... Was kann der Mönch dort wollen ? Er scheint zu handeln ? Um was ? Er zeigt auf seine Kutte ... sieht er dich ? Vorübergleitend entschlüpft der Lauscher . Sein sonst so elastischer Spürsinn ist heute frei von aller Unternehmungslust . Wankend schreitet auch er dahin ... nimmt einen Weg , er weiß es selbst nicht wohin ... an den Straßenecken wird ein Anschlag der Polizei angeheftet ... Hundert Thaler dem , der eine Spur zur Entdeckung des Mörders der Frau Hauptmann von Buschbeck angibt ... Sonst war er so flink , solche Summen zu verdienen , er , der alle Spelunken der Stadt , die Herbergen der Freude und des Raubes kennt ... Weiter wankt er , grüßt und achtet nicht des ausbleibenden Gegengrußes ... Gewohnt scheint er das ... Sonst studirt er jedem , den er grüßt , eine Frage nach seiner Lage , nach seinem Thun und Treiben und eine selbstgegebene Antwort an ... Auch heute hätte er Gelegenheit gehabt , seine gewohnten Glossen zu machen . Da fährt Herr Bernhard Fuld in einem eleganten Coupé mit seinem jungen Weibchen neben sich in ihre Villa hinaus nach Drusenheim ... Der Späher scheint zu denken : Sie fahren wie mit Extrapost ! Man glaubt wegen des europäischen Gleichgewichts und vielleicht ist nur eine neue Toilette aus Paris gekommen , die sich vor Ungeduld Madame selber abgeholt hat ! In einem Gig fuhr sich hinter ihm her der Freund der Fulds , Herr Gebhard Schmitz ; ein Groom sitzt neben ihm , die Hände ineinander geschlagen , wie wenn er der Herr wäre ... Der Späher sieht ihm nach und weiß vielleicht schon : Ist die bestellte Caricatur am nächsten Sonntag fertig , wenn ihr eure Landpartie macht ? Ein offen zurückgeschlagener großer Wagen mit zwei Damen und einem Herrn biegt um eine Straßenecke ... Der Späher erschrickt im ersten Augenblick , zieht tief den Hut und blickt dem Wagen nach : Madame Hendrika Delring ! Sie fährt vor dem Fünfuhr-Diner noch mit ihrem Mann aufs Land , weil sie von einer Gelegenheit gehört haben , für den ersten - gemischten - Enkel des Hauses Kattendyk eine vortreffliche Amme zu bekommen ... Die neue Gesellschafterin wol bei ihr ? ... Nein ! Die schreibt an ihren Freund Hunnius , daß im Domstift immermehr Platz wird ... Oder ist es die Kleine - Aufschreckend wankt der Beobachter dahin ... immer weiter und weiter ... allmählich ermannt er sich und tritt in eine Weinschenke , sich in der Hitze eines Nachsommertages zu stärken ... Doch des Redens über den Mord auch hier kein Ende ... Man klagt die Frau Hauptmännin an und sagt fast , ihr wäre recht geschehen , und schon setzt er an , sie zu vertheidigen und eine ganze Rede wickelt sich in ihm auf : Sehr wohl kannt ' ich die Aermste , aber glauben Sie mir , meine verehrtesten Herrschaften , sie war mehr krank als böse ! Die Vortrefflichste glaubte an die Seelenwanderung und war in Fledermäuse verliebt , weil sie hoffte , die würden sie einst durch die Lüfte ins Jenseits tragen ! ... Für den König der Fledermäuse sparte sie gefangene Mäuse und Batzen und Coupons ... O wie oft habe ich sie gebeten , ihre Guitarre neu beziehen zu lassen ! Aber nur zwei Saiten wollte sie auf ihr dulden ; die eine war sie , die andere Bruder Hubertus im Kloster Himmelpfort , genannt der » Abtödter « ... Wie oft pfiff sie mir sein Leiblied , als er noch schmuck und grün durch die Wälder daherkam aus Holland und Java , wo ihn die Indier gelehrt hatten , wie man Menschen so weit bringen kann , nur noch dreißig Pfund zu wiegen , die Hälfte vom Nettogewichte meines Bauches vor dem Mittagessen ! .. O ihr hättet sie sehen sollen , die Frau » Baronin « , wenn sie die Thür verschlossen hatte und durch das Schlüsselloch mit mir über den Stand der Zinsen und die Leiden der westfälischen Domänenkäufer sprach , deren Obligationen so werthloses Papier geworden sind ! ... Das Schluchzen dann hinterm Schlüsselloch hätte euch gerührt und ihr hättet ein Gemüth bewundert , das dreißig giftige Pfeilspitzen liegen hatte und doch allen denen vergab , die sie beschuldigten , ihre Dienstboten nur aus bösem Herzen zu quälen , während es nur ihr unglückseliges Loos war , daß sie in der Nacht Mitgefühl bedurfte , zufällig zu einer Stunde , wo frische und gesunde junge Mädchen zu schlafen pflegen ! ... Eine , ja Eine , die ist ihr einmal zu Dank gewesen ! Das hat sie mir oft erzählt ! Die blieb ein Jahr , neun Monate , funfzehn Tage , drei Stunden bei ihr ! Die hat sie dann aber auch , so sagte sie oft , ausgestattet wie eine Prinzessin ! Auf ein vornehmes Schloß hat sie sie gegeben , wo sie wie eine Prinzessin gehalten wurde ; nur seidene Kleider und goldene Spangen mit Juwelen durfte sie da tragen ; aber sie war ja selber schuld , kicherte die gute Baronin hinterher , daß sie ' s nicht lange genoß ... der Nickel wollte auch die Krone haben ! sagte sie . Und dann hustete die Edle wie aus feuchten Kellern heraus die liebreichen Worte : Na aber , da haben wir sie schön abgeführt ! Möglich , daß der wirkliche Vortrag dieser Erzählung durch die Erinnerung an das grelle Lachen gehindert wurde , in welches die Hingeopferte nach solchen und ähnlichen vertrauten Mittheilungen sich in Gegenwart ihres guten Freundes und Rathgebers zu verlieren pflegte ... Oder was ist es , daß er die Weinschenke verläßt ? .. Es ist drei Uhr ... Am Hahnenkamp begegnen ihm vier fröhliche Menschen , unter ihnen sein wärmster Beschützer nächst Dominicus Nück , der Assessor von Enckefuß ... Aber ha ! Auch Benno von Asselyn , dem er noch gestern Abend so dicht unter die Augen getreten , als wollte er sagen : Sieh mich