mein Geburtstag . « - Sein Angebinde sollte darin bestehen , daß er eines - machte ; er wollte nämlich aus Pestitz dem kleinen Albano einen Österleinschen Flügel aus seinem eignen Beutel - so wenig darin war - und obendrein einen Musikmeister auf Don Gaspards Verlangen mitbringen . Aber warum will man das dem Leser nicht vorher auf das deutlichste auseinandersetzen ? Don Gaspard hatte nämlich in der Revision des Erziehungswesens für Albano gewollt , daß auf dessen körperliche Gesundheit mehr als auf die geistige Superfötation gesehen würde ; der Erkenntnisbaum sollte mit dem Lebensbaume ablaktieret werden . Ach wer der Weisheit die Gesundheit opfert , hat meistens die Weisheit auch mitgeopfert ; und nur angeborne , nicht erworbne Kränklichkeit ist Kopf und Herzen dienlich . Daher hatte Albano in seinem Bücherriemen nicht die vielbändige Enzyklopädie aller Wissenschaften gebückt zu schleppen , sondern bloß Sprachlehren . Nach den Schulstunden der Dorfjugend suchte nämlich der Rektor des Orts - namens Wehmeier , bekannter unter dem Titel : Schachtelmagister - seine schönsten Struveschen Nebenstunden , seine Otia und Noctes hagianae darin , daß er ihn unterwies und in die von innern Strömen angefaßte Mühlwelle des ewig regen Knaben alphabetische Stifte zu einer Sprachwalze einschlug . Freilich aber wollte Zesara bald etwas Schwerers bewegen als die Sprach-Tastatur ; so wurde z.B. die Sprachwalze im eigentlichen Sinne zur Spielwalze ; denn stundenlang versucht ' er auf der Orgel des Orts ohne sonderliche Kenntnis des Kontrapunkts ( er kannte keine Note und Taste und stand unter dem Orgelstücke auf dem fortbrausenden Pedale fest ) sich in den entsetzlichsten Mißtönen , wogegen die Enharmonika aller Piccinisten verstummen muß , senkte sich aber desto länger und tiefer in den zufälligen Treffer eines Wohllauts ein . - Ebenso arbeitete sich die saftvolle Seele gleichsam in Laubknöpfen , Holztrieben und Ranken aus und machte Gemälde , Tongebilde , Sonnenuhren und Plane aller Art , und sogar in den juristischen Felsen des Pflegevaters , z.B. in Fabris Staatskanzlei , trieb sie , wie oft Kräuter in Herbarien , ihre durstigen Wurzeln herum und über die dürren Blätter hinaus . O wie schmachtete er ( so wie in der Kindheit von Oktav- zu Quart-Büchern , von Quart zu Folio , von Folio bis zu einem Buche so groß wie die Welt - welches eben die Welt ist ) jetzt nach geahneten Lehren und Lehrern ! - Aber desto bessert Nur der Hunger verdauet , nur die Liebe befruchtet , nur der Seufzer der Sehnsucht ist die belebende aura seminalis für das Orpheus-Ei der Wissenschaften . Das bedenket ihr nicht , ihr Fluglehrer , die ihr Kindern den Trank früher gebt als den Durst , die ihr wie einige Blumisten in den gespaltenen Stengel der Blumen fertige Lackfarben , und