, aus so dankbarem und so naheliegendem Stoff eine Sage ins Leben zu rufen . Wir freuen uns , daß die Sage da ist , möchten sie nicht missen , aber sie ist eben Sage und nicht mehr . Der Beweis ist mit Leichtigkeit zu führen . Das Bildnis selbst belehrt uns in seiner Umschrift , daß es gemalt wurde , als Kaspar von Uchtenhagen ist » vierthalb Jahre alt gewest « . Er muß also , da wir die Birne auf diesem Bilde bereits erblicken , besagte Birne , wenn er sie überhaupt aß , mit viertehalb Jahren gegessen haben . Kaspar von Uchtenhagen starb aber erst sechs Jahre später , und würden wir , um der Sage gewaltsam eine historische Grundlage zu geben , durchaus annehmen müssen , daß die durch Brauen von Gifttränken niemals berühmt gewesene Mark Brandenburg eine selbst Italien überbietende Meisterschaft in der Aqua-Tofana-Kunst besessen habe . Kaspar von Uchtenhagen , wie uns sein eigen Bild am besten belehrt , starb einfach daran , daß seine Seele von Geburt an in einem halbverklärten Leibe gewohnt hatte . Er starb und ward in » der Gruft unterm Altar beigesetzt « . An der hintern Wandung des Altars aber , schlecht übermalt und minder gut erhalten als das erste , bereits beschriebene Bildchen , begegnen wir einem zweiten Bilde des Knaben , das ihn uns zeigt , wie der nunmehr Neunjährige , blaß und die Ruhe des Todes auf der Stirn , im offenen , blumenüberstreuten Sarge liegt . Er trägt ein weißes Sterbehemd und in dem glattanliegenden Haar einen blühenden Rosmarinkranz ; um den Hals aber schlingt sich ein schwarzes Band , daran , bis zur Brust hernieder , eine Schaumünze und ein länglich viereckiges Medaillon hängen . Eine Unterschrift gibt Tag und Stunde seines Todes ; die Wappen der Sparrs und der Uchtenhagens schieben sich in die oberen Ecken des Bildes ein , und daneben lesen wir , nicht ohne an den Vollklang lateinischer Kirchenlieder erinnert zu werden : Ah tibi Jesu lectulum In me para mollissimum , Meo quiesce pectore Et intime servabo te ; Worte , denen als deutscher Text der dreizehnte Vers von Luthers Liede : » Vom Himmel hoch da komm ' ich her « beigefügt ist : Ach mein herzliebes Jesulein , Mach Dir ein rein sanfft Bettelein , Zu ruh ' n in meines Herzens Schrein , Daß ich nimmer vergesse Dein . Noch wenige Worte . Kaspar von Uchtenhagen ruhte bereits länger denn zweihundert Jahr in der Gruft seiner Väter und wenige waren es , die nach dem Bilde hinterm Altar blickten . Das blasse Gesicht und der Rosmarinkranz im Haar rührten kein Herz mehr und kaum jemand existierte , für den die Schaumünze und das Medaillon , die auf dem Herzen des Knaben ruhten , eine Bedeutung gehabt hätten . Man nahm sie als Ornament , als Einfall des Malers . Da , während der zwanziger oder dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts , als ein Umbau nötig geworden , stiegen die Uchtenhagens noch einmal aus ihrer Gruft an das Tageslicht hinauf , und in langer Reihe , das Kirchenschiff hinunter , standen ihre Kupfer- und Eichensärge . Vor dem Altar aber stand ein kleiner Sarg , der Sarg Kaspars von Uchtenhagen . Man nahm den Deckel ab , und siehe da , da lag das Kind ganz wie auf dem Bilde mit Kranz und Krause . Erst bei der Berührung zerfiel alles zu Staub und Form und Hülle waren hin . Aber das schwarze Seidenband hielt noch und an dem Seidenbande hingen , wie das Bildnis es zeigt , eine Schaumünze und ein Medaillon . Beide werden aufbewahrt und sind eine Sehenswürdigkeit von Stadt und Kirche . Die Schaumünze hat das übliche Ansehen , das Medaillon aber , etwa anderthalb Zoll lang und einen Zoll breit , ist in zierlichster Weise den Formen eines alten Gebetbuches nachgebildet , mit geripptem Rücken und zwei kleinen Klammern daran . Diese Klammern sind festgenietet und öffnen also weder sich selbst noch das Buch , wohl aber bewegt sich an der Stelle , die dem Schnitt des Buches entsprechen würde , ein kleiner Schieber hin und her und ermöglicht , eine Reliquie oder eine geweihte Hostie in das Büchelchen hineinzulegen . Nichts derart indessen ward an jenem Tage , wo die Särge noch einmal ans Licht emporstiegen , in dem goldenen Büchelchen gefunden und nur ein Zettel fiel heraus , auf dem geschrieben stand : Psalm 63 , 10. Diese Stelle aber lautet : » Sie aber stehen nach meiner Seele , mich zu überfallen « und die darinliegende Hindeutung hat der alten Sage , wie sie vorstehend erzählt wurde , zu neuem Leben verholfen . Ja , sie wächst wieder . Um Mitternacht , so heißt es jetzt , glühen die Fenster der alten Kirche plötzlich in rotem Lichte auf , und die Gestalt Kaspars von Uchtenhagen in weißem Sterbekleide und mit glattanliegendem Haar tritt vor den Altar und spricht leise aber vernehmlich das Kirchenschiff hinunter : Alle Liebe ist nicht stark genung , Ich muß doch sterben und bin so jung . Und wenn der Ruf verhallt ist , erlischt der rote Schein in den Fenstern und alles ist wieder wie zuvor . So erzählen Sage und Geschichte vom alten Geschlecht der Uchtenhagens . Buckow Buckow Das dritte , das dritte noch wissen wir ' s nicht , Doch bleibt es das Best ' an der ganzen Geschicht ' , Courage , Courage ! Chamisso Buckow hat einen guten Klang hierlands , ähnlich wie Freienwalde , und bei bloßer Nennung des Namens steigen freundliche Landschaftsbilder auf : Berg und See , Tannenabhänge und Laubholzschluchten , Quellen , die über Kiesel plätschern , und Birken , die vom Winde halb entwurzelt , ihre langen Zweige bis in den Waldbach niedertauchen . Ja , Buckow ist schön , aber doch mit Einschränkung . Es hängt alles davon ab , ob wir Buckow die Gegend oder Buckow die Stadt meinen ; – allen