Sie das Haus . Sonnabends kommen Sie so um die neun Uhr vor dasselbe , und wir reden alsdann ab , was wir sonntags beginnen wollen . Die Woche durch aber schaffen wir still und zufrieden drauflos ! O wie lieb ist die Arbeit , wenn man dabei an was Liebes zu denken hat und sicher ist , am Sonntag mit ihm zusammen zu sein . Und wenn wir erst so weit sind , daß wir im Stübchen bleiben und uns zusammentun , so mag es regnen und stürmen , wir sitzen ruhig und lachen den Himmel aus ! « » Aber woher weißt du denn , du gutes liebes Kind , daß alles so erwünscht ausfallen und gehen wird , was mich betrifft ? Woher kennst du mich denn ? « » Da sei ohne Sorge , ich kenne dich schon so ein wenig , und etwas wagen muß das Herz und früh auf sein , wenn es leben will ! Wenn du wüßtest , was ich schon gesehen und erfahren habe ! Und wenn es dir an Arbeit fehlen sollte , so kann ich sie dir verschaffen , ich komme weit herum und höre und sehe mehr , als mancher glaubt ! « Sie hatte sich an meinen Arm gehängt und ging fest und munter neben mir her , ein kleines Liebeslied summend und immer dasselbe wiederholend . Ich traute meinen Sinnen kaum , mitten in der Not und Bedrängnis , in die ich geraten war , auf der vermeintlich dunkelsten Tiefe des Daseins so urplötzlich vor einem Quell klarster Lebenswonne , einem reichen Schatze goldenen Reizes zu stehen , der wie unter Schutt und dürrem Moose verborgen hervorblinkte und schimmerte ! Den Teufel auch ! dachte ich , das Völklein hat ja wahre Hörselberge unter sich eingerichtet , wo der prächtigste Ritter keine Vorstellung davon hat ; wie es scheint , muß man selbst arm werden , um die Herrlichkeit zu finden ! » Was studieren Sie denn so fleißig ? « sagte Hulda , ihr Liedchen unterbrechend . » Nun , ich betrachte mir eben das schöne Glück , das ich so unverhofft gefunden habe ! Darüber darf man doch ein bißchen erstaunt sein ? « » Ei , was sind das für aufgeputzte Worte ! Wie aus einem Lesebuch ! Aber wenn ich es bedenke , so hab ich schon ein paarmal gemeint , du redest und tätest nicht wie ein richtiger Arbeitsgesell . Du hast vielleicht schon bessere Zeit gehabt und eigentlich nicht ein Handwerker werden sollen ? « » Ja , es ist so was ! Aber nun bin ich zufrieden , besonders heut ! « » Komm , komm ! « sagte sie , umhalste mich und küßte mich mit süßester Innigkeit , daß ich wie im Rausche weiter mit ihr ging ; denn unser Weg war lang . Ich hatte aber meine vorhinnigen Worte nicht gelogen , sondern setzte sie in Gedanken fort : Warum sollst du nicht untertauchen in diese glückselige Verborgenheit , allem ideal- und ruhmsüchtigen Treiben entsagend ? Warum solltest du nicht gleich morgen wieder solcher Arbeit nachgehen , wie du seit Wochen verrichtet hast , ein Arbeiter unter Arbeitern sein , deines bescheidenen Brotes jeden Tag gewiß und jeden Abend deine stille Ruhe findend an diesem zarten Busen , der einer so langen Jugend entgegenblüht ? Schlichte Arbeit , goldene Liebe bei zufriedenem Brot , was willst du mehr ! Und kann am Ende nicht noch etwas Besseres dabei herauskommen , insofern es irgend zu wünschen ist ? Als wir endlich vor der Haustüre der Hulda anlangten , war ich überzeugt , ein echtes und glückhaftes Abenteuer erlebt zu haben , und versprach , am nächsten Samstagabend unfehlbar dazusein . Andere spät Heimkehrende verhinderten eine letzte Abschiedszärtlichkeit , und sie schlüpfte nach einigen höflichen Dankesworten für die Begleitung rasch neben jenen hinein . Der Mond näherte sich seinem Untergange . Ein starker Wind bewegte die Tausende von Fahnen in den stillgewordenen Straßen , daß es überall , in der Tiefe und auf der Höhe der Häuser und Türme , wallte und flatterte , wie von Geisterhänden bewegt . Aber auch in meinem Innern , durch alle Adern wogte und rauschte erst jetzt die erwachte Leidenschaft , wild und sanft , süß und frech zugleich , die Hoffnung , ja Gewißheit , in wenigen Tagen von einem Schatze geheimer Glücksgüter Besitz zu nehmen , die ich mir vor Stunden noch nicht hätte träumen lassen . So kehrte ich in meine verödete Wohnung zurück , die ich seit der letzten Morgenfrühe nicht mehr betreten hatte . Sechstes Kapitel Heimatsträume Der Tod war in dem Hause eingekehrt , in welchem ich wohnte ; ich mußte ihm sozusagen auf der Treppe begegnet sein . Am Nachmittage war die Wirtin in die Wochen gekommen , und nun lag sie mit zerstörtem Leben in der matt erleuchteten Stube neben einem toten Kinde . Ich mußte an der offenen Türe vorübergehen ; eine Wehmutter und eine Nachbarin räumten auf und beschwichtigten die weinenden Kinder , die aus ihrer Schlafkammer hervorgebrochen waren . Auf einem Stuhle saß der kurz vor mir heimgekehrte Mann , der seit dem Mittage den Aufzügen und Lustbarkeiten nachgegangen und erst kurz vor mir angekommen , da man ihn an den gewohnten Orten nirgends hatte finden können . Er übte seinen Beruf außer dem Hause auf mir unbekannte Art , und was er verdiente , brauchte er zum größten Teil für sich allein . Die tote Frau war der Eckstein und die Erhalterin der Familie gewesen . Nun saß der Mann wortlos , ratlos und bleich mitten in dem Jammer ; denn die Röte der herumschweifenden Heiterkeit war gründlich aus seinem Gesichte gewichen , und statt den Schlaf suchen zu können , mußte er wach bleiben , ohne zu nützen oder zu helfen . Er betrachtete mit scheuem Blicke das in ein Tüchlein gewickelte undeutliche Wesen , welches in einem Getümmel von Schmerzen und Leiden vergangen war , noch eh es