sein müsse , wenn er auch das Räthsel nicht lösen konnte , wie die Stummen des Kislar-Aga dazu gekommen waren , die offenbar dem Tode Geweihte dem fremden Boote zu übergeben . Es war jedoch keine Zeit , sich jetzt mit der Lösung dieser Frage zu beschäftigen , und da es ihm wichtig schien , das Mädchen selbst zu sprechen und von ihr vielleicht über die Anschläge der Sultana weitere Auskunft zu erhalten , wurde beschlossen , daß sie vorläufig noch in dem Hause des Fanarioten verborgen bleiben und erst später über ihr weiteres Schicksal entschieden werden solle . Während Caraiskakis bei dem Baron blieb , ihn in seinen Anstalten zu unterstützen , kehrte Geurgios nach dem Fanar zurück und machte seiner schönen Gefangenen die Mittheilung , daß sie um ihrer Aller Sicherheit willen an ihrem jetzigen Zufluchtsorte still und einsam verborgen bleiben müsse . Er versorgte sie mit allen Bedürfnissen reichlich und schloß sie dann auf ' s Neue ein . Dem leichtsinnigen eitlen Mädchen , das die Todesangst des vorigen Abends längst überwunden , war die Gefangenschaft und Einsamkeit wenig willkommen , und je länger sie dauerte , um so drückender wurde sie ihr . Die Kenntniß des griechischen Lebens versprach ihr ohnehin wenig Genuß und Zerstreuung für die Zukunft , wenn sie eingesperrt blieb , und schon dachte sie daran , wie sie sich von diesen neuen Fesseln befreien könne . Daß ihr Retter und neuer Liebhaber ein Grieche und nicht ein Franke war , wie sie Anfangs gehofft hatte , behagte ihr wenig , denn von dem freien und genußreichen Leben der fränkischen Frauen haben die orientalischen Weiber einen ausschweifenden Begriff und sind daher auch stets geneigt , gerade mit Fremden ein Liebesverhältniß anzuknüpfen . Von Geurgios hatte sie erfahren , daß ihr neuer Beschützer vor dem späten Abend nicht zurückkehren werde , und die Langeweile und das Bedürfniß der Zerstreuung trieb sie daher an die Jalousieen , die nach dem Horn und nach einer einsamen von Mauern gebildeten Gasse zeigten . Hier hatte sie schon am Vormittag die umherstreifenden englischen Midshipmans bemerkt , und als sie am Mittag auf ' s Neue Frank gewahrte , konnte sie die Eitelkeit und Lust der Intrigue nicht unterdrücken und zeigte sich ihm an den geöffneten Jalousieen . Der junge Mann blieb , entzückt von so viel Reizen und seinem Glück , stehen . » Schöne Dame , « sagte er galant und mit allem Aufwand orientalischer Poesie , dessen er fähig war , » der Strahl der Sonne ist Nichts im Vergleich mit Euren glänzenden Augen , Eure Lippen sind wie aufgeblühte Rosen und ich bringe Euch meine Huldigung über solche vollendete Schönheit . « Das Mädchen lachte , obschon sie von der unsinnigen Begrüßung Nichts verstanden hatte . Sie machte ihm durch Zeichen deutlich , daß sie von seinem Englisch Nichts begriffe und fragte in der lingua franca , ob er diese oder griechisch verstehe . Der wackere Frank war in Letzterem freilich nicht bewandert , aber da er ein Jahr lang auf der Station in Malta zugebracht , kannte er genug von der Sprachenmelange , die man mit der erstern Benennung beehrt , und vom Italienischen , um sich verständlich zu machen , und so wiederholte er sein Compliment in der angedeuteten Mundart , wenn auch nicht ganz so zierlich . » Wer bist Du ? « fragte die Odaliske . » Der Teufel soll den Tiger holen , das alte Rattennest ! « sagte Frank wohlgefällig , » wenn ich nicht einer seiner Offiziere bin . Jedenfalls aber , schöne Dame , bin ich ein britischer Gentleman . « » Bist Du reich ? « lautete die weitere Frage . Der Midshipman fand sich durch den Zweifel gekränkt und um den britischen Ruf zu bewahren , griff er in die Tasche und konnte , da die Güte seines Bruders ihn noch am Tage vorher reichlich versehen , eine stattliche Hand von Souverain ' s und Kronenstücken der Schönen produziren . » Wenn Du ein Franke bist und reich und ein Offizier , « sagte mit einem überaus zärtlichen Blicke die Kokette , » so möchte ich wohl mit Dir entfliehen . Du würdest mich beschützen , nicht wahr ? « » Potz Haifisch , « murmelte der junge Mann , » das geht rasch hier zu Lande ! - Wer bist Du denn eigentlich , schöne Dame ? « fragte er . » Ich heiße Nausika und bin eine Obaliske des Großherrn , « erzählte die leichtsinnige Schöne . » Aber ich bin hier eine Gefangene und wer weiß , welches Leid mir noch geschieht . Wenn Du mich retten willst , werde ich Dein Glück machen . Du gefällst mir - und ich habe immer gehört , daß die Inglis Alles in diesem Lande thun dürfen , was selbst die Türken nicht wagen . « Eine Odaliske des Großherrn ! - Der Gedanke verwirrte vollends das ohnehin von abenteuerlichen Bildern und Unfug strotzende Gehirn des Mid ' s und er beschloß auf alle Gefahr hin , den Ritter bei der Schönen zu spielen . » Wenn Du mich lieben kannst , reizende Sultana , « sagte er emphatisch , » so will ich gekielholt werden , wenn ich nicht Blut und Leben für Deine Befreiung d ' ran setze . Sage mir nur , wie es zu machen ist , denn der Teufel soll mich holen , wenn ich es weiß ! « Nausika , die an der Bekanntschaft großen Gefallen fand und , ihrer Reize gewiß , über ihre Zukunft wenig Besorgniß hegte , war mit den Vorschlägen gleich bei der Hand . » Kannst , Du des Abends , im Dunkel um die dritte Stunde , wieder unter meinem Fenster sein , schöner Offizier ? « Der Midshipman schnitt ein Gesicht ; er wußte nur zu gut , daß auf rechtem Wege das nicht möglich war , denn die aufgetragene Arbeit am Werft war bald gethan und er mußte mit den Booten