geworden . » Ich könnte mich entschließen , « antwortete ich , » wenn ich nur gewiß wäre , wenn ich nur die feste Überzeugung hätte , es sei Gottes Wille , daß ich Sie heiraten soll ! Dann würde ich hier und jetzt schwören – möge später kommen was da wolle ! « » Mein Gebet ist erhört ! « rief St. John aus . Er preßte seine Hand fester auf meinen Kopf , als nähme er Besitz von mir . Er legte seinen Arm um mich , beinahe als wenn er mich liebte ( ich sage beinahe , – ich kannte den Unterschied ja – denn ich hatte empfunden , was es heißt , geliebt zu sein ; aber gleich ihm hatte ich die Liebe jetzt beiseite gelassen und nur an die Pflicht gedacht ) ; ich kämpfte noch mit meiner unklaren inneren Sehkraft , welche durch Nebel und Wolken getrübt war . Heiß und innig und tief sehnte ich mich danach , das zu thun , was recht war – und sonst nichts . » Zeige mir , o , zeige mir den rechten Pfad , gütiger Himmel ! « flehte ich . Ich war erregt , wie ich es noch niemals gewesen . Und ob das , was folgte , die Wirkung meiner Aufregung war , mag der Himmel selbst beurteilen . Das ganze Haus lag in tiefer Ruhe ; denn ich glaube , daß außer St. John und mir alle sich bereits zur Ruhe begeben hatten . Die einzige Kerze war dem Verlöschen nahe . Das Mondlicht fiel hell ins Zimmer , Mein Herz schlug laut und heftig , ich hörte jeden Pulsschlag . Plötzlich stand es still unter einer unbeschreiblichen Empfindung , die es durchzitterte und mich an Kopf und Händen und Füßen lähmte . Die Empfindung war nicht wie ein elektrischer Schlag , aber ebenso scharf und seltsam und beängstigend ; sie wirkte auf meine Sinne , als sei ihre äußerste Thätigleit und Rastlosigkeit bis jetzt nur eine Art Erstarrung gewesen , aus welcher sie nun aufgerüttelt und geweckt wurden . Sie harrten voll Erwartung , Auge und Ohr waren gespannt , wahrend jeder Nerv in mir erzitterte . » Was hast du gehört ? Was siehst du ? « fragte St. John . Ich sah nichts . Aber ich hörte irgendwo eine Stimme , die rief : » Jane ! Jane ! Jane ! « Sonst nichts . » O Gott , was ist das ? « stieß ich hervor . Ich könnte ebensogut ausgerufen haben : » Wo ist es ? « denn es schien nicht im Zimmer zu sein – nicht im Hause – nicht im Garten . Es kam nicht aus der Luft – nicht aus dem Erdboden – nicht von oben . Ich hatte es nur vernommen – wie oder wo , wäre unmöglich zu sagen ! Und es war die Stimme eines menschlichen Wesens – eine bekannte , geliebte , nie vergessene Stimme – die Stimme Edward Fairfax Rochesters ; und sie schrie stehend und jammernd , in wildem Schmerz . » Ich komme ! « rief ich . » Warte auf mich ! O ! ich will kommen ! « Ich flog an die Thür und sah in den Korridor hinaus , er war dunkel . Ich lief in den Galten ; er war leer . » Wo bist du ? « rief ich aus . Die Hügel hinter der Schlucht sandten die Antwort gedämpft zurück : » Wo bist du ? « Ich lauschte . Der Wind seufzte leise in den Föhren , Nichts als einsames , ödes Moorland und mitternächtliche Stille . » Fort mit dir , Aberglaube ! « befahl ich , als sich dies düstere Gespenst unheimlich neben dem schwarzen Eibenbaum an der Pforte erhob , » Dies ist nicht dein Trug , nicht deine Zauberei – dies ist das Werk der Natur . Sie war geweckt und that – kein Wunder – wohl aber ihr äußerstes . « Ich riß mich los von St. John , der mir gefolgt war und mich zurückhalten wollte . Jetzt war meine Zeit gekommen , Gewalt zu üben . Jetzt mußte ich meine Macht zeigen . Ich sagte ihm , er solle weder Fragen stellen noch Bemerkungen machen ; ich bat ihn , mich zu verlassen ; ich mußte und wollte allein sein . Er gehorchte sofort . Wo genug Energie vorhanden ist um zu befehlen , bleibt der Gehorsam niemals aus . Dann ging ich in mein Zimmer , schloß mich ein , fiel auf die Kniee und betete auf meine Weise – anders als auf St. Johns Weise , aber wirkungsvoll nach ihrer Art. Mir war , als dränge ich hinauf zu dem Geist der Allmacht , und meine Seele ergoß sich in Dankbarkeit zu seinen Füßen . Ich erhob mich vom Gebet – faßte einen Entschluß – und legte mich dann zur Ruhe , ohne Furcht , voll Hoffnung – mit Sehnsucht den Anbruch des Tages erwartend . Sechzehntes Kapitel . Und der Tag kam . Beim ersten Morgengrauen erhob ich mich . Ein ober zwei Stunden war ich damit beschäftigt , die Sachen , die Schiebladen und Schränke in meinem Zimmer zu ordnen , um alles so zurückzulassen , wie es für die Dauer einer kurzen Abwesenheit sein mußte . Inzwischen hörte ich St. John sein Zimmer verlassen . An meiner Thür blieb er stehen ; ich fürchtete , daß er anklopfen würde – nein ; ein Streifen Papier wurde durch die schmale Spalte unter der Thür hereingeschoben . Ich nahm ihn auf . Er enthielt folgende Worte : » Gestern abend hast du mich zu plötzlich verlassen . Wenn du nur noch ein wenig länger geblieben wärest , so hättest du deine Hand endlich auf das Kreuz des Christen , die Krone des Engels gelegt . Wenn ich heute über vierzehn Tage zurückkehre , erwarte ich deinen klaren , endgiltigen Entschluß , Inzwischen wache und bete , daß du nicht