eine Privatsache ansehen muß , die zu meinen Dienstpflichten in keiner Beziehung steht . Master Brixton hatte eine kurze Ruhe gefunden , und erblickte bei seinem Erwachen seinen jungen Freund , der bereit war , ihm die tröstlichen Nachrichten zu wiederholen , welche Margarith von Zeit zu Zeit aus dem Krankenzimmer herüber brachte . Der Morgen war indessen vollends angebrochen , und die Männer hielten eine Berathung über ihre nächsten Schritte . Eine sichere und jede Bequemlichkeit darbietende Zuflucht gewährte ihnen das Schloß , und dies war das augenblicklich nöthigste Bedürfniß für Lady Maria . Ein kurzer Aufenthalt schien selbst dem Master Brixton nöthig , da seine Gesundheit offenbar gelitten hatte , und so entschlossen sie sich , den Obersten Crawford , den sie offenbar vorläufig als ihren Wirth ansehen mußten , um diese Bewilligung zu bitten . Dagegen suchte Brixton es zu verhindern , daß Richmond Nachrichten an seine Familie sende , oder suchte doch sie zu verzögern , indem er ihn bat , den Ausspruch Electas abzuwarten , wann ihre Abreise möglich sein werde . Richmond willigte um so lieber ein , als er eine Art Scheu fühlte , sich über das Fräulein gegen seine Familie zu äußern . Oberst Crawford kehrte unterdeß zu ihnen zurück , und nachdem er ihren Wunsch auf das Zuvorkommendste bewilligt , folgten ihm die Herren , um das Schloß in Augenschein zu nehmen , und für sich und ihre Leute die Zimmer zu wählen . In diese zogen sie sich dann zu einiger Ruhe zurück , während Oberst Crawford in aller Stille die Ueberreste der Herzogin in den schon seit lange bereit stehenden Sarg legen und in das Erbbegräbniß neben ihrem Gemahle beisetzen ließ , und damit das dritte Begräbniß seit seinem kurzen Aufenthalt besorgte . Den Frauen des Schlosses machte er jeder einzeln in ihrem Zimmer einen Besuch , und forderte sie auf , ihm ihre Verhältnisse zur Welt und zur verstorbenen Herzogin zu entdecken . Er bekam hier genug Veranlassung , sich zu überzeugen , daß die meist aus Frankreich stammenden Frauen , welche hier der Herzogin eine Beschäftigung für ihre bösen Launen gewährt hatten , bis auf zwei , die in fanatischer Stupidität von jeder Mittheilung sich abwendeten , ohne alle Empfindung für das Ableben ihrer Patronin waren , und daß die Furcht vor der Strafe , die ihrer Korporation harre , ihr einziges Gefühl blieb . Der Oberst verhieß ihnen Fürsprache und empfahl ihnen ein ruhiges Verhalten in ihren Zimmern . Eben so versammelte er die Dienerschaft der Herzogin , und nachdem er sie von der Straffälligkeit ihres bisherigen Lebens unterrichtet hatte und von den Verhältnissen , in denen er vorläufig zu ihnen stehe , schickte er sie an ihre Plätze zur Obwaltung des Hauses , ließ dann mit militärischer Strenge von seinen Milizen die äußeren Posten besetzen und Keinem den Ausgang gestatten . Zur Versorgung der zahlreichen Bewohner war ein bedeutender Vorrath aller Bedürfnisse vorhanden , und die reichgefüllten , nach der See hin gelegenen Gewölbe bestätigten vollkommen den Verdacht , dessen Oberst Crawford , in Bezug auf die Kontrebandirer , bereits erwähnt hatte . In dem Krankenzimmer der Lady Maria ging das Geschäft der Pflege und Heilung seinen stillen geräuschlosen Gang . Electas Geschicklichkeit und Sorgfalt zeigte sich so vollkommen ausreichend , daß der herbeigerufene Arzt nur täglich den Puls zu fühlen übrig behielt , wonach er stets Gefahrlosigkeit und baldige Genesung prophezeihete , und endlich wohlbeschenkt das Schloß verließ . Es war ein höchst ergreifender Anblick , als Electa endlich den ehrwürdigen Brixton an das Bett seines geliebten Zöglings führte . Maria wollte seine Hand küssen ; er legte sie segnend auf ihr Haupt . Aber was er ihr sagen wollte , konnte seine bewegte Stimme nicht hervorbringen . Still setzte er sich ihr gegenüber , blickte sie an und fühlte die Thränen nicht , die über sein ehrwürdiges Gesicht flossen . Mein Wohlthäter ! mein Vater ! mein Erretter ! rief das erschütterte Mädchen ; welchen Gefahren , welchen Beschwerden habt Ihr Euch ausgesetzt , mich zu retten . O Ihr , mein einziger Schutz auf dieser Erde ! Beruhigt Euch , Lady Maria , erwiederte sanft der ehrwürdige Geistliche , Ihr dürft Euch nicht Euern Gefühlen überlassen ; Eure Genesung ist zu wichtig . Aber Ihr werdet es bald erkennen , daß Euch noch viele Freunde geblieben sind . Ach , Sir ! seufzte Maria , wißt Ihr denn alle , die der unerbittliche Tod von meiner Seite nahm ? Könnt Ihr sagen , daß mir außer Euch noch irgendwer geblieben ist , da der Einzige , den ich zu meinem Unglück vergeblich zu erreichen strebte , sich mir gegen meine Hoffnung entzieht ? Vertraut mir , theure Lady , sprach Brixton dringend , vertraut mir jetzt Euer Schicksal an , da ich unfehlbar klarer darin sehe , als Ihr selbst . Ihr seid für den Augenblick in sicherem Schutze , und nichts als Eurer Genesung bedarf es , um Euch würdigen und beglückenden Verhältnissen zurück zu geben . Maria ' s Auge hatte erwartungsvoll auf Brixton geruht ; es senkte sich jetzt von einer unbestimmten Ahnung erfaßt zur Erde , und die dringenden Worte verstummten in einer süßen Ruhe , die der Hoffnung verwandt war . Brixton behielt Zeit , sie unterdeß zu betrachten und mit Schmerz zu bemerken , wie die überstandenen Leiden und die sie beherrschende Erschöpfung diesen schönen jugendlichen Zügen eingeprägt waren . Er gedachte derer , die dies Kind mit so grenzenlosen Hoffnungen erzogen hatten , und ihren jetzigen Zustand weder ahnen , noch verhindern konnten ; er erinnerte sich , wen er eigentlich vor sich sah , zu welchen Ansprüchen er selbst sie hatte entwickeln helfen , und daß von allen diesen Ansprüchen in ihm jetzt nichts übrig geblieben war , als das Verlangen , ihr ein unbemerktes Loos zu sichern , keinem früher genährten Wunsche , nur dem des Herzens entsprechend . Dann fühlte er mit einer wahrhaft demüthigen Beruhigung , daß es das erreichte Ziel