Dreißigtausend gebe ich für seinen Abschluß . Pfiffig ist er , aber warum hat er seinen Sohn so erzogen ! - Ein Civilist muß das Militär gehn lassen . Wofür ist des Königs Rock ! Ist nun in der Bredouille . Kann sehn , wie er ihn rauszieht . Thut mir wahrhaftig leid , der Mann . Ja , warum hat er ihn nicht besser erzogen ! Das kommt davon . « » Was ist Ihre Meinung , Herr Mendelssohn ? « fragte ein jüngerer einen älteren Kaufmann von sehr klugem Gesicht . » Wir sind weder dreist genug , das trügerische Geschenk zu behalten , noch stark genug , es von uns zu weisen , darum ergreifen wir den beliebten Mittelweg , wir suchen den Schein zu retten und den Gewinn auch . « » Aber wir haben den Schönbrunner Vertrag ratifizirt . « » Wir ratifiziren nichts , wir statuiren nur Provisorien , um uns eine Hinterthür zu lassen . Und indem wir den Vertrag modifiziren , heben wir ihn eigentlich auf . Bis zum allgemeinen Frieden soll alles zwischen Preußen und Frankreich bleiben , wir sollen keins der versprochenen Länder räumen , Hannover nur besetzen und hoffen , daß die Engländer bis dahin ein Einsehen bekommen und uns um Gottes Willen bitten , doch Hannover zu nehmen . « » Was die Nachwelt dazu sagen wird ! Die treuen fränkischen Lande fortzuschleudern , ohne Besinnen und Reukauf , und die Gegengabe dafür nur mit Vorbehalt anzunehmen ! « » Die Nachwelt hat kein Konto in unserm Buche . « » Aber was schreiben wir auf unseres ? « » Das angenehme Gefühl , daß wir edel gehandelt haben . « » Und was Napoleon dazu sagen wird ! « » Sie hören ' s ja . Er hat Haugwitz mit einer Freundlichkeit empfangen , die eine günstige Deutung erlaubt . « » Ob sie nicht erröthen , indem sie es bekannt machen ? « » Schamröthe ist eine Illusion der Vergangenheit . « » Aber Napoleon ! « » Er lacht auch innerlich , wie unser Herr van Asten . Aber was ist mit ihm da ! « » Ein Kavallerieoffizier auf der Börse ! Geht die Welt unter ! « Der Offizier war der Rittmeister Stier von Dohleneck . Es war eine kleine Aufregung . Der Rittmeister schüttelte in einer Art Extase dem Kaufmann die Hand , fast schien es , er fühle sich in Versuchung , ihm um den Hals zu fallen , aber das schickte sich nicht . Der Kaufmann war aufgestanden , er hatte die Hand des Offiziers noch ein Mal ergriffen , sie gedrückt , dann fahren lassen und war auf den Stein zurückgesunken . Der Rittmeister war wieder fortgeeilt . » Ein braver Mann , der Herr von Dohleneck . « Es waren frohe Gesichter . Wie sollte es auch nicht ; seine Botschaft war eine frohe und van Asten ein geachteter Mann auf der Börse . Bald wussten Juden und Christen den Inhalt : das Ehrengericht der Offiziere hatte sich endlich dahin geeinigt , daß der junge Walter van Asten an jenem Abende nur in einer entschuldbaren Affektion mit dem Kornet in Konflikt gerathen , ohne seinen Stand kränkende Intention , daß er seinen Arm nur berühren wollen , um ihn auf etwas aufmerksam zu machen , und allein durch den Stoß eines Nachbars habe er sich an dem Arm festgehalten und damit durchaus nicht den Rock des Königs attentiren wollen . Die Sache wäre also eine reine Privatsache zwischen dem Kornet und dem Kaufmannssohn , letzterer aber , angesehen , daß in niederländischen Familien , unter dem vorgesetzten van nicht selten alte adlige Abkunft sich cachire , auch der junge Walter nicht erweislich hinter einem Ladentisch stehend gesehen worden , eine Person , von der ein Kavalier , in Anbetracht der Umstände und der Meriten seines Vaters , ohne sich etwas zu vergeben , Satisfaktion fordern möge . Das Zeugniß des Kornets selbst hatte diesen Spruch , an den Niemand vorhin geglaubt , veranlasst . Wer anders als sein Oheim , der Rittmeister , war das bewegende Motiv gewesen ! » So belohnt sich eine gute That , « raunte ein Freund dem Vater zu . » Ein braver Mann , der Rittmeister , « wiederholte der Chor . » Na , nu können Sie auch äußerlich lachen , Herr van Asten , « sagte der wieder hinzugetretene Baron - » der Friede , der Schnitt und der Sohn ohne Kriminal und Prison davon gekommen . Was wollen Sie mehr ! « » Lache ich denn nicht ! « rief der Alte und lachte , so laut , daß die Davongehenden noch auf dem Lustgarten sich verwundert umblickten . » Es ist des Glücks nur zu viel ! Das Zahlbrett voll zum Einstreichen , ein Friede , der uns genügt , und so viel Patriotismus an der Börse , und alles in Ruhe und lauter Ordnung im Lande , und mein Sohn - mein Sohn kriegt die Erlaubniß , von den Herren Offizieren sich ' ne Kugel durch den Kopf jagen zu lassen ! - Verzeihen Sie , meine Herren , wenn ich genug gelacht habe , daß ich auch ein bischen weine , denn das große , unverdiente Glück habe ich alter Esel mir selbst angerichtet . « Sechsundfünfzigstes Kapitel . Ein Mann von zu vielem Sentiment . » Was giebt es Neues ? « rief der Geheimrath Bovillard dem Legationsrath entgegen , und lud , ohne sich im Frühstück stören zu lassen , durch eine Bewegung den Eingetretenen zum Platznehmen ein . Die Zerlegung eines Kapaunenflügels schien ihm einige Anstrengung zu verursachen . Uebrigens sah Herr von Bovillard gemüthlicher aus als in letzter Zeit ; die Runzeln waren gewichen , das Gesicht glänzte , besonders die unteren Theile , das Kinn hatte etwas Charakteristisches , was sich in den Augen widerspiegelte , obgleich die Lippen erst der eigentliche Ausdruck waren . Herr von Bovillard gab heute kein