zu erwähnen , und ich hatte es nicht gethan , weil es mir eine kindische Eitelkeit däuchte , mich ausdrücklich vor einem Mädchen verleugnen zu lassen , das möglicherweise gar nicht nach mir fragte . Indessen mußte ich fast glauben , daß Paula meinen Wunsch , ohne daß ich ihn ausgesprochen , geahnt und erfüllt , und daß man dort nichts von mir wußte . Wenn ich auch der schönen Hermine vollkommen gleichgültig war , so nahm ich doch - darauf hätte ich schwören mögen - in dem menschenfreundlichen Herzen ihrer Duenna einen nicht unbedeutenden Platz ein , und sie hätte gewiß nicht unterlassen , nach ihrem » Richard « treu zu suchen , bis sie ihn gefunden . Es lag , mit einem Worte , über dieser Angelegenheit ein Nebel , der sich für mich erst viel später , vielleicht zu spät lüften sollte . Nur die Wärme fiel mir einige Male auf , mit welcher Paula , besonders in letzterer Zeit , über Hermine gesprochen . Es ist , hatte sie einmal gesagt , ein reizendes Geschöpf , mit den herrlichsten Anlagen , aus der etwas ganz Vorzügliches werden kann , wenn sie den rechten Mann findet ; - und ein andermal : der Glückliche , der sich diesen Schatz erobert ! aber freilich , es muß ein ganzer Mann sein , denn ich glaube , der Schatz ist noch schwerer zu behaupten , als er zu erobern ist . Wußte Paula , daß nach jener merkwürdigen Begegnung auf dem Dampfschiff , als der Wanderer seine einsame Straße nach der Hauptstadt zog , die blauen Augen Herminens seine Sterne gewesen waren ? Wollte sie , indem sie mir gegenüber das schöne Mädchen so lobte - und sie wußte , welche hohe Bedeutung ihr Lob für mich hatte ! - wollte sie mir die Thorheit von gewissen Gedanken , die sich in meiner Seele geregt hatten , klar machen ? aber weshalb das ? Welchen Grund hatte ich ihr gegeben , mich dieser Thorheit zu beschuldigen ? Hier war ein Geheimniß , eine dunkle Wolke zwischen mir und Paula ; und es war nicht die einzige und leider nicht die dunkelste . Ich hatte ihr - und wie hätte ich es sollen ! - kein Wort , keine Silbe von meiner unseligen Begegnung mit Konstanzen gesagt . Es war das eine Wunde , an die ihre reine Hand nicht rühren durfte , eine Wunde , die so still für sich hin bluten und ausbluten und heilen mußte . Aber es ist ein eigen Ding um so eine heimliche Wunde , die man sorgfältig verbirgt und verbergen muß . Sie thut uns doppelt und dreifach weh und heilt doppelt und dreifach langsam , und das Schlimmste ist , daß man ein böses Gewissen dabei hat und sich vor der Berührung der liebsten Hand scheut , weil man immer fürchtet , diese Hand möchte unversehens einmal die schmerzliche Entdeckung machen . So war es auch zwischen mir und Paula in diesem Falle . Ich war noch nie so selten zu ihr gekommen , hatte noch nie in den Gesprächen mit ihr meine Worte so sorgsam überlegt , ja es kamen Augenblicke , in welchen mir die sich stets gleich bleibende Güte des liebenswürdigsten und edelsten Wesens geradezu peinlich war . Ich zitterte vor dem Momente , wo das Gespräch einmal auf Konstanze kommen , oder Paula erfahren würde , daß Konstanze und die schöne Bellini eine und dieselbe Person seien . Wußten doch , wenn auch Niemand sonst , der junge Fürst Prora gewiß und Arthur sehr wahrscheinlich um das Geheimniß ! Aber meine Sorge schien unnöthig . Weder der Fürst noch Arthur hatten sich wieder bei Paula sehen lassen , und beiläufig erfuhr ich einmal , daß der Fürst , nachdem er ein paar Wochen hindurch die Residenz durch seine Verschwendung und seine Ausgelassenheit in Aufruhr gebracht , von seinem Vater nach Rossow geschickt sei und daß Arthur ihn begleite . Um dieselbe Zeit verkündeten die Zeitungen , die sich damals ein gut Theil eingehender mit dergleichen Dingen beschäftigten , als in unseren vielbewegten Tagen : der Intendant der königlichen Bühne habe die junge Künstlerin , welche seit Kurzem in dem Albert-Theater so gefeiert wurde , sofort geworben und gewonnen ; da es aber entscheidenden Orts für unpassend erachtet sei , einen Stern , wenn er auch noch so sehr glänze , ohne Uebergang aus einer relativ niederen Sphäre in die hohe der königlichen Bühne zu versetzen , habe man dem Fräulein Bellini sofort einen mehrmonatlichen Urlaub ertheilt , den sie zur Ausfüllung gewisser Lücken ihres Repertoirs und zu noch sorgfältigerer Schulung ihres eminenten Talentes anwenden solle , und sie habe dieserhalb eine Reise nach Paris angetreten , zugleich - andere Blätter sagten in Begleitung - mit dem bisherigen ersten Liebhaber vom Albert-Theater , Herrn Lenz , welcher ebenfalls für die königliche Bühne geworben war , oder - sagten andere Blätter - hatte geworben werden müssen , weil die ebenso eigensinnige , als schöne Bellini das Engagement des genannten Herrn zur Bedingung ihres eigenen Engagements gemacht hatte . Bei dieser Gelegenheit brachten die Blätter auch die interessante Mittheilung , daß der genannte Herr Lenz eigentlich von Sommer heiße und der Sohn eines hohen Beamten - des Ministers , sagten andere Blätter - eines kleinen Nachbarstaates sei . Auch die Herkunft der schönen Bellini solle in höhere Regionen weisen , aber man sei bis jetzt nicht im Stande - die Discretion verbiete , sagten andere Blätter - den geheimnißvollen Schleier zu lüften . Ich athmete hoch auf , wie ein Furchtsamer , wenn die Glocke Eins schlägt . Das Gespenst mag in der nächsten Nacht wieder kommen , aber drei und zwanzig Stunden hat er wenigstens Ruhe . Ich konnte ein paar Monate lang sicher sein , ihr nicht zu begegnen ; ich konnte des Abends , wenn ich von Paula kam , durch die Straßen gehen , in welcher sie wohnte , ohne die Fensterreihe ihrer Wohnung erleuchtet oder ein