edlen Kunst nicht weiter gebracht als bis zum ersten gehobenen Isisschleier , aber was dieser Prozeß mit der Loge zu thun hat , begreif ich nicht ... Mit der Loge wol auch zunächst nicht selbst , sagte Gelbsattel . Aber mit ihrer Geschichte , wenigstens mit derjenigen Geschichte der Loge , für die der alte Herr schwärmt . Sie wissen , daß er zu Denen gehört , die unsre Kunst wirklich aus urältesten Zeiten herleiten - Ah so ! Aus den egyptischen , wo man die Pyramiden zu Ehren der Katzen baute , in denen der alte Narr göttliche Offenbarung erblickt ... Er sieht in der Maurerei , sagte Gelbsattel , orientalische Tradition , die wir im Abendland der Vermittlung der Kreuzfahrer , besonders aber der Tempelherren , verdanken .... Haben die Tempelherren auch Katzen verehrt ? Sie haben es nach vielen Zeugnissen ! sagte Gelbsattel nickend und ganz ernst . Hören Sie ! rief Schlurck jetzt , indem er lachend und wieder ganz erheitert aufsprang , so soll mir Einer jetzt die größte Thorheit erzählen und mir aufbinden , es gäbe Menschen , die sie für Weisheit hielten , ich glaube es ! Wenn die Katzen mit unserm Prozeß in Verbindung stehen , so nehm ' auch ich an Begeisterung für ihn zu , denn alle Miether der Johannishäuser klagen über das beispiellose Vermehren der Mäuse und Ratten so sehr , daß Keiner mehr aushält , wenn ich nicht vierteljährig einen Kammerjäger dort auf die Jagd schicke . Ja noch mehr , sagte Gelbsattel , ich hege die Vermuthung , daß der Obertribunalspräsident schon aus eigenem Antriebe dem historischen Zusammenhang dieses Prozesses nachforscht ! Ein junger Referendar , der in der zweiten Curie der Hofkammer , also in unserm Prozesse arbeitet und zufälligerweise ein Nachkomme des Ritters Hugo von Wildungen ist , dem ursprünglich diese Güter sollen gehört haben , hat sich im alten Tempelhause von Angerode eine eigenmächtige Untersuchung des dort seit undenklichen Zeiten vermauerten Archivs erlaubt , was ohne Zweifel nur im Auftrage der Gerichte geschehen ist . Schlurck , der sich wieder gesetzt hatte , horchte hoch auf ... Die Brille schob sich noch höher . Der neue Pfarrer von Angerode , erzählte Gelbsattel , hat mir diese Thatsache angezeigt . Man hat der Wittwe des verstorbenen Pfarrers die Nutznießung der alten Amtswohnung in dem dortigen ehemaligen Tempelhause gelassen und ihr neuerdings auch noch in einem Anbau Räumlichkeiten zugewiesen . Nach einem Jahre hat diese Frau die Amtswohnung zu verlassen und es ist dem Nachfolger ihres Mannes nicht zu verdenken , daß er sich schon jetzt nach der Beschaffenheit seiner künftigen Wohnung umsah . Man entdeckte dabei , daß der Sohn jener Wittwe , ein junger hier lebender Referendar , ob absichtlich oder zufällig ist unbekannt , das alte Archiv des protestantisch gewordenen Johanniterordens wieder auffand und einen mit Dokumenten gefüllten Schrein hieher mitgenommen hat ... Schlurck , in der größten Spannung den Worten des Propstes folgend , unterbrach Gelbsatteln mit dem Ausrufe : Einen Schrein ? Mit dem Zeichen des Kreuzes auf dem Deckel , wie Beobachter versichern ... Mit einem Worte hier - diesen Schrein ? Gelbsattel blickte erstaunt zur Erde nach der dunkeln Gegend hin , wohin Schlurck in der gewaltigsten Aufregung halb mit der Hand , halb mit dem Fuße gezeigt hatte .. Himmel , rief er , das Kreuz auf dem Deckel erkennend , wie kommen Sie zu dem alterthümlichen Fund ? Das Zeichen der protestantischen Ritter von Angerode ! Die vier Blätter des Kleeblatts an den Flanken des Kreuzes ! Wäre dies gelbe Papier da auf dem Tisch schon ein Dokument , das zu den Akten unsres Prozesses gehörte ? Schlurck hielt die Hand auf dem Papier , das Gelbsattel eben nehmen wollte ... Sein erstes Gefühl bei diesen Mittheilungen war das der Freude . Er sah endlich einen Zusammenhang für den Ursprung seines Fundes und eine Möglichkeit , seine unredliche Verheimlichung desselben auf einen leicht zu entschuldigenden Weg der Ausrede zurückzulenken .... Als der Propst in ihn drang , ihm genauere Auskunft zu geben , wog er ihm langsam die Worte zu : Gemach ! Gemach ! Erst sagen Sie mir : Wer ist dieser Wildungen ? Gibt es also wirklich einen Bruder des Malers Wildungen ? Was ich vor einigen Tagen schon hätte untersuchen sollen , als ich an Bartusch .... Es gibt deren zwei , unterbrach Gelbsattel mit einem eignen Ausdruck forschender Ungeduld die Vorwürfe , die sich der Justizrath über seine Sorglosigkeit in so wichtigen Dingen machen wollte ... Von einem Maler hört ' ich , sagte Schlurck . Hat er also wirklich einen Bruder ? Einen jüngern , berichtete der Propst , aber einen an Scharfsinn und Unternehmungsgeist dem Älteren weit überlegenen . Wie kommen diese Wildungen nach Angerode ? fragte Schlurck zerstreut . Er dachte nur an Egon , an den Heidekrug , an seinen Brief , an Melanie ... Durch ihren Vater , der dort die Stadtpfarrei vor einigen Jahren antrat und seit einigen Monaten nicht mehr lebt , erzählte Gelbsattel . Dieser Mann ist in meine früheste Jugendzeit verwickelt . Man konnte uns Freunde nennen , wenn wir uns nicht um eines Mädchens Willen überworfen hätten . Eine gewisse Julie Rodewald war der Zankapfel , der zuletzt zu ihm hinüberflog . Es war ein wunderlicher , grämlicher Mann , den die Ehe mit dem Mädchen , das wir Beide liebten , nicht heiter stimmte . Er versauerte und verbauerte in Thaldüren , einem thüringschen Gebirgsdorfe , wo man ihn als Pfarrer ließ , weil er zu einer bessern Stellung kaum paßte . Bald Pietist , bald Rationalist , bot er dem Consistorium kein klares Bild , keinen Henkel , schrieb ich ihm einmal auf seine ewigen Klagen um Verbesserung , um ihn anzufassen . Auf einer Rundreise durch seine Gegend wollt ' es die Amtspflicht , daß ich bei ihm vorsprach . Er wurde heftig . Er sagte mir die bittersten Dinge und nannte seine Ehrlichkeit den Henkel , an welchem ihn